1. wa.de
  2. Hamm

Erste Terraristika seit 30 Monaten: Giftpfeile fliegen durch Hamm

Erstellt:

Von: Markus Hanneken

Kommentare

Auf der „Terraristika“ wird auch mit exotischen Wildtieren wie Schlangen gehandelt.
Auf der "Terraristika" wird auch mit exotischen Wildtieren wie Schlangen gehandelt. © Andreas Rother (Archiv)

Immer umstritten, aber immer erfolgreich und immer kuschelig warm und voll: Am Samstag findet in Hamm die erste Terraristika seit 30 Monaten statt. Wie ehedem üblich fliegen auch diesmal im Vorfeld verbale Giftpfeile hin und her.

Hamm - Nach zweieinhalbjähriger Zwangspause wird am kommenden Samstag (11. Juni 2022) in den Zentralhallen wieder eine „Terraristika“ stattfinden - und zwar wie vor Corona über eine Fläche von rund 12.000 Quadratmetern mit kompletter Aussteller-Auslastung und ohne besondere Schutzauflagen für die Besucher. Das regt vor allem die Tierrechtsorganisation „Peta“ auf, die in früheren Jahren regelmäßig gegen die ihrer Ansicht nach unzeitgemäße Wildtierbörse wetterte und vergeblich ihr Aus verlangte.

Rund 600 Anbieter werden somit am 11. Juni zu der mutmaßlich weltweit größten Börse für Terrarientiere anreisen. Es sind weitgehend jene, die bereits für die Terraristika im März 2020 akkreditiert waren - die erste, die der damals noch jungen Corona-Pandemie zum Opfer fiel. „Für die Junibörse werden alle weiteren Abos außer Kraft gesetzt“, machte der Veranstalter bereits Ende März 2022 klar, als ein Zustandekommen wieder wahrscheinlich war. Rund 80 Prozent der auch aus dem Ausland anreisenden Aussteller sind übrigens Privatleute.

Terraristika zurück in Hamm: „Corona, Affenpocken & Co.“

„Peta“ ruft mit Blick auf den Neustart nun die Bundesregierung auf, „die größte Exotenmesse der Welt dauerhaft zu schließen und erinnert daran, dass Wildtierbörsen die Entstehung und Verbreitung von Viren und Bakterien begünstigen“. Schon durch Corona sei deutlich geworden, wie „gefährlich der Handel mit exotischen Tieren“ sei. Viele der auf Märkten wie der Terraristika angebotenen Reptilien seien „Wildfänge und durch tagelange Transporte in winzigen Plastikboxen stark geschwächt“. Sie könnten als Überträger so genannter „Zoonosen“ ein Risiko auch für den Menschen darstellen.

„Der Handel und die Ausbeutung von Wildtieren stehen nicht nur mit der Coronakrise in Verbindung, sondern haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche tödliche und hochansteckende Pandemien verursacht – darunter die SARS-Pandemie, die Vogelgrippe H5N1, das Ebolafieber und sogar Aids“, fasst Peta-Fachreferent Peter Höffken die Argumente zusammen. Auch die Affenpocken-Infektionen stehe mit dem Handel exotischer Nagetiere in Verbindung.

Terraristika zurück in Hamm: Veranstalter will mehr Fairness

Spürbar genervt von den nicht nur von „Peta“ stets aufs Neue geäußerten Vorwürfen hat der Terraristika-Ausrichter - Veranstaltungsservice Joswig aus Recklinghausen - auf der eigenen Homepage ein umfangreiches Plädoyer für mehr Fairness hinterlegt. Darin heißt es unter anderem: „Obwohl die Terraristika (...) wie kaum eine andere Veranstaltung dieser Größe immer wieder intensiv kontrolliert und beobachtet wird, sowohl von Behörden und Fachleuten als eben auch von Gegnern, ist seit 1995 niemals eine Ordnungswidrigkeit der Veranstalter festgestellt worden, noch gab es je Probleme mit der behördlichen Genehmigung – und das trotz des immensen Drucks, der von unseren Gegnern auch gegen die Behördenvertreter und die Politik aufgebaut worden ist.“ Betont wird, dass man „mit allen zuständigen Behörden und zahlreichen Fachleuten eng zusammen“ arbeite.

Auch der immer wieder kritisierte Handel rund um die Messehallen - gut zu beobachten auch von Nicht-Besuchern - müsse „keineswegs illegal“ sein, heißt es weiter: „Viele Halter/Züchter (...) klären schon vor der Börse, wer welche Tiere von Hobbykollegen übernimmt. Ein solcher Austausch kann dann selbstverständlich auch auf dem Parkplatz und erst recht im Hotelzimmer stattfinden, dagegen ist weder rechtlich noch ethisch etwas zu sagen.“

Die Terraristika

Die erste Terraristika in Hamm fand am 17. September 1995 statt. Sie gilt seit vielen Jahren als die größte Reptilienbörse der Welt. Vier Mal im Jahr treffen sich rund 600 Aussteller in den Zentralhallen: Weitere Termine in diesem Jahr sind am 10. September und um 10. Dezember. Besucherkarten sind für 15 Euro ausschließlich am Börsentag selbst ab 9 Uhr an der Kasse erhältlich.

Auch interessant

Kommentare