Jährliche Statistik

Erneut mehr Wohnungslose in Hamm - heftige Kritik an Agentur für Arbeit

Auf der Straße: Etwa 30 Menschen haben gar kein Dach über dem Kopf.
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Auf der Straße: Etwa 30 Menschen haben gar kein Dach über dem Kopf.

Die Situation für Wohnungslose in Hamm hat sich nicht entspannt. Es sind mehr Menschen betroffen als 2020. Bei der damaligen Erhebung hat es indes einen Fehler gegeben.

Hamm – Am 30. Juni, dem Tag der jährlichen Stichtagserhebung der freien Träger der Wohnungslosenhilfe, waren 362 Menschen ohne eigenen Mietvertrag. Das sind sechs mehr als bei der Vorjahreserhebung. Im Jahr 2015, dem Jahr der ersten Zusammenführung der Datensätze, waren es noch 236. Seitdem sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen.

Die meisten Wohnungslosen leben nicht auf der Straße

Die überwiegende Zahl der Wohnungslosen ist laut Trägern „verdeckt“ wohnungslos. Das heißt, die Menschen kommen noch bei Freunden oder Verwandten unter und haben wechselnde Schlafplätze. Die kleinere Gruppe der „offen“ Wohnungslosen, die kein Dach über dem Kopfe haben und auf der Straße leben und schlafen, bezifferte Josch Krause, Sucht- und Schuldnerberater vom Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V., in Hamm auf etwa 30 Personen.

Corona und die damit verbundenen bürokratischen Hürden seien für viele Menschen bei der Suche nach Wohnraum zu einem unüberwindbaren Hindernis geworden, hieß es bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen. Heftige Kritik erntete die Agentur für Arbeit, die es trotz langer Pandemie-Erfahrung nicht hinbekomme, die so wichtigen persönlichen Beratungen anzubieten. Stattdessen müssten sich Klienten mit telefonischen Warteschleifen, PINs oder digitaler Identitätsprüfung herumschlagen. Das sei von dieser Zielgruppe ohne Betreuung zumeist schwer leistbar. Die bürokratischen Hürden seien zu hoch.

Die Träger regen Instrumente zur Verbesserung der Situation an:

  • Eine Konferenz der Wohnungseigentümer, um klare „Spielregeln“ für die Belegung von Wohnraum zu benennen (eventuell städtischer Fonds für Schäden)
  • Ein Steuerungsinstrument der Stadt und die Bereitstellung eigener Kontingente (zum Beispiel aus HGB-Bestand)
  • Belegungsvorrecht für Menschen ohne festen Wohnsitz
  • Mehr betreute Angebote wie zum Beispiel das Projekt „Zimmer mit Zukunft“, um Menschen wieder „wohnfähig“ zu machen


Martina Denter von der Sozialberatungsstelle der Evangelischen Perthes-Stiftung machte deutlich, zu den jetzigen Bedingungen seien viele Klienten bei der Wohnungssuche kaum noch motivierbar.

Bei der Veröffentlichung der Zahlen 2020 hat es unterdessen einen Fehler in der Übertragung und Zusammenfassung gegeben. Das wurde jetzt bekannt. Statt der veröffentlichten 477 Menschen waren tatsächlich 356 Menschen wohnungslos in Hamm (53 davon weiblich). Mit eingerechnet worden waren Personen, die schon in Wohnraum untergebracht waren. Eine Entspannung der Lage oder ein Aufatmen bedeute dies aber nicht, heißt es von den Trägern der Wohnungslosenhilfe.

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