Sprayer-Hilfe vom „Banksy Brasiliens“

Einmal Engel sein: Heessen hat jetzt einen Selfie-Point

Wark Rocinha (links) gestaltet mit Schülern aus dem Jugendgemeinschaftswerk den ersten Selfie-point in Heessen.
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Kunst an der Straße: Wark Rocinha (links) gestaltet mit Schülern aus dem Jugendgemeinschaftswerk den ersten Selfie-point in Heessen.

Mit der Unterstützung eines waschechten südamerikanischen Künstlers - dem „Banksy Brasiliens“ - haben junge Leute in Hamm-Heessen den ersten Selfie-Point geschaffen.

Hamm – Im Lockdown verschönerten sie die Innenräume. Jetzt war auch das Außengelände der Möbelwerkstatt dran. Unterstützt wurden die zehn jungen Menschen zwischen 17 und 24 Jahren von der Stadtwerkstatt des Jugendgemeinschaftswerks Hamm von einem waschechten brasilianischen Künstler.

Wark Rocinha, der mit bürgerlichem Namen Marcos Rodrigues Neves heißt, lebt in der Favela da Rocinha. Er hatte das Glück, Menschen, um sich herum zu treffen, die ihn in vielfältiger Weise unterstützten und ihm auch den Kunstkurs finanziell ermöglichten. „Ohne diese Menschen, wäre er jetzt nicht da, wo er heute ist“, sagt Dirk Böse. Er ist ehemaliger Stein- und Schloss-Schüler und lebt seit 1991 in Rio. Dort lernte er Wark Rocinha vor fünf Jahren bei einem Musikfestival näher kennen. Er war begeistert von dem Künstler, der auch häufig „Banksy Brasiliens“ genannt wird, und brachte ihn nach Deutschland. Als Reiseleiter führt er Gruppen in Rio an den Ort von Warks Schaffen und organisiert nicht zuletzt dank privater Unterstützung dessen Europa-Touren.

Vergessen, wo er herkommt, hat der Künstler nie. Mit den Erlösen aus seinen Deutschland-Touren will er in den Favelas von Rio eine Kunstschule aufbauen. Auf diese Weise soll Kindern und Jugendlichen ohne finanzielle Mittel ein Zugang zur Kunst ermöglicht werden.

Selfie-Point für Heessen: Graffiti-Engel an Außenwänden

Wark sprayt, seit er etwa 15 Jahre alt ist. Bunte Engel im Comic-Stil mit großen Köpfen, Kulleraugen und Flügeln sind das Markenzeichen des Künstlers. Zwei seiner farbenfrohen Engel zieren nun auch das Außengelände der Heessener Möbelwerkstatt. Unter dem Motto „Jeder kann der Engel eines anderen sein“ sprayte er gemeinsam mit den Teilnehmern der Stadtwerkstatt seine Graffiti-Engel an zwei Außenwände. Neben einem kindlichen Engel, der mit einem Buch in der Hand auf einer Wolke sitzt, gibt es dort nun auch einen Selfie-Point: In Anlehnung an die bekannten Bilder vom Venice Beach können dort nun auch Selfies mit Engelsflügeln geschossen werden.

Initiiert wurde die Kunstaktion vom Verein Neonweisz. Über den Verein ist auch der Kontakt zu dem Künstler entstanden. Auch dort hatte der brasilianische Streetart-Künstler bekannte Engel-Motive gesprüht.

Selfie-Points: Gelegenheit, in eine andere Rolle schlüpfen

Ob Engelsflügel, buntes Pfauenrad oder Schmetterlingsflügel: Passanten bleiben stehen, zücken ihre Smartphones, machen Selfies oder lassen sich fotografieren und posteten ihre Bilder in den sozialen Netzwerken. In Großstädten sind sogenannte Selfie-Points nichts Neues mehr. Wer junge Leute anlocken will, braucht heute Instagram-taugliche Straßenkunst. Viele Insta-Nutzer kennen die Engelsflügel an der pinkfarbenen Wand in Venice Beach. In Fulda wurde ein dunkelgrünes Flügelpaar, bestehend aus weißen Lilienblüten, auf einen Teil der Stadtmauer angebracht. Einige Meter weiter sind bunte Pfauenfedern. Im Maximilianpark Hamm laden Schmetterlingsflügel zu Selfies ein.

Selfie-Point für Heessen: aus schwierigen Verhältnissen

Das Kulturbüro der Stadt Hamm unterstützte das Projekt. Die JGW-Stadtwerkstatt wird vom Kommunalen Jobcenter gefördert. Als Träger der Jugendberufshilfe hat es sich das JGW zur Aufgabe gemacht, Jugendliche bei ihrem Einstieg in den ersten Arbeits- oder Ausbildungsmarkt zu unterstützen. Das Motto der beiden Aktionstage passe daher auch gut zum JGW, findet Marie-Christin Höfener: „90 Prozent der jungen Menschen bei uns stammen aus sehr schwierigen Verhältnissen. Hier bekommen sie jemanden an die Hand, der ihnen dabei hilft, ihren Weg zu finden und eine Tagesstruktur zu bekommen.“

Einer von ihnen ist Maurice. Der 22-Jährige erarbeitet sich mit der Maßnahme beim JGW den Führerschein. Diesen braucht er, um im nächsten Jahr seine Ausbildung zum Altenpfleger beginnen zu können. Erfahrung im Graffiti-Sprayen bringt er bereits mit: „Ich finde die Aktion sehr gut und helfe den anderen Teilnehmern.“

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