Hellendahl-Prozess: Sachverständiger diagnostiziert Affekttat

+
Der Enkel soll seinen Opa erschlagen haben.

Hamm/Dortmund - Mit der Präsentation des psychiatrischen Gutachtens wurde am Dortmunder Schwurgericht der Prozess um den gewaltsamen Tod des ehemaligen Leiters des Soester Börde-Kollegs, Hans Hellendahl, fortgesetzt.

Der erfahrene forensische Sachverständige Dr. Reinhold Dannhorn aus Unna hatte den unter Mordanklage stehenden Enkel des Getöteten rund sechs Wochen nach der Tat in der Untersuchungshaft aufgesucht und ausgiebig zu seinem Werdegang und zum eigentlichen Tatgeschehen befragt. 

Kein eiskalt geplanter Mord

Fazit: Der gewaltsame Tod des 84-Jährigen in seinem Haus im Hammer Stadtteil Ostwennemar war kein eiskalt geplanter Mord, sondern eine „Affekttat“, spontan begangen nach erneuten Beschimpfungen und Beleidigungen durch den Getöteten. 

Der Enkel habe ihm unter Tränen und sichtlich erschüttert von dem Geschehen berichtet, dass der Großvater ihn in den Momenten vor der Tat zum wiederholten Male beschimpft habe und ihm Vorhaltungen wegen seines abgebrochenen Studiums gemacht habe. 

Alle Artikel zum Thema finden Sie hier

„Da habe ich zugeschlagen“ gestand der Enkel damals, konnte sich aber an die genaue Anzahl der Kopfschläge mit einem so genannten Kuhfuß nicht mehr erinnern. Eine Angabe, die nach den Ausführungen des Gutachters sehr gut zu den Merkmalen einer Affekttat passt. 

Jahrelang aufgestaute Wut hat sich entladen

„Bei der Tat entlud sich eine jahrelang aufgestaute Wut über immer wieder erlebte Beschimpfungen seiner eigenen Person und von anderen Familienangehörigen.“ 

Vom Wesen her sei der 26-Jährige alles andere als aggressiv, gehe Streitigkeiten und Konflikten eigentlich eher aus dem Weg, habe immer versucht, zwischen dem Großvater und seiner Familie bei Streitigkeiten zu vermitteln. 

Bei der vom Gutachter diagnostizierten „Affekttat“ habe der Enkel in einem Zustand der „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“ gehandelt, sei also aus psychiatrischer Sicht nur eingeschränkt strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. 

Deutlich sei seine tiefe Erschütterung und Reue über sein Tun, unter Tränen habe er ihm in der Untersuchungshaft immer wieder versichert, dass er seinen Opa nie gehasst habe, ihn eigentlich liebe und er selbst alles andere als ein „eiskalter Killer“ sei. Der Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht wird Anfang Dezember fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare