17 tote Bergleute

Heute vor 70 Jahren: Auf Heinrich Robert ereignet sich das schwerste Unglück in der Geschichte der Zeche

Nach der Trauerfeier im Lichthof setzte sich der Trauerzug in Richtung Herringen in Bewegung.
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Die Trauerfeier für die verunglückten Bergleute von Heinrich Robert fand am 5. Juni 1951 statt.

Es war der bis dahin schwärzeste Tag in der Geschichte der Zeche Heinrich Robert: An diesem Montag vor 70 Jahren, am 31. Mai 1951, kamen als Folge einer Schlagwetterexplosion 17 Kumpel ums Leben. Es sollte das schwerste Unglück in der Geschichte des Bergwerks bleiben.

Herringen - Bei den Recherchen zu seiner Masterarbeit „Bergbau, Sozialstruktur und Wohnen: Die Zeche de Wendel/Heinrich Robert und ihr Umfeld im 20. Jahrhundert“ ist der Herringer Thilo Schmidt-Faber auf etliche Zeitdokumente gestoßen, die an dieses denkwürdige Ereignis erinnern.

Es hatte eine tiefe Betroffenheit im ganzen Land ausgelöst. Sogar der damalige Bundespräsident Theodor Heuss hatte zur Trauerfeier am 5. Juni 1951 im Lichthof einen Kranz geschickt.

Tote Kumpel erst Jahre später geborgen und beigesetzt

Bei der Durchsicht der Unterlagen aus dem Archiv von Altbürgermeister Christian Tippmann – er war zu jenem Zeitpunkt Obersteiger auf Heinrich Robert – sind Schmidt-Faber vor allem drei Dinge aufgefallen. Besonders tragisch: 14 tote Kumpel im Alter zwischen 23 und 62 Jahren konnten anfangs nicht geborgen werden.

Erst Mitte der 1960er-Jahre seien sie beim Aufbrechen der abgedämmten Kohlenstrebe im Flöz Dickebank gefunden und in aller Stille beigesetzt worden. „Drei weitere Bergleute sind im Krankenhaus gestorben und wurden wenige Tage nach dem Unglück beigesetzt.“

Die Trauerfeier fand am 5. Juni 1951 im Lichthof statt. Neben den Hinterbliebenen hatten sich dazu auch zahlreiche Vertreter der Behörden, Regierungsstellen und Organisationen, Abordnungen von den Schachtanlagen des Ruhrgebietes, aber auch die Bevölkerung der Gemeinde Herringen eingefunden, um von den toten Bergarbeitern Abschied zu nehmen.

„Der Lichthof war mit Tannengrün feierlich-trauernd ausgeschmückt, flackerndes Kerzenlicht verbreitete einen matten Schein“, beschrieben Zeitzeugen die Situation. August Schmidt, Leiter des Bergwerks, brachte in seiner Rede die Anteilnahme von 590 000 Berufskameraden zum Ausdruck. Zuvor hatten ihn Beileidstelegramme unter anderem aus Frankreich und der DDR erreicht.

17 tote Bergleute: Streit ums Mahnmal

Nach der Trauerfeier setzte sich ein kilometerlanger Trauerzug mit den Särgen von drei Bergleuten zum katholischen und zum evangelischen Friedhof in Bewegung, wo schon, wie Tippmann schrieb, „einige tausend Menschen den Trauerzug erwarteten“. In Erinnerung an alle Verunglückten sollte im Rondell auf dem evangelischen Friedhof, das die Gemeinde der Zeche überlassen hatte, ein Gedenkstein aufgestellt werden.

Doch dazu kam es nicht: „Gerade zu dieser Zeit erklärte der evangelische Pastor Weber, dass man ein großes Holzkreuz errichten sollte. Diesen Vorschlag stellte er als Forderung. Die Zeche und der Betriebsrat vertraten die Auffassung, dass es Sache der Zeche sei, wie sie die ihr überlassene Gedenkstätte ausrichte und blieb bei ihrer Vorstellung des bergmännischen Monumentes. Als Pastor Weber nicht nachgab, beschloss die Zeche, dieses Monument an einer anderen Stelle zu errichten und auf das Rondell als Grabstätte zu verzichten“, so Tippmann.

Das Mahnmal wurde gut 15 Monate später, am 7. September 1952, im heutigen Neufchâteaupark eingeweiht. Und dort steht es auch heute noch. Anlässlich des Jahrestages soll dort ein Kranz niedergelegt werden.

Das Unglück

Auf der Zeche Heinrich Robert war in der Nacht zum 30. Mai 1951 ein Grubenbrand ausgebrochen. Ausgelöst wurde er vermutlich durch den Brand eines Förderbandes. In der Nähe des Brandherdes waren 14 Bergleute gerade mit der Abdämmung des Feuers beschäftigt, als sich am 31. Mai um 2 Uhr eine Schlagwetterexplosion ereignete. Die Kumpel wurden eingeschlossen, das Feuer wütete weiter. Kurz Zeit später kam es zu zwei weiteren Explosionen. Um nicht noch mehr Menschenleben zu gefährden, wurden die Rettungsarbeiten schließlich eingestellt, und der Brandherd wurde abgedämmt. 22 im Einsatz befindliche Bergleute wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt, drei von ihnen starben später im Krankenhaus. Das Unglück führte zunächst zur völligen Einstellung der Förderung. Etwa 400 Belegschaftsmitglieder wurden vorübergehend auf die Schwesterzeche Friedrich-Heinrich in Lintfort verlegt, der Rest war arbeitslos. Insgesamt vier Wochen ruhte der Betrieb und es zeigte sich, dass nicht nur die Bergleute, sondern auch der Herringer Mittelstand, vor allem die Geschäftswelt, die Stilllegung zu spüren bekamen.

17 tote Bergleute: Eklat auf Beisetzungsfeier

Aber nicht nur die Frage, wo das Mahnmal errichtet wurde, hatte für Diskussionen gesorgt. Auf der Beisetzungsfeier selbst kam es sogar zum Eklat. Zunächst ging alles gut, bis ein Vertreter der KPD, in der Meinung, dass er als Betriebsrat auch sprechen könnte, einfach das Mikrofon ergriff und für das Unglück das System verantwortlich machte. „Versuche, ihm am Weiterreden zu hindern, arteten in einer Balgerei aus. Der verantwortliche Vertreter der Zeche schaltete kurzerhand die Lautsprecheranlage ab“, zitierte Schmidt-Faber aus Tippmanns Aufzeichnungen.

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