Situation in Hamm

Elterngeldzahlen: Mütter bleiben länger zu Hause als Väter

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Symbolbild.

Hamm - Wird ein Kind geboren, bleibt die Mutter zu Hause – dieser Schluss lässt sich aus der Auswertung der Elterngeldzahlen in Hamm ziehen. Zwar beantragen immer mehr Männer Elterngeld. Der Großteil von ihnen beschränkt sich aber auf zwei Monate.

Hammer Väter verbringen heutzutage mehr Zeit mit ihren neugeborenen Kindern als früher. 463 Väter beantragten im vergangenen Jahr Elterngeld, das sind mehr als doppelt so viele wie zur Einführung im Jahr 2008.

Väter nach zwei Monaten wieder im Job

Die meisten Väter gehen allerdings nach zwei Monaten mit dem Nachwuchs wieder arbeiten: 78 Prozent der Elterngeldanträge von Vätern wurden für zwei Monate gestellt. Zum Vergleich: Lediglich 0,6 Prozent der Hammer Mütter wollten die Leistung nur für zwei Monate haben.

Mütter: Antrag oft für zehn Monate und mehr

Die Mehrzahl der Frauen bleibt länger zu Hause. Zwei Drittel der Hammer Mütter beantragten 2018 Elterngeld für zehn Monate und mehr. Zudem entfielen 20 Prozent der Elterngeldanträge von Frauen auf das Elterngeld Plus: Es wird gezahlt, wenn ein Elternteil zwischen dem 20. und 25. Lebensmonat des Kindes in Teilzeit arbeitet.

Partnerschaftsmonate selten nachgefragt

Als das Elterngeld 2015 reformiert wurde, wurde auch ein Partnerschaftsbonus eingeführt. Diese Leistung soll helfen, Kindererziehung und Beruf partnerschaftlich aufzuteilen, schreibt das Bundesfamilienministerium im Internet. Allerdings gibt es für die Partnerschaftsmonate hohe Hürden: So kann es nur dann gezahlt werden, wenn beide Elternteile parallel über einen Zeitraum von vier Monaten exakt zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeiten. Arbeitet nur einer der Elternteile zu viel oder zu wenig, müssen beide den Partnerschaftsbonus für den gesamten Zeitraum zurückzahlen. Die Folge: Die Partnerschaftsmonate nehmen nur wenige in Anspruch. Lediglich 15 Mal wurden sie 2018 in Hamm ausgezahlt.

Kosten für das Elterngeld

Die Kosten für das Elterngeld sind deutlich gestiegen. Sie lagen 2018 bei 12,3 Millionen Euro. 2.076 Anträge bewilligte die Elterngeldstelle. Demnach entfielen auf jeden Antrag rein rechnerisch etwas mehr als 5.900 Euro. Im Jahr 2017 hingegen wurde weniger Elterngeld ausgezahlt, damals waren es noch 11,6 Millionen Euro. Das entsprach etwa 5.650 Euro pro Antrag. Da sich die Höhe des Elterngeldes nicht geändert hat, lässt der Anstieg den Schluss zu, dass Hammer Mütter und Väter mehr verdienen: Die Höhe der Zahlung bemisst sich unter anderem am Durchschnittsverdienst vor der Geburt des Kindes. Maximal bekommt ein Elternteil 1.800 Euro pro Monat.

Ein Drittel ohne Einkommen

Ein Drittel der Antragsteller erhielt 2018 lediglich den Mindestbeitrag – 300 Euro pro Monat. Diese Summe fließt an Väter und Mütter, die kein eigenes Einkommen haben. Daraus den Rückschluss zu ziehen, dass ein Drittel der Kinder in Familien ohne Erwerbseinkommen aufwächst, wäre aber falsch. Schließlich kann es sein, dass beispielsweise eine Mutter nicht arbeitet und deshalb nur den Mindestbeitrag erhält, während der Vater ein Gehalt bekommt.

Besonders schnelle Bearbeitung

Die Hammer Elterngeldstelle war schon in den vergangenen Jahren damit aufgefallen, dass sie Elterngeldanträge schnell bearbeitet: 9,71 Tage brauchten die Mitarbeiter dafür im vergangenen Jahr im Durchschnitt. Das ist zwar länger als 2017, als sie sogar nach durchschnittlich 7,94 fertig waren – aber immer noch deutlich schneller als im Landesdurchschnitt. Dort müssen die Eltern fast 37 Tage auf ihre Bescheide warten.

Elterngeld ist nicht gleich Elternzeit

Elterngeld und Elternzeit werden im selben Gesetz geregelt, unterscheiden sich aber. Bei der Elternzeit handelt es sich um einen Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber: Jeder Elternteil kann bis zu drei Jahre Elternzeit beantragen – unabhängig davon, ob der andere Partner auch Elternzeit hat oder nicht. Der Arbeitnehmer hat einen Anspruch darauf, dass er nach der Elternzeit an seinen Arbeitsplatz zurückkommen kann.

Elterngeld hingegen wird pro Kind gewährt: Voraussetzung für die Zahlung ist, dass die Eltern nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Wenn sie arbeiten, wird der Verdienst berücksichtigt und das Elterngeld gekürzt. Elterngeld können Väter und Mütter in der Basisversion für insgesamt 14 Monate bekommen, wenn beide Elternteile mindestens zwei Monate Elternzeit machen. Arbeiten sie in Teilzeit, können sie sich die Leistung über einen längeren Zeitraum auszahlen lassen.

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