Missstände am Nahversorgungszentrum in Werries

Feuer erhellt „Schandfleck“: Zimmer im Maxicenter hätten nicht vermietet werden dürfen

Eine Herberge für EU-Arbeitskräfte? Über den Geschäftsräumen im ursprünglichen Teil des Maxicenters an der Ostwennemarstraße 106 wurden Zimmer offenbar widerrechtlich vermietet.
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Eine Herberge für EU-Arbeitskräfte? Über den Geschäftsräumen im ursprünglichen Teil des Maxicenters an der Ostwennemarstraße 106 wurden Zimmer offenbar widerrechtlich vermietet.

Der Verdacht, dass etwas im ursprünglichen Maxicenter in Werries nicht mit rechten Dingen zugeht, hat sich erhärtet. Die Stadtverwaltung prüft die Situation.

Werries – Kaum hatte sich der Rauch nach dem Mülltonnenbrand vergangenen Donnerstag verzogen, legte das alte Maxicenter tiefe Einblicke in die Wohnsituation vor Ort frei – und die haben es in sich. Nachdem 17 Bewohner aufgrund der Ausbreitung von Rauchgasen aus dem Gebäude gerettet worden waren, zeigte sich: Niemand hätte überhaupt dort wohnen dürfen. Der Grund: Es gibt für den Gebäudekomplex an der Ostwennemarstraße 106 mit Ladenlokalen und Arztpraxen keine Nutzungsgenehmigung für Wohnen. Damit bestätigte Stadtsprecher Tom Herberg auf Anfrage unserer Redaktion Vermutungen, die es im Umfeld seit einiger Zeit gab. Klar ist schon jetzt: Es wird Konsequenzen geben – und zwar kurzfristig.

In vielen Details tappt die Stadt noch im Dunkeln. Doch es scheint so, als hätte der Eigentümer die Bewohner nicht nur rechtswidrig unter dem Dach des Gebäudes wohnen lassen, sondern noch dazu unter widrigen Bedingungen. „Wir stehen am Anfang der Ermittlungen“, sagt Herberg dazu. Der Verdacht, dass in dem Haus etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte, kam nach dem Brand am Donnerstagabend auf. Direkt vor dem Gebäude waren von bislang unbekannten Tätern Mülltonnen angezündet worden, sodass der Rauch bis in die vermutlich zimmerweise vermieteten Wohnungen zog. Die Feuerwehr rettete 17 Bewohner. Die Umstände vor Ort warfen im Anschluss nicht nur bei den Rettungskräften Fragen auf, sondern auch bei der Stadtverwaltung.

Wie viele Menschen wohnten im Maxicenter in Werries

„Wir werden uns das bauordnungsrechtlich anschauen und entsprechende Schritte einleiten“, erklärt Herberg. Wie diese aussehen, kann zum jetztigen Zeitpunkt noch niemand sagen. Denn noch ist unklar, wie die Situation vor Ort genau aussieht. Wie viele Menschen dort wohnen, wird ebenso ermittelt werden müssen wie die genauen Hintergründe. Wie aus dem Umfeld zu erfahren ist, soll es sich bei den Bewohnern weitgehend um EU-Ausländer handeln, die im Uentroper Industriegebiet arbeiten sollen.

Für die Stadt gelte es auch herauszufinden, wie die Wohnungen an die Bewohner vermittelt worden seien, sagt Herberg. Untergebracht sind die Bewohner offenbar im oberen Geschoss unter dem Dach.

Mängel am Gebäude des Maxicenters

Anlieger, die das Treiben laut ihren Aussagen vor Ort schon seit zwei Jahren mit großem Argwohn beobachten, berichten davon, dass zuletzt sogar Familien mit Kindern im Haus ein- und ausgegangen seien – ob sie dort wohnten oder nur als Besucher zu Gast gewesen seien – alles noch im Bereich der Spekulation. Ein Blick in das öffentlich zugängliche Geschäftsgebäude zeigt aber deutlich: Mit „Schöner Wohnen“ hat die Situation nichts zu tun. Überall in den Fluren hängen Drähte und Kabel aus den Decken und Wänden, Mängel am Gebäude sind an vielen Stellen augenscheinlich.

So wird es nicht weitergehen können. „Die Wohnverhältnisse werden wohl aufgelöst werden müssen“, sagt der Stadtsprecher. Wie schnell das umgesetzt werde, sei abhängig davon, ob sich die Situation für die Bewohner als gefährlich entpuppe. Das Thema Brandschutz sei hierbei ein bedeutsamer Aspekt.

Bewohner auf Hotels in Hamm verteilen

Wichtig für die Bewohner: Die Stadt wird sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. „Wir müssen schauen, wie man sie dabei unterstützen kann“, so Herberg. Vermutlich wird es so sein, dass die Bewohner mindestens kurzfristig eine neue Bleibe bekommen – beispielsweise in einem Hotel. Nach Angaben der Stadt wird dies wohl der Eigentümer bezahlen müssen – er sei schließlich Verursacher der Situation. Ob zudem Strafen drohen, ist ebenfalls bisher unklar.

Der Eigentümer wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern. Theoretisch denkbar wäre, wie es aus dem Rathaus heißt, dass er einen Antrag auf Nutzungsänderung stelle und die Wohnungen so herrichte, dass sie den bauordnungsrechtlichen Normen entsprächen. Von jetzt auf gleich gehe das aber ohnehin nicht, betont die Stadt.

Kritik aus dem Umfeld des Maxicenters

Anwohnern und anderen Geschäftsleuten im Umfeld des alten Maxicenters ist die Situation ein Dorn im Auge. Ein Aspekt: die Müllproblematik. Wie ein Anlieger schildert, gebe es keine Mülltonnen für die Bewohner, sodass sie ihren Müll oftmals einfach vor dem Maxicenter ablegten. Im Sommer sei zudem ein Notausgang auf dem Dach wiederholt zu einem Balkon und Treffpunkt umfunktioniert worden, erzählt der Anlieger weiter.

Das alte Maxicenter steht unterdessen schon lange in der Kritik. In den vergangenen Jahren haben Geschäftsleute und die Lokalpolitik immer wieder versucht, den Eigentümer zum Handeln zu bewegen, egal, ob es um die Optik und die Aufenthaltsqualität des Parkplatzes oder um Mängel am Gebäude ging – vergeblich. Aufgrund der vielen Mängel und der schäbigen Außenfassaden sowie vieler Leerständen wird das Gebäude von vielen Werriesern seit Langem als „Schandfleck“ angesehen.

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