Einsatz für Taubenhaus in Hamm

Jutta Mir Haschemi-Röben (links) und Susanne Geisler möchten ein Taubenhaus im Zentrum der Stadt errichten – um die Tiere aus dem Bahnhof zu locken und ihre Vermehrung zu kontrollieren. ▪
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Jutta Mir Haschemi-Röben (links) und Susanne Geisler möchten ein Taubenhaus im Zentrum der Stadt errichten – um die Tiere aus dem Bahnhof zu locken und ihre Vermehrung zu kontrollieren. ▪

HAMM-MITTE ▪ Zwei Hammerinnen möchten ein Taubenhaus in der Innenstadt aufstellen, damit die Tiere aus dem Bahnhof verschwinden und ihre Population durch Austausch von Eiern verringert wird. Stadt und Deutsche Bahn begrüßen die Initiative grundsätzlich, haben aber Bedenken, ob dies zum gewünschten Erfolg führt. Und der Zugbetreiber macht schon vorab klar: Zu einer finanziellen Beteiligung sei man nicht in der Lage.

Die beiden Hammerinnen sind Jutta Mir Haschemi-Röben (62) und Susanne Geisler (45). Mir Haschemi-Röben hat vor zwei Jahren eine hilflose Jungtaube aus dem Bahnhof mitgenommen und sie aufgepäppelt. Sie möchte das Problem mit den Vögeln dauerhaft lösen, so dass Mensch und Tier gleichermaßen davon profitieren. Geisler hält in einer Voliere selbst fünf Tauben, die sie vor dem sicheren Tod gerettet hat. Sie hat nach der Ankündigung der Deutschen Bahn, die Tauben im Bahnhof einfangen und an anderer Stelle wieder aussetzen lassen zu wollen, Sorge. Zu oft habe man schon gehört, dass Tiere bei derlei Aktionen getötet worden seien.

Die beiden Damen betonen, dass sie nicht gegen, sondern am liebsten gemeinsam mit der Bahn und der Stadt an der Lösung arbeiten möchten, und bieten dabei dauerhaft ihre eigene Mithilfe an. Den Taubenhaus-Vorschlag hat Mir Haschemi-Röben dem Oberbürgermeister bereits schriftlich unterbreitet und wartet nun auf Antwort. Sie argumentiert, dass die Tauben den Bahnhof nur verließen, wenn man ihnen eine artgerechte Alternative anbiete. Ganz nebenbei erreiche man durch eine kontrollierte Fütterung eine bessere Gesundheit der Tiere.

Als Ort für ein Taubenhaus können sich die beiden Hammerinnen das Dach des Technischen Rathauses vorstellen oder einen Platz auf dem Bahngelände. Diese Frage müsse aber noch eingehend geprüft werden. Um den Plan zu realisieren, bedürfe es in jedem Fall weiterer helfender Hände sowie Sponsoren, unterstreicht Mir Haschemi-Röben. Vielleicht könnten auch Klienten des Job-Centers bei der Pflege der Anlage eingesetzt werden, lautet ein Vorschlag.

Laut Mir Haschemi-Röben machen andere Städte gute Erfahrungen mit einem Taubenhaus. Zumindest in Düsseldorf aber sei dies anders, meint Bahnsprecher Udo Kampschulte. Hier gebe es auf dem Dach des Bahnhofs gleich zwei Häuser und immer noch suchten Tauben den Weg ins Innere des Gebäudes und hielten sich auf den Bahnsteigen auf – auch weil sie von Menschen gefüttert würden.

Dass die Bahn sich finanziell nicht an einem Taubenhaus beteiligen will, begründet Kampschulte mit den ohnehin schon hohen Kosten für die Taubenvergrämung in Hamm. Neben dem Abtransport der Tiere, der tierschutzkonform durchgeführt werde, würden nun noch weitere Spikes angebracht, auch werde getestet, ob sich die Tiere mit für sie unangenehmen Tönen verscheuchen lassen.

Stadtsprecher Christian Strasen befürchtet, dass den Tauben durch einen eigenen Bau lediglich eine zusätzliches Nahrungsangebot gemacht wird, die Tiere dann zwischen Haus und Bahnhof pendeln und im schlimmsten Fall zusätzliche Vögel angelockt würden. Konkrete Überlegungen für ein Taubenhaus gebe es derzeit nicht, man werde aber auf den Vorschlag reagieren.

Bezirksvorsteher Wolf Köhler, der der Bahn angesichts des vielen Taubendrecks im Bahnhof bereits mit der Hygieneaufsicht gedroht hatte, wich bei der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung von seinem Konfrontationskurs ab. Er berichtete von einem intensiven Gespräch mit dem Bahnhofsmanagement in Dortmund, bei dem er den Eindruck gewonnen habe, dass das Unternehmen selbst alles daransetze, das Taubenproblem zu lösen. Er wolle die Bahn nie wieder bezichtigen, ihr Gebäude bewusst verdrecken zu lassen.

Wer sich mit für ein Taubenhaus in Hamm einsetzen will, kann sich bei Susanne Geisler unter Telefon 9 69 56 72 melden. Für die Auseinandersetzung mit dem Thema empfehlen die Initiatoren eine Internetseite des Vereins „Menschen für Tierrechte“: http://www.stadttauben.de. ▪ jm

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