Skorpione, Giftschlangen und -spinnen

Erst Corona, nun Gifttiergesetz: Wie hart trifft das die Terraristika?

Der Verkauf von giftigen Tieren wie dieser Mangroven-Nachtbaumnatter wird in Nordrhein-Westfalen erschwert. Das könnte auch ein Problem für die Terraristika in Hamm werden.
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Der Verkauf von giftigen Tieren wie dieser Mangroven-Nachtbaumnatter wird in Nordrhein-Westfalen erschwert. Das könnte auch ein Problem für die Terraristika in Hamm werden.

Mit einem neuen Gesetz will das Land NRW seine Bürger vor "sehr giftigen Tieren" schützen. Dabei kommt vielen die "Terraristika" in Hamm in den Sinn. Könnte das Gesetz also Auswirkungen auf die riesige Reptilienbörse in den Zentralhallen haben?

Hamm – Vor „sehr giftigen Tieren“ will das Land NRW seine Bürger schützen und hat dazu vor wenigen Tagen ein Gesetz erlassen, mit dem es ab Januar 2021 unter anderem verbieten will, dass Skorpione, Giftschlangen und -spinnen – jeweils bestimmter Arten – von Privatleuten in häuslicher Umgebung gehalten werden.

Ein entsprechendes Verzeichnis gibt es bislang für Hamm nicht, wie Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage mitteilte.

Corona-Pandemie macht Terraristika in Hamm unmöglich

Weil die Abgabe eines der im Gesetz aufgeführten Tiere zur Haltung im Land Nordrhein-Westfalen verboten ist, könnte das Gesetz Auswirkungen auf die (derzeit wegen Corona noch pausierende) Terraristika haben. Die „weltweit größte Börse für Terrarientiere“ findet normalerweise vierteljährlich in den Zentralhallen statt, ist aber zurzeit coronabedingt ausgesetzt. Bislang hat die Terraristika 76 Mal stattgefunden; mittlerweile kommen regelmäßig über 500 Anbieter nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Europa – und Besucher sogar aus den USA und Japan.

Gifttiergesetz: So wirkt es sich auf die Terraristika in Hamm aus

Laut Veranstalter Frank Izaber wird das neue Gifttiergesetz wohl nur „geringfügige Auswirkungen“ auf die Terraristika haben, denn: „Tiere, die in dem Gesetz aufgelistet sind, dürfen nur nicht an Personen verkauft werden, die in Nordrhein-Westfalen wohnen, an andere schon.“ Darum will er mit der Stadt Gespräche führen, um gemeinsam mit Ordnungs- und Veterinäramt Maßnahmen zu entwickeln, wie mit dem neuen Gesetz umzugehen ist. Izaber: „Das könnte bedeuten, dass es eine Ausweis- und/oder Dokumentationspflicht geben wird.“ Zugleich lässt Izaber von einem Rechtsanwalt prüfen, was ab Januar geht und was nicht, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Terraristika in Hamm: Termin für nächste Auflage ungewiss

Wann es wegen der Corona-Pandemie überhaupt wieder eine Terraristika geben wird, weiß Frank Izaber noch nicht: „Ich glaube nicht, dass es dieses Jahr schon wieder was wird. Ein Restfünkchen Hoffnung habe ich für Ende Dezember.“ Das sei zwar für ihn als Veranstalter und für die Anbieter eine größere Durststrecke, aber schließlich gehe es darum, größeren Schaden von den Menschen abzuwenden. Und Izaber möchte die Terraristika wieder so veranstalten, wie man es gewohnt ist: „Das ist schließlich ein Kulttreffen.“

Das sieht die Tierschutzrechtsorganisation Peta naturgemäß ganz anders: Sie hatte bereits im Mai gefordert, dass die Terraristika „nie wieder“ öffnen dürfe. Allerdings sieht sich die Stadt als nicht zuständig an, ein Verbot auszusprechen. Peta führt an, dass „der Handel und die Ausbeutung von Wildtieren nicht nur die aktuelle Corona-Krise ausgelöst, sondern in der Vergangenheit bereits zahlreiche hochansteckende und tödliche Pandemien verursacht“ hätten. Aufgeführt werden als Beispiele die Sars-Pandemie, die Vogelgrippe H5N1, Ebola und sogar Aids.

Tiergiftgesetz in NRW tritt ab 1. Januar 2021 in Kraft:

Das Gesetz tritt zum 1. Januar 2021 in Kraft. Wer bis zu diesem Zeitpunkt „sehr giftige Tiere“ hält, ist verpflichtet, den Bestand innerhalb eines halben Jahres an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu melden – mit konkreter Bezeichnung von Art und Anzahl der gehaltenen Tiere sowie des Haltungsortes.

Bereits bis Ende Januar 2021 müssen Halter gegenüber dem Landesamt schriftlich anzeigen, dass sie das 18. Lebensjahr vollendet haben und dass eine Haftpflichtversicherung besteht; außerdem wird der Nachweis der „persönlichen Zuverlässigkeit“ (polizeiliches Führungszeugnis) gefordert.

Vogelspinnen sind genügsame Haustiere

Als „sehr giftige Tiere“ gelten solche, die „aufgrund ihrer starken Giftwirkung nach Bissen oder Stichen in der Lage sind, Menschen erheblich zu verletzen oder zu töten.“ Die Haltung dieser Tiere wird mit Ausnahmen verboten.

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