Traditionsunternehmen schließt

Tränen, Blumen und Dankeschöns zum Abschied von Spielwaren Kremers

Abschied Spielwaren Kremers 24. Oktober 2020
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Heidi Scholz-Kremers (Mitte) erhielt Blumen und Dankeschöns von den Kunden.

Es waren so einige Taschentücher notwendig, als Heidi Scholz-Kremers am Samstag zum letzten Mal ihr Spielwarengeschäft „Spielwaren Kremers“ an der Oststraße öffnete. Denn im Laufe des Tages liefen der 76-Jährigen immer mal wieder Tränen die Wangen herunter, als sich langjährige und treue Kunden bei ihr verabschiedeten.

Hamm – Einen Blumenstrauß, lieb gemeinte Präsente und sehr herzliche Worte zum Abschied gab es für Scholz-Kremers und ihre Mitarbeiter beispielsweise von Jessica Maletzky und Jessica Feldkötter. Beiden war es wichtig, den letzten Verkaufstag noch einmal für einen Rundgang durch das Traditionshaus zu nutzen und sich persönlich zu bedanken. „Wir waren schon als Kinder gerne hier“, erinnerte sich Jessica Maletzky und schwelgte in Erinnerungen.

„Einmal habe ich 40 Mark dafür gespart, damit ich ein lila Glücksbärchi kaufen konnte“, erzählte Maletzky. Wo sie auf der Suche nach der Spielfigur zur 80er-Jahre-Zeichentrickserie fündig wurde: natürlich bei Spielwaren Kremers. „Den habe ich sogar noch“, fügte sie an und lächelte.

„Es sind Kindheitserinnerungen“

Auch als Erwachsene sei sie noch gerne in den Laden an der Oststraße gekommen. „Mit meiner Tochter Mariella“, so Maletzky. Wobei: Ein Einkaufserlebnis sei der Besuch des Spielwarenladens nicht nur für die Tochter gewesen. „Es sind Kindheitserinnerungen“, begründete Jessica Maletzky.

Noch einmal durch die nur noch spärlich bestückten Regale zu gehen war auch für Jessica Feldkötter, die mit ihrer Tochter Lilli unterwegs war, wichtig. Was das Spielwarengeschäft ausgemacht habe? „Die Herzlichkeit“, sagte Feldkötter und fügte hinzu, dass ein Besuch des Ladens für viel Inspiration gesorgt habe – anders als das Kaufen von Spielzeug im Internet. Etwas bei Kremers zu kaufen sei ein „Erlebnis“ gewesen, schließlich konnte man sich hier alles anschauen und anfassen, fand Feldkötter. Im Internet geht das natürlich nicht.

Abschied von vielen Stammkunden

Jessica Feldkötter und Jessica Maletzky waren jedenfalls traurig, dass „Spielwaren Kremers“ jetzt Geschichte ist. So ging es auch vielen anderen langjährigen Kunden. „Heute sind noch einmal viele Stammkunden gekommen, die sich persönlich verabschieden wollten“, erzählte Geschäftsführerin Heidi Scholz-Kremers, die angesichts der positiven Resonanz sehr gerührt war – „das war einfach schön.“

Das Aus nach über 60 Jahren in der Spielwarenbranche hat die 76-Jährige natürlich alles andere als kalt gelassen. „Mir hat jeder Tag Freude gemacht“, sagte sie über ihren Arbeitsalltag. Klar, schließlich sorgte sie mit ihrem Spielwarenangebot – angefangen bei Teddys, Modellbausätzen bis hin zu Knete, Puzzles und Spielfiguren – für viele glückliche Kinder in Hamm und darüber hinaus. „Es ist etwas anderes, als wenn man Butter und Eier verkauft“, sagte sie mit einem Lächeln.

Noch Ware nachgeordert

Positiv fällt unterdessen auch die Bilanz nach rund drei Wochen Abverkauf aus, wie Scholz-Kremers erklärte. Wie wichtig ihr ihre Kunden waren, zeigte dabei eine Kuriosität: Denn trotz des Abverkaufs orderte die sympathische Ladeninhabers zwischenzeitlich noch Waren nach. Vor dem Abverkauf umfasste das Angebot rund 25.000 bis 30.000 Waren.

Wer künftig in Hamm Spielwaren kaufen möchte, wird suchen müssen. Ein richtiges Spielwarengeschäft gibt es nun nämlich nicht mehr. „Den Kindern wird es am meisten fehlen“, sagte Scholz-Kremers, die das Lachen der Kinder über neues Spielzeug sicherlich vermissen wird. Und doch sagte sie: „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ Denn so schwer ihr der Abschied von ihrem geliebten Laden auch fällt: Es gibt auch positive Seiten. Mit dem wohlverdienten Ruhestand habe sie nun endlich mehr Zeit für die Enkelkinder, sagte sie voller Vorfreude.

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