Einbruch in Berge macht fassungslos

Tierquäler schneiden Stute Schweif ab - Entsetzen in Hammer Stall

Hilke Budde von der Stallgemeinschaft am Pilsholz zeigt den gekürzten Schweif der Haflingerstute.
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Das reicht nicht mehr zur Fliegenabwehr: Hilke Budde von der Stallgemeinschaft am Pilsholz zeigt den gekürzten Schweif der Haflingerstute.

Der Schock war groß, als Mitglieder einer kleinen Stallgemeinschaft am Pilsholz nach ihren Tieren schauten. Nicht nur hatten sich Einbrecher dort herumgetrieben - einer Stute wurde der Schweif abgeschnitten...

Westtünnen – Wenn das ein Scherz gewesen sein soll, dann war es kein guter. Als die Mitglieder der kleinen Stallgemeinschaft am Pilsholz die Tiere am vergangenen Sonntag mittags auf das Außengelände an der Rottwiese herausließen, bemerkten sie nicht nur einen Einbruch, sondern auch den abgeschnittenen Schweif einer 15-jährigen Haflingerstute. Das abgetrennte Pferdehaar blieb seitdem verschwunden.

„Zuerst haben wir geschaut, ob die Stute den Schweif nicht eingeklemmt hat“, berichtet Hilke Budde. Beim zweiten Blick wurde jedoch sofort klar, dass ein Tierquäler sein Unwesen getrieben haben muss. In der Nacht zuvor muss, das vermuten die Pferdefreunde, der Täter in die Stallungen eingedrungen sein und den Schweif dieses Pferdes mit mehreren Schnitten abgetrennt haben. „Derjenige hat offenbar gewusst, was er tat“, erklärt Lena Wiewelhove. Die ausgeführten Schnitte verliefen direkt unterhalb der Nervenbahnen des Tieres.

Nachwachsen dauert bis zu vier Jahre

Für das Tier sei das trotzdem schlimm, erklärten die Reiterinnen. Es benötige seinen Schweif zum Verscheuchen der Fliegen. Und bis entsprechend langes Haar nachgewachsen sei, werde es bis zu vier Jahre dauern. Gleich als die Tat bemerkt war, alarmierten die Reiterinnen die Polizei und suchten die gesamte Anlage ab. Der Schweif blieb verschwunden und eine Geldkassette fehlte. „Diese befand sich in einem der Spinde, wobei Sattel und Trense glücklicherweise noch da waren“, erklärt Budde.

Die Frauen wurden gefragt, ob sie einen Verdacht hätten, doch darauf konnten sie niemanden benennen. „Selbst wenn einer jemandem etwas Böses will: Man vergeht sich doch nicht an einem unschuldigen Tier!“, fehlt Hilke Budde jedes Verständnis für diese Tat. Für sie und die anderen Reiterinnen der Stallgemeinschaft ist klar: Hier handelt es sich um Tierquälerei.

Veterinär soll sexuellen Missbrauch prüfen

Im Zuge der Anzeigenaufnahme riet die Polizei, einen Veterinär hinzuzuziehen. Der solle auch überprüfen, ob ein sexueller Missbrauch der Tiere, wie in Hamm bereits geschehen (hier klicken und hier klicken), vorliege. Das wurde umgehend veranlasst. Zum Glück: Zumindest dieser Verdacht bestätigte sich nicht. Dass die Anzeige nicht auf Tierquälerei, sondern auf Sachbeschädigung laute, störe sie zwar alle, sagt Hilke Budde. Doch am wichtigsten sei es, die Sicherheit für die Tiere wieder herzustellen.

Selbst wenn einer jemandem etwas Böses will: Man vergeht sich doch nicht an einem unschuldigen Tier!

Hilke Budde, Pferdehalterin

Wieso hier nicht der Straftatbestand der Tierquälerei erfüllt sei, erklärte Polizei-Pressesprecher Hendrik Heine auf Anfrage: „Gesetzlich ist ein Tierquäler, wer Wirbeltiere grundlos tötet oder diesen erhebliche Leiden oder Schmerzen zufügt“, so Heine. Er könne den Frust über diese Tat sehr gut verstehen, doch gebe es nur einen engen rechtlichen Rahmen. Es komme zwar immer wieder zu Übergriffen auf Tiere, diese seien in Hamm aber glücklicherweise eher selten. Am 20. Juli 2018 wurde ein Pferd auf einer Weide an der Schloßstraße verletzt und in der Nacht zum 7. April 2020 in die Stallanlage eines Reitervereins eingedrungen, wo zwei Stuten sexuell missbraucht wurden.

Andere Pferdehalter sollen wachsam sein

Nun wollen die Reiterinnen andere Pferdehalter zur Wachsamkeit ermahnen und erkundigen sich bei Bekannten aus der Gegend nach ungewöhnlichen Beobachtungen. Mehrfach wurde bereits ein dunkler Pkw neuen Typs genannt, nach dem die Reiterinnen nun besonders Ausblick halten.

Wie dem Tier weitergeholfen wird, muss noch entschieden werden. Entweder muss es ständig eine Decke tragen, oder der vorhandene Rest des Schweifs kann mit Extensions verlängert werden. Zudem kontrollieren die Pferdehalterinnen von der kleinen Stallgemeinschaft am Pilsholz Online-Plattformen, ob dort farblich passendes Pferdehaar oder daraus gefertigter Schmuck angeboten wird. Fast ebenso wichtig ist ihnen, dass der Fall gelöst wird. „Wir hoffen, dass der Täter gefasst wird, und bleiben wachsam“, so Lena Wiewelhove

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