Gutes Gleitgefühl

Eislaufen ohne Eis? Kunststoffbahn macht Schlittschuhfahren im Sommer möglich

Betriebsleiter Dirk Sowicki holt die Kunststoffbahn nach Hamm.
+
Betriebsleiter Dirk Sowicki zeigt die Bilder der Kunststoffbahn.

Eine Saison, die niemals endet? In der Eishalle könnte Schlittschuhlaufen auch in diesem Sommer möglich sein. Und das ganz ohne Eis.

Hamm – Eine Eisbahn ohne Eis wird in Kürze die nächste Attraktion in der Hammer Eishalle. Klingt paradox, stimmt aber wirklich: Möglich macht das die Schweizer Firma „Glice“, deren aus Kunststoff bestehende Bahnen mittlerweile in der ganzen Welt ein ganzjähriges Training für Schlittschuhfahrer und sogar Eishockeyprofis der nordamerikanischen NHL ermöglichen. „Wir hoffen, dass die Bahn gut angenommen wird“, sagt Eishallen-Betriebsleiter Dirk Sowicki über die Investition, die der Eishalle einen Betrieb im Sommer ermöglichen soll.

Eislaufen ohne Eis: So funktioniert die Kunststoffbahn

Rund 300 Quadratmeter groß wird die von Banden umrandete Bahn sein, die inmitten der Eishalle in etwa vier bis fünf Wochen aufgebaut werden soll. „Sie ist zu 94 Prozent identisch mit Eis“, erklärt Sowicki und fügt hinzu, dass man die Bahn mit ganz normalen Schlittschuhen mit Kufen befahren kann. Wie genau das funktioniert, ist dabei das Geheimnis des Herstellers. Klar ist nur, dass die zwei Zentimeter dicken Platten das Gleiten der Kufen aufgrund von Reibung und Wärme ermöglichen – so, wie auf einer Eisfläche. Das haben Sowicki und die beiden Eismeister der Eishalle bereits persönlich getestet, als sie sich kürzlich in Berlin vom Können der Kunstbahn überzeugt haben.

Eislaufen auf Kunststoff: Fahrt in Testzentrum

Die Fahrt zum Testzentrum sei dabei von Skepsis geprägt gewesen, erzählt Dirk Sowicki, der im Nachhinein darüber lachen kann. „Ich habe gedacht, das ist nichts“, sagt Eismeister und Haustechniker Julian Pielka, der selbst leidenschaftlicher Eishockeyspieler ist und damit bestens geeignet war, um die Testbahn zu prüfen – und zwar mit eigener Ausrüstung. „Beim ersten Mal auf der Bahn war es ungewohnt, aber nach fünf Minuten ging es“, sagt Pielka, dem das Training auf Kunststoff dann richtig Spaß gemacht habe. Worauf es ankomme? „Man muss den Kopf ausschalten“, betont er. Für den Sommer sei es jedenfalls sehr hilfreich, findet Pielka, schließlich sei dann normalerweise kein Eishockeytraining möglich. Mit der Bahn von „Glice“ gebe es nun eine gute Alternative.

Vorteile habe die Bahn nicht nur in sportlicher Hinsicht. „Die Bahn ist klimaneutral und damit umweltfreundlich“, sagt Dirk Sowicki von der Eis-EG, schließlich benötige sie keine Kühlung. Ebenfalls positiv: „Man schaltet einfach das Licht in der Eishalle an und kann auf die Bahn gehen“, erklärt der Betriebsleiter und fügt hinzu, dass man die Fläche lediglich abfegen und ein Mal in der Woche mit einer Pflegelotion behandeln müsse. Ohne Kühlung müssen sich die Nutzer der Bahn außerdem keine dicke Kleidung anziehen. „Man kann in T-Shirt und Shorts drauf“, sagt Sowicki und betont, dass die Verletzungsgefahr geringer als auf Eis sei.

Nutzungsmöglichkeiten gibt es unterdessen viele: Angefangen beim Eishockeytraining für Vereine bis hin zur Eislauflernschule, einer Eisdisco und dem normalen Schlittschuhlaufen sei alles denkbar, so der Betriebsleiter. Die neue „Glice“-Bahn kann mit geliehenen oder auch eigenen Schlittschuhen genutzt werden.

Mit der 300 Quadratmeter großen Bahn hat die Hammer Eis-EG vor allem in die Zukunft der Halle investiert. Seit Monaten fehlen hier Einnahmen. Mit der Bahn könne man künftig auch in den eisfreien Monaten Mai, Juni und Juli Besucher ansprechen. Sollte die Bahn gut ankommen, würde man sie gerne auf 900 Quadratmeter erweitern, sagt Dirk Sowicki. Zum Vergleich: Die normale Eisfläche in der Halle beträgt 1800 Quadratmeter.

Die „Glice“-Bahn ist bereits bestellt – und dennoch gibt es noch offene Fragen zur Nutzung in diesem Sommer – wegen Corona  (News zum Coronavirus in Hamm). „Wir werden die Bahn Corona-unabhängig aufbauen“, sagt Sowicki und hofft, dass die Bahn mindestens vier Wochen lang zum Einsatz kommen kann, ehe sie einer echten Eisfläche weichen wird.

„Wir hoffen, dass wir Besucher in Kleingruppen in die Halle lassen können“, so der Betriebsleiter. Wie das Ganze tatsächlich laufen wird, wird sich aber erst in Kürze entscheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare