Update fürs Immunsystem nötig

Erkältungswelle erfasst Hamm - Ärzte haben viel zu tun

Die Notdienstpraxis für Kinder ist jetzt schon voll, in der Kinderklinik sind viele Betten belegt.
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Im Herbst Zahlen wie im Winter: Die Notdienstpraxis für Kinder ist jetzt schon voll, in der Kinderklinik sind viele Betten belegt.

Durch Masken, Abstand und Kontaktreduzierung sind typische Alltagskrankheiten nach März 2020 selten gewesen - mit den Lockerungen sind nun die Erreger zurück und füllen Arztpraxen und Krankenhausbetten mit vielen kleinen und großen Patienten.

Hamm – „Kinder, aber auch Erwachsene, konnten sich jetzt 1,5 Jahre nicht immunisieren. Es gibt angeborene Immunität und erworbene Immunität. Letztere bekommt man nur, wenn man mit Viren in Kontakt kommt“, sagt Hendrik Staender, Sprecher der Hammer Kinderärzte. In seiner Praxis in Heessen häufen sich seit dem Ende der Sommerferien die Fälle von Erkältungsinfekten. „Auch bei den Kollegen ist es ähnlich, und in der Notdienstpraxis kriegen wir es auch mit“, sagt der Mediziner. Weil das Immunsystem von Kindern und Jugendlichen weniger „Erfahrung“ mit Viren hat, kann die Erkältungswelle sie aktuell stärker treffen als unter normalen Umständen.

So merkt auch die Kinderklinik des Evangelischen Krankenhauses Hamm (EVK) aktuell einen für die Jahreszeit ungewöhnlichen Anstieg der Patienten mit „respiratorischen Erkrankungen“ – also Atemwegsinfekten wie Husten oder Ähnliches. „Normalerweise haben wir diese Zahlen im tiefsten Winter“, sagt Sprecherin Susanne Grobosch. Sorgen müssten sich Eltern aber nicht. „Wir haben noch genug Betten frei“, sagt die Sprecherin.

Allerdings ist die höhere Zahl der Patienten in Verbindung mit den immer noch strengen Corona-Maßnahmen eine Belastung für das Pflegepersonal. Aktuell wird jeder Patient bei seiner Aufnahme auf das Coronavirus getestet und muss isoliert werden, bis das Ergebnis da ist. „So sind viele Umzüge nötig, das ist eine zusätzliche Belastung“, so Grobosch. Zudem dürfen die Patienten die Zimmer nicht verlassen. Wann immer sie etwas brauchen – und sei es nur eine Flasche Wasser – müssen sie per Notfallknopf das Personal rufen.

Erkältungswelle erfasst Hamm: Muss sich dem Erreger aussetzen

Voll ist es auch in der Hausarztpraxis von Dr. Matthias Bohle. „Die anderen Viren zeigen jetzt, dass sie auch noch da sind. Das Immunsystem hat nach der Lockdown-Zeit nicht mehr so einen guten Schutz. Es muss jetzt quasi erst wieder geupdatet werden. Das geht nur, wenn man sich den Erregern aussetzt“, sagt der Ärztesprecher. In seiner Praxis gibt es seit ein paar Wochen vermehrt Magen-Darm-Infekte und Erkältungen mit oder ohne Fieber.

Wie man der Erkältungswelle entgehen kann? „Gar nicht“, sagt Bohle. Allerdings werde die Grippeimpfung dringend empfohlen, schließlich schützt die Corona-Impfung nicht vor der normalen Grippe. Seit dieser Woche darf die Grippeimpfung auch parallel zur Corona-Impfung gegeben werden.

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