Ende des Beutezuges für die Planenschlitzer von Rhynern 

+
Ein Teil der Beute: Kaffee, Autobatterien, Fernseher und Schnaps.

Hamm - Die Serie an Diebstählen aus parkenden Lkw an den beiden Autobahn-Raststätten in Rhynern hat ein Ende. Die Polizei erläutert ihren Ermittlungserfolg.

Aufschlitzen, abladen, abhauen: In einer beispiellosen Serie trieben sogenannte Planenschlitzer seit März 2017 auf den beiden Autobahnraststätten in Rhynern ihr Unwesen und narrten auch ein ums andere Mal die Hammer Polizei. 220 Sattelzüge wurden des Nachts heimgesucht, Waren im Wert von mehreren 100 000 Euro erbeutet. Zwei Verdächtige wurden jetzt von den Ermittlern verhaftet. Weitere Mittäter könnten folgen. Großer Bahnhof herrschte am Mittwoch im Hammer Polizeipräsidium. Gleich mehrere Fernsehteams und weitere Medienvertreter hatten sich an der Grünstraße eingefunden, um über den Ermittlungserfolg der Männer vom Hammer Kriminalkommissariat 2 (KK2) zu berichten. 

Nach monatelanger akribischer Arbeit und unter Ziehung nahezu aller kriminaltechnischen Register hatten die Ermittler Ende April 2018 zwei der mutmaßlichen Planenschlitzer in Duisburg dingfest machen können. Nicht nur in Hamm, sondern auch auf weiteren Rastplätzen in NRW und Holland sollen die Männer – 24 und 33 Jahre alt, angeblich Onkel und Neffe einer aus Rumänien stammenden Familie – ihre Beutezüge begangen haben. Dabei waren sie keineswegs wählerisch: „Von der Flipstüte bis zum Flachbildfernseher war alles dabei“, sagte gestern Kriminalhauptkommissar Heribert Mankartz, der im KK2 die Rolle des Teamleiters für Kfz-Delikte innehat. 

In der Nacht zum 10. März 2017 begann die Serie in Rhynern. Neun Paletten mit Kaffeevollautomaten wurden da von einem Sattelzug gestohlen, während der Fahrer im Führerhaus schlief. Wenige Tage später war es Flüssigwaschmittel, das von einem anderen Lkw, der in Rhynern geparkt war, abhanden kam. Später waren es bis zu 80 Sony-Flachbildfernseher. Die Fallzahlen gingen rasant nach oben, und auf die Hammer Polizei stürzte eine Flut von Arbeit ein. Die Täter suchten sich offenbar gezielt Sattelzüge aus, die nicht mit Alarmanlagen gesichert waren. Meistens stammten diese aus Russland, Polen oder Rumänien. Die Frachtpapiere waren für die deutschen Beamten nicht lesbar, eine Unterhaltung mit den Fahrern wegen der Sprachprobleme nicht möglich. Dass die Fahrer mit den Tätern kooperieren könnten, schlossen die Polizisten gestern ausdrücklich aus. Mit mehrsprachigen Flyern versuchten die Hammer Beamten, die Lkw-Fahrer auf die nächtliche Gefahr aufmerksam zu machen. „Es gab keine Zeugen, da stehen nachts hunderte von Lkw“, schilderte Mankartz eines der Probleme der Ermittler. Eine Vielzahl von Beamten verbrachte die Nächte an der Autobahn. Im Oktober schließlich konnte das mutmaßliche Täterfahrzeug, ein VW-Transporter, sichergestellt werden. Auf der Ladefläche befanden sich 40 Fernseher. Der Fahrer entkam und konnte jetzt, im April, in Duisburg ausfindig gemacht werden. Es ist der Neffe, der Wagen war auf den Onkel zugelassen. Seitdem gibt es keine Fälle mehr in Rhynern. 

Bei Wohnungsdurchsuchungen in Duisburg Marxloh wurden große Mengen Diebesgut sichergestellt. Den Hammer Beamten gelang es, in mühevoller Puzzle-Arbeit Teile der mutmaßlichen Beute anhand der Frachtpapiere den Autobahndelikten zuzuordnen. Auch durch DNA-Abgleiche konnten Taten aufgeklärt werden. Zuletzt sollen die Täter in Dormagen einen Lkw-Fahrer mit einem Messer bedroht und eine Dreiviertelstunde in Schach gehalten haben, während weitere Mittäter die Ladung vom Lkw räumten. Wer diese sind, ist derzeit noch unklar. Auch von den Hehlern fehlt bislang noch jede Spur. Aber: „Wir haben den Fuß in der Tür und gehen davon aus, dass wir noch weitere Personen überführen werden“, so Heribert Mankartz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare