Herausforderin von Hunsteger-Petermann

Entschieden: Diese Grüne will OB der Stadt Hamm werden

Arnela Sacic von den Grünen fordert den Hammer OB Thomas Hunsteger-Petermann heraus.
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Arnela Sacic von den Grünen fordert den Hammer OB Thomas Hunsteger-Petermann heraus.

Hamm - Arnela Sacic ist Oberbürgermeister-Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen bei der Wahl im September. In der Mitgliederversammlung des Kreisverbandes am Dienstag im Vereinsheim des VfL Mark sprachen ihr die Parteimitglieder mit deutlicher Mehrheit das Vertrauen aus.

Die 28-Jährige war einzige Bewerberin. 2014 hatte Volker Burgard als Grünen-OB-Kandidat 4,3 Prozent (2975 Stimmen) erreicht. 

Sacic ist jung, offen und ein unverbrauchtes Gesicht auf der Hammer Politikbühne. Mit ihrer Kandidatur steht sie auch für einen Generationswechsel. Ob dieser im Rathaus stattfindet, werden die Ergebnisse der Kommunalwahl am 13. September zeigen. 

Sacic selbst sieht sich als „jungen Kopf mit Mut zur Veränderung“. Denn, so sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung: „So weiterzumachen wie bisher, bedeutet für mich Stillstand. Das wird den Herausforderungen in einer sich rasant verändernden Welt nicht gerecht.“ 

Beworben habe sie sich aus eigener Überzeugung, gedrängt oder überredet habe sie niemand – stattdessen aber bestärkt in ihrem Vorhaben. Bei einer Enthaltung stimmten gestern 38 Mitglieder mit ja, fünf mit nein. 

„Echter Klimaschutz“ und „soziale Gerechtigkeit“: Das sind die Themenschwerpunkte, die Arnela Sacic mit ihrer Kandidatur setzt. Dass andere Parteien insbesondere auch den Klimaschutz für sich reklamieren könnten, fürchtet sie nicht. „Klimaschutz ist die Kernkompetenz der Grünen“, sagt sie. 

Klimaschutz durch Verkehrswende

Echter Klimaschutz gehe nur mit einer Verkehrswende einher, macht Sacic in der Versammlung vor den Parteifreunden deutlich. Mit dem Ziel der Gleichberechtigung müsse der Verkehrsraum zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern neu aufgeteilt werden. Wer wolle, dass Menschen aufs Rad umsteigen, müsse auch die entsprechende Infrastruktur dafür schaffen. 

Einem kostenlosen ÖPNV steht sie kritisch gegenüber, stattdessen kann sie sich ein „365-Euro-Ticket“ vorstellen, mit dem Nutzer ein Jahr lang im ganzen Stadtgebiet den ÖPNV nutzen können. Und wenn schon kostenloses Fahren, dann eher für ältere Menschen und nicht für Jugendliche unter 18. „Jugendliche können auf andere Weise mobil sein, ältere Menschen sind stärker eingeschränkt und haben einen höheren Bedarf“, sagt sie gegenüber unserer Zeitung. 

Elektro-Roller sind für sie kein klimaschützendes Fortbewegungsmittel: „Sie ersetzen selten das Auto, eher das Fahrrad. Außerdem müssen sie abends zum Aufladen von Transportern wieder eingesammelt werden. Das ist wenig klimafreundlich.“ 

Natürliche Ressourcen wie Windkraft, Sonnenenergie, Biomasse und Umweltwärme sei in Hamm bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt worden. Die Stadtwerke müssten sich bis 2025 vom Bezug von Atom- und Kohlestrom verabschieden.

Ansage an die AfD 

Entsiegelung von Flächen, Nachverdichtung im städtischen Bereich und Schutz von Außenflächen: Das bringt ihr Beifall in der Versammlung ein. Sacics Liste zum Klimaschutz ist lang. „Der Klimaaktionsplan in der jetzigen Form ist viel zu schwammig“, sagt sie. Beifall erhält sie auch für ihre Kampfansage an die AfD. 

Als Bürgerin mit Zuwanderungsgeschichte habe sie selbst erfahren, wie wichtig ein gutes Bildungssystem mit all seinen Fördermöglichkeiten sei. Sprache sei ein elementarer Faktor auf dem Weg zu Bildung. Die Weichen für die spätere Entwicklung würden schon früh gestellt. Sacic wünscht sich mehr Geld und Personal unter anderem für die OGS und sanierte Schulgebäude. In Sachen Wohnungsbau fordert sie einen festgelegten Prozentsatz an sozial gefördertem Wohnraum. 

Bedenken, als junge Oberbürgermeisterin auch eine große Verwaltung zu leiten, habe sie nicht. „Führungsqualität ist keine Frage des Alters, sondern eher die Frage, wie ich ein Team mitnehme“, sagt sie. Die Hammer Verwaltung halte sie im Übrigen für sehr progressiv. Wer sie führen wird, zeigt der 13. September.

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