Turbulente Zeiten vorm Ruhestand: Corona stellt Heimleiterin Elisabeth Mischke vor „größte Herausforderung“

Elisabeth Mischke, Leiterin des Altenheims St. Josef in Herringen, verabschiedet sich am kommenden Freitag in den Ruhestand.
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Elisabeth Mischke, Leiterin des Altenheims St. Josef in Herringen, verabschiedet sich am kommenden Freitag in den Ruhestand.

Eigentlich wollte Elisabeth Mischke, den Ruhestand vor Augen, schon vor Wochen beruflich kürzer treten. Doch dann kam Corona und stellte die Leiterin des Caritas-Altenheims St. Josef vor ihre „größte Herausforderung“.

Herringen – „Dabei wurde besonders klar, wie groß die Verantwortung ist, die ich als Heimleiterin für die 80 Bewohner und die über 100 Mitarbeiter habe“, so die 62-Jährige. Insgesamt könne sie aber sagen, dass man gut durch die Krise gekommen sei. Und das auch, weil man schon frühzeitig die Bremse gezogen und Besuche eingeschränkt habe, sagt Mischke, die am Freitag ihren letzten Arbeitstag hatte. Am 10. Juli ist ihre offizielle Verabschiedung.

Vor 20 Jahren trat die gelernte Krankenschwester und studierte Sozialpädagogin, die zuvor bei der Lebenshilfe tätig war, ihren Dienst im Altenheim an. Zu jenem Zeitpunkt stand gerade der Rohbau des Neubaus. Danach wurde der Altbau kernsaniert. Später wurde dann auch noch der Sinnesgarten angelegt. Mischke war es von Anfang an wichtig, dass sich Bewohner und Mitarbeiter wohlfühlen. Denn: „Sind die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit zufrieden, wirkt sich das auch positiv auf die Bewohner aus.“

Eines der wichtigsten Projekte: die "Gute Stube"

Daher habe man sie stets in wichtige Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen, regelmäßige Fortbildungen angeboten und die Ausbildung gefördert – auch weil gerade in der Altenpflege Arbeitskräfte Mangelware sind. In die Verlegenheit, aufgrund fehlender Mitarbeiter die Bettenzahl reduzieren zu müssen, sei man nicht gekommen. In ihren Dank bezieht Mischke ausdrücklich auch die Seelsorge und die 20 Ehrenamtlichen mit ein, die sich liebevoll um die Bewohner gekümmert und sie beispielsweise bei Ausflügen begleitet oder mit ihnen gebastelt hätten.

Als eines der wichtigsten Projekte in den vergangenen 20 Jahren bezeichnet die scheidende Heimleiterin die „Gute Stube“. Es handelt sich dabei um den Wohnbereich für mittelschwer und schwer an Demenz erkrankte Bewohner. Viel Wert habe man auch auf die Sterbebegleitung und die Öffnung des Altenheims gelegt. Dazu gehörten vor der Pandemie beispielsweise die „Kultur am Sonntag“, die enge Zusammenarbeit mit der Lessingschule, der Basar, der Weihnachtsmarkt, die große Bergbauausstellung und regelmäßige Vorträge.

Im Jahr 2001 standen Elisabeth Mischke und der verstorbene Pfarrer Lothar Brieskorn vor dem Rohbau des Heims.

Mischke möchte Altenpflege verbessern

Doch auch außerhalb des Altenheims war Mischke aktiv und hat sich an vielen Stellen Gehör verschafft, wenn es darum ging, die Situation in der Altenpflege insgesamt zu verbessern. Dass die langjährige Sprecherin der AG der Hammer Altenheime dabei auch immer wieder bei der Heimaufsicht und Politikern angeeckt ist, habe sie in Kauf genommen. „Mir ging es immer um die Bewohner und die Mitarbeiter.“

Eines ihrer Lieblingsthemen sei die aufgeblähte Dokumentation gewesen. Dadurch gehe wertvolle Zeit für die Pflege verloren. Zwar seien in den letzten 20 Jahren Fortschritte erzielt worden. Am Ziel sei man aber noch lange nicht. „Wir sind vielleicht zwei Schritte vor, aber auch wieder einen zurückgegangen“, so Mischke, die betont, dass sich die Qualität der Altenpflege in den letzten Jahren insgesamt verbessert habe – und das bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen.

Was Mischke im Ruhestand macht

In ihrem Ruhestand will sich die Nordkirchenerin zunächst einmal vor allem eines antun: Ruhe. Zeit ihres Lebens sei sie auf der Überholspur gewesen. Gerade die letzten Monate hätten sie viele Nerven gekostet, sagt sie. Und so will Elisabeth Mischke die freie Zeit vor allem für Reisen, Fahrradfahren und ihre Familie – dazu gehören auch vier Enkel im Alter zwischen zwei und 13 Jahren – nutzen. Sie könne, wie sie sagt, beruhigt in den Ruhestand gehen. Denn gemeinsam habe man es geschafft, das Heim fachlich, personell, wirtschaftlich und organisatorisch gut aufzustellen.

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