Der Shutdown und die Wirkung auf der Stadt Hamm

Arbeitsmarkt in Corona-Zeiten: Aktuelle Zahlen klingen paradox

In Hamm gingen die Arbeitslosenzahlen laut Statistik zurück - doch ist ein Eindruck, der angesichts der Corona-Krise grandios über die tatsächliche Situation hinweg täuscht.
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In Hamm gingen die Arbeitslosenzahlen laut Statistik zurück - doch ist ein Eindruck, der angesichts der Corona-Krise grandios über die tatsächliche Situation hinweg täuscht.

Im März machte sich eine Frühjahresbelebung auf dem Arbeitsmarkt der Stadt Hamm bemerkbar – dann kam der Shutdown. Und der hat noch ungeahnte Konsequenzen. Fakt ist allein: Die Zahl der Kurzarbeit-Meldungen geht steil nach oben.

Hamm - Bis zu diesem Shutdown war die Zahl der Arbeitslosen in Hamm um 158 oder 2,1 Prozent auf 7520 gesunken. Die Arbeitslosenquote verringerte dies um 0,2 Punkte auf 8,0 Prozent. Vor zwölf Monaten waren es 472 Arbeitslose mehr, die Quote lautete 8,6 Prozent. "Was angesichts der aktuellen Entwicklung paradox klingt, liegt an einem frühen Statistik-Stichtag zur Monatsmitte", heißt es in einer aktuellen Stellungnahme der hiesigen Arbeitsagentur.

Der Chef der Arbeitsagentur erklärt die Zahlen:

„In diesem Monat haben die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung zur Eindämmung der Pandemie das öffentliche Leben und die heimische Wirtschaft weitgehend stillgelegt. Dies gilt natürlich auch für den Arbeitsmarkt in der Stadt Hamm, auch wenn es in den aktuellen Zahlen noch nicht zum Ausdruck kommt“, so Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm. „Stichtag für die Zahlen, die uns aktuell vorliegen, war der 12. März – und damit ein Zeitpunkt, zu dem es diese Einschränkungen noch nicht gab. Was seither wirtschaftlich und arbeitsmarktpolitisch geschehen ist, spiegelt sich in den Zahlen noch nicht wider, das wird erst im April der Fall sein. Der kommende Monat bleibt für eine richtungsweisende Aussage abzuwarten“.

Helm blickt nach vorn: „Die Auswirkungen von Corona werden sich in jedem Fall auch am Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Entscheidend wird sein, wie lange der derzeitige Stillstand andauert und wie es den Unternehmen gelingt, diese Zeit ohne Kündigungen und unter Nutzung der unterschiedlichen finanziellen Hilfen zu überbrücken. Aber auch gerade jetzt werden in bestimmten Branchen weiterhin Arbeitskräfte gesucht.“

Arbeitskräftenachfrage schon vorher schwächer

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen ist im März um 19 Stellen (1,1 Prozent) auf 1782 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies 42 Stellen oder 2,3 Prozent weniger. Die Unternehmen meldeten nur 384 neue Stellen, 86 oder 18,3 Prozent weniger als im Februar, zugleich 119 Stellen oder 23,7 Prozent weniger als vor zwölf Monaten.

Laut Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Hamm können im Berichtsmonat noch keine vermehrten Stellenangebote für den Lebensmitteleinzelhandel registriert werden. Die Zulieferbranchen (Speditionen) suchen allerdings verstärkt Berufskraftfahrer.

Anstieg der Kurzarbeit-Anzeigen wegen Corona

Die Anfragen und Anzeigen von Unternehmen in der Stadt Hamm nach Kurzarbeitergeld stiegen ab der Monatsmitte auf eine bisher unbekannte Größe an. Viele von ihnen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, sind das erste Mal mit Kurzarbeit konfrontiert.

Bislang gingen bei der Arbeitsagentur viele Anzeigen zu Kurzarbeit ein, die teils schon geprüft und erfasst sind, teils aber auch noch nicht. Zur Unterstützung werden die zuständigen Teams innerhalb der Organisation der Arbeitsagentur massiv durch Personalumsetzungen verstärkt. Auch die Arbeitszeiten wurden ausgeweitet.

Die Verfahren werden so einfach und unbürokratisch wie möglich angewandt, um den Betrieben schnell zu helfen. Angesichts des Ausmaßes der Inanspruchnahme werden sich die Bearbeitungszeiten voraussichtlich zunächst verlängern.

Erste konkrete Zahlen zum Thema Kurzarbeit in Hamm sollen am Nachmittag nachgeliefert werden. - WA

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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