Vorwürfe gegen Gutachter im Enkelmord-Prozess

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Hier in Hamm-Ostwennemar soll der Enkel seinen Opa erschlagen haben.

Hamm/Soest/Dortmund - Mit weiteren heftigen Vorwürfen der Verteidigung gegen den psychiatrischen Sachverständigen Dr. Reinhold Dannhorn aus Unna wurde am Dortmunder Schwurgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Hans Hellendahl fortgesetzt.

Verteidiger Volker Cramer aus Soest stellte den schriftlichen Antrag, einen weiteren psychiatrischen Gutachter für die Begutachtung seines Mandanten hinzu zu ziehen. Als Begründung lieferte er mehrere aus seiner Sicht gravierende Mängel an den beiden Gutachten Dannhorns zur Frage der Schuldfähigkeit des 25-jährigen Enkels des im Februar gewaltsam zu Tode gekommenen Pensionärs.

Angeblich habe Dannhorn in der Untersuchungshaft bei der Begutachtung des mutmaßlichen Mörders wesentliche wissenschaftliche Standards verletzt wie beispielsweise eine gründliche körperliche Untersuchung oder Belehrung über die Bedeutung der Befragung und der in Rede stehenden juristischen Konsequenzen seiner Untersuchung. Der Verteidiger ist ganz offenkundig nicht damit einverstanden, dass der Gerichtsgutachter nach dem Verlauf der bisherigen Beweisaufnahme von seiner ersten vorläufigen Bewertung der Tat als einer "Affekttat" abgerückt ist und aus psychiatrischer Sicht die in Rede stehende Gewalttat nun als eine vorsätzlich geplante Tat bei voller Schuldfähigkeit bewertet.

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Die Staatsanwaltschaft entgegnete in einer Bewertung der Kritikpunkte, dass aus Anklagesicht keinerlei Zweifel an der Kompetenz des Gutachters bestünden. Auch Nebenkläger Dennis Kocker zeigte sich von der Qualität des erfahrenen Sachverständigen und seinen Ausführungen überzeugt und verwies auf dessen Schätzung, in seiner beruflichen Laufbahn rund 4000 Gutachten erstellt zu haben.

Das Dortmunder Schwurgericht wird am 24. Januar darüber entscheiden, ob ein Zweitgutachter beauftragt werden soll. Wenn dies nicht der Fall ist, könnte voraussichtlich die Beweisaufnahme abgeschlossen werden. Danach würden Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage ihre Schlussvorträge halten.

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