Medienschützer warnt vor Fake-Profilen

Erste Liebe übers Internet: App „Hoop“ verkuppelt Hammer Teens

Wie Tinder für Kinder: Die App „Hoop“ wird auch von Jugendlichen aus Hamm genutzt. Symbolbild
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Wie Tinder für Kinder: Die App „Hoop“ wird auch von Jugendlichen aus Hamm genutzt.

Immer mehr Teenager lernen ihren ersten Schwarm übers Internet kennen. So auch die 15-jährige Emma* aus Hamm. Sie hat ihren Freund Mats* über die App „Hoop“ kennengelernt. Die zwei sind ein Paar und das, obwohl sie sich noch nie persönlich gesehen haben.

Hamm – „Hoop“ funktioniert ähnlich wie die Dating-App „Tinder“. Der Nutzer gibt an, was er sucht: „neue Freundschaften“ oder „Liebe“. Dann werden ihm Profile von anderen Nutzern angezeigt. Da die App ab 12 Jahren ist, bekommen Minderjährige nur andere Minderjährige angezeigt. Über Wischen nach links oder rechts kann der Nutzer entscheiden, ob er die Person kennenlernen möchte. Wenn ja, kann er ihm oder ihr eine Freundschaftsanfrage bei Snapchat schicken und sich darüber verbinden. „Allerdings braucht man Diamanten, um Freunde anzufragen“, erklärt die Schülerin. Diese verdient man sich, indem man andere Freunde dazu bringt, die App zu installieren, andere Apps des Anbieters herunterlädt oder Werbeanzeigen ansieht.

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Wie Tinder für Kinder: Emma aus Hamm lernt ihren Freund über App „Hoop“ kennen

Gerade diese Art Geld zu machen, sieht Uli Wulf vom Hammer Jugendamt kritisch. Er ist für Jugendförderung und Medienschutz verantwortlich. „Das Internet sieht keinen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen, dort sind wir alle Nutzer, mit denen Geld verdient werden muss. Wenn es jetzt nur darum geht, die App täglich zu öffnen, ist es das eine, aber wenn die Kinder und Jugendlichen ständig Werbevideos ansehen müssen, ist das etwas anderes“, sagt Wulf. „Es kommen täglich Hunderte neue Apps heraus, wir hören uns um, tauschen uns über Trends und mögliche Gefahren aus, aber Hoop war bisher noch kein Thema“, so Wulf auf WA-Anfrage.

Emma nutzt die App seit Ende des vergangenen Jahres. „Meine beste Freundin hat sie mir empfohlen. Sie hat dort auch ihren Freund kennengelernt“, erklärt sie. Auch andere Freunde und Klassenkameraden nutzen die App. Im Dezember wird Emma dann ein Bild von Mats angezeigt. „Er sah sympathisch aus. Wir haben lange nur geschrieben und dann über Snapchat telefoniert und dann irgendwann auch Nummern ausgetauscht. Er hat irgendwann gesagt, dass er Gefühle für mich hat. Dann hatte es so ein zwei Wochen gedauert, bis ich mich sicher gefühlt habe und gesagt habe, dass ich auch eine Beziehung möchte“, sagt die 15-Jährige.

Mats ist bereits ihre zweite Online-Beziehung. Das Besondere: Die zwei haben sich noch nie persönlich gesehen. „Es ist in der momentanen Zeit schwierig, etwas zu machen. Es ist einfacher, sich so kennenzulernen, als irgendwo hinzugehen. Wir schreiben rund um die Uhr und manchmal telefonieren wir abends“, sagt sie.

Dating-App „Hoop“: Medienschützer warnt vor Fake-Profilen

Dank der Videochat-Funktion haben sich die beiden auch schon gesehen und wissen, dass der andere auch der ist, der auf den Fotos zu sehen ist. Das muss allerdings nicht immer so sein, sagt Uli Wulf. „Ich habe keine Ahnung, wie viele Fake-Accounts es auf Snapchat gibt. Aber es besteht natürlich immer die Gefahr, dass so eine App auch von Leuten missbraucht wird, die so Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen wollen. Solche Menschen sind sehr erfahren und kennen die Interessen der Jugendlichen gut. Man darf nicht unterschätzen, wie viele Kinder gerade momentan auch alleine vor den Geräten sitzen und auf eine solche Unterhaltung anspringen“, sagt der Medienschützer.

Probleme mit unangenehmen Anfragen hatte Emma bisher nicht. „Klar gibt es Personen, die einem komische Fragen stellen, aber dann kann man ja auch selbst entscheiden, ob man darauf antworten will oder den Kontakt doch entfernt“, sagt sie und handelt damit genau richtig. „Wenn einem ein Kontakt komisch vorkommt, dann sollte man mit den Eltern reden oder ihn direkt blockieren“, erklärt Wulf.

Generell sei es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern im Gespräch bleiben, sie ernst nehmen und sich auch mit Apps oder Computerspielen beschäftigen. „Das Vertrauensverhältnis ist wichtig.“ Bei Emma und ihren Eltern klappt das gut. „Ich habe meiner Mutter eine Woche später erzählt, dass wir zusammen sind. Sie kannte ihn schon aus Erzählungen. Wir reden da offen drüber und es ist kein Problem für meine Eltern, dass ich meinen Freund im Internet kennengelernt habe“, sagt die 15-Jährige. Und auch einen Termin für das erste Treffen gibt es schon. Es soll bei Emma zuhause stattfinden. *Namen von der Redaktion geändert

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