Neue Technik

Erfinder und Internetstar: Christian Schwinne aus Hamm hat WLED erfunden

Erfinder und Internetstar Christian Schwinne aus Hamm vor seinen Leidenschaften – links der Hyper Cube, rechts das Taj Mahal aus Lego.
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Christian Schwinne vor seinen Leidenschaften – links der Hyper Cube, rechts das Taj Mahal aus Lego.

Christian Schwinne aus Hamm hat die WLED-Technik erfunden und ist damit in der Technik-Szene schon bekannt. Das Besondere: Der Student stellt seine Software anderen frei zur Verfügung.

Hamm – Wenn man es ganz schlicht ausdrücken will, dann hat Christian Schwinne den Lichtschalter neu erfunden. Aber es ist schon etwas komplizierter: Der 22-jährige Student aus Rhynern ist der Erfinder der WLED-Technik und unter seinem Internetnamen „aircoookie“ PC-Spielern und Technik-Enthusiasten weltweit ein Begriff. Auch deshalb, weil er seine Softwareentwicklungen allen Interessierten frei zugänglich macht.

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner179.111

„Open Source“ ist der Begriff, der beispielsweise mit freien Betriebssystemen wie Linux in Verbindung gebracht wird. Auch Christian Schwinne legt seine Codes im Internet offen und ermöglicht es anderen, damit zu arbeiten und sich miteinander auszutauschen.

Student aus Hamm erfindet WLED: Dioden sind besonders bei PC-Spielern beliebt

Wie bei der Internetverbindung steht das W für wireless, also kabellos. Dass LED Leuchtmittel sind, ist der breiten Öffentlichkeit bekannt. LED steht für light-emitting diode. Und diese Dioden sind besonders bei PC-Spielern und sogenannten „Case-Moddern“, die ihre Rechner aufhübschen wollen, sehr gefragt. Dabei setzen sie gerne Streifen aus LED ein, die beispielsweise über das Mainboard eines Rechners angesteuert werden. Christian Schwinne hat die LED jetzt entfesselt, sie können über W-LAN-fähige Geräte wie das Smartphone direkt angesteuert werden. Dazu hat er eine App entwickelt. Inzwischen gibt es aber nicht nur PC-Besitzer, die ihren Rechner so beleuchten (auf YouTube sind unzählige Videos zu finden) – mal werden Autos, in einem Fall sogar ein Garagentor, per WLED in Szene gesetzt.

„Klar galt ich als Nerd, aber ich war in der Schule immer gut integriert“, erzählt der Student von der Hochschule Hamm-Lippstadt, HSHL. Seinen ersten Computer hatte Christian Schwinne mit sieben Jahren. Auslöser für seinen Weg zum Programmieren von Anwendungen war ein Geschenk seines Vaters zum neunten Geburtstag. Der Elektroingenieur schenkte seinem Sohn ein Buch über die Programmiersprache Java.

Die Technik kurz und knapp erklärt

Was ist das Besondere am WLED-Projekt? Normale LED-Streifen werden mit Strom versorgt und leuchten nur reihenförmig hintereinander mit der gleichen Farbe. WLED überträgt die Daten kabellos per WLAN. Dazu benötigt man andere LED, bei denen jede einzelne LED-Birne zusätzlich mit einem Prozessor bestückt ist. So hat jede LED eine eigene Adresse und kann einzeln angesteuert werden. https://github.com/Aircoookie

Student aus Hamm erfindet WLED: Technikbegeisterte unterstützen Entwicklung

Nach der Carl-Orff-Schule wechselte der Rhyneraner zum Beisenkamp. In der Oberstufe nutzte er die Kooperation mit dem Freiherr-von-Stein-Gymnasium, um Physik als Leistungskurs zu belegen. Er war als Schüler bei der Hammer Mathe-Olympiade sowie beim Bundeswettbewerb Informatik erfolgreich. Seine Physik-AG gewann den ersten Preis des Energiewettbewerbs der HSHL. Dort studiert er seit 2017 das Fach „Intelligent Systems Design“. Ein Deutschlandstipendium, zur Hälfte vom Bund und der Akademischen Gesellschaft Hamm getragen, unterstützt ihn dabei. „Das hat für mich den Vorteil, dass ich mir keine Nebenjobs suchen musste, sondern mich ganz auf meine Projekte konzentrieren konnte“, so Schwinne. Außerdem hat er Unterstützer im Internet. Seine Software ist umsonst, aber viele Technikbegeisterte unterstützen die Entwicklung über Donations, sprich Spenden.

Im Moment sitzt der Erfinder an seiner Bachelorarbeit, die sich auch um WLED dreht. Er entwickelt eine eigene Programmiersprache, mit der seine Technik noch flüssiger funktioniert. Auch die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten will er steigern, so sollen über die Minicomputer, mit denen er die LED steuert, unterschiedlichste Lichteffekte ermöglicht werden. Derzeit verfügt das Programm, an dem er seit 2016 arbeitet, über 110 Voreinstellungen für Effekte wie Regenbogen oder Sonnenuntergang.

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