Die Leidensgeschichte des Hammer Metal-Sängers

Einmal die Hälfte, bitte: So speckte der Hammer Markus Bednarek 100 Kilo ab

Markus Bednarek aus Hamm früher und heute: 100 Kilogramm hat er abgenommen.
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„Wenn ich die Bilder von früher sehe, denke ich schon manchmal – wie konnte es so weit kommen?“, sagt Markus Bednarek. Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegen elf Jahre.

Der Jojo-Effekt macht oft genug die besten Vorsätze wieder zunichte. Markus Bednarek aus Hamm hatte dieses Problem sogar im XXXL-Format. Inzwischen hat er 100 Kilogramm (!!) abgespeckt.

Hamm – Alle Jahre wieder die guten Vorsätze zum Jahreswechsel: Markus Bednarek, den etliche Hammer unter seinem Spitznamen „Betty“ und als Sänger der Thrash-Metal-Band Delirious kennen, will abnehmen. „Es war immer das gleiche Spiel – man quält sich eine Weile, macht Diäten, hungert, irgendwann hat man 10 Kilo runter. Dann schlägt man wieder über die Stränge, gibt auf und am Ende hat man 15 Kilo wieder drauf. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn man das über 20 Jahre so macht. Irgendwann geht man dann auch nicht mehr auf die Waage“, schildert der Musiker seinen endlosen Kampf mit dem eigenen Körper.

Dabei ist gerade dieser Körper über viele Jahre sein Markenzeichen gewesen. Auf der Bühne verlieh Bednareks massige Gestalt den Band-Auftritten zusätzliche Wucht und brachte Delirious den Ruf ein, zu den Schwergewichten der Metal-Szene zu zählen. Außer Atem geriet „Betty“ dabei selten: „Ich war ja dabei nie wirklich unsportlich“, sagt der Fußball-Fan, der Schalke im Herzen trägt und die Pille gerne mal mit dem Fuß über den Rasen schiebt. „Richtig Fußball spielen konnte ich nie. Das ging mit dem Gewicht einfach nicht“, sagt der heute 47-Jährige rückblickend. Viele Male hat er am Spielfeldrand gestanden und sich gewünscht, mitkicken zu können, wenn Freunde und Kollegen ihrem Bewegungsdrang nachgaben.

Markus „Betty“ Bednarek mit seiner Band Delirious bei einem Auftritt im Herbst 2009.

In Hamm 100 Kilo abgespeckt: Selbsthilfegruppe und Magenverkleinerung

„2016 hat es dann Klick gemacht“, erzählt Bednarek. Zu dem Zeitpunkt leidet er bereits unter starken Schmerzen. 222 Kilogramm Körpergewicht belasten seine Knochen massiv und die linke Hüfte ist derart verschlissen, dass sie baldmöglichst durch ein Kunstgelenk ersetzt werden muss. Bednarek weiß, dass er die Probleme allein nicht mehr in den Griff bekommt und nimmt Kontakt zu einer Adipositas-Selbsthilfegruppe auf, in der Übergewichtige Erfahrungen und Informationen austauschen. Nach reiflicher Überlegung entscheidet er sich für eine Magenverkleinerung. Der Eingriff erfolgt 2017.

„Für mich bedeutete das, dass ich mir anfangs fast schon den Wecker stellen musste, um das Essen nicht zu vergessen“, beschreibt Bednarek die Folgezeit mit einem Magen, der nur noch 250 Milliliter Inhalt fasst.

Er lernt Essen und Genießen neu und stellt auf eiweißreiche Kost um. Da er ohnehin gerne und gut kocht, fällt ihm die neue Herausforderung nicht schwer. Bis heute hat er mehr als 100 Kilogramm abgespeckt, wenigstens 20 sollen noch runter. 99 Kilo bei einer Größe von 176 Zentimetern wären okay für den Delirious-Frontmann.

In Hamm 100 Kilo abgespeckt: Über Krücken zur neuen Hüfte

Schon vor Corona konnte es ihm durchaus passieren, dass er Konzerte besuchte und von alten Weggefährten nicht erkannt wurde, so sehr hat sich der Familienvater optisch verändert. „Jetzt mit Maske kommt es noch häufiger vor, dass Leute nicht merken, wer ich bin“, sagt Bednarek und lacht. Wenn er heute Vorher- und Nachherbilder betrachtet, staunt er selbst über die gravierende Veränderung. „Wenn ich die Bilder von früher sehe, denke ich schon manchmal – wie konnte es so weit kommen?“, sagt er nachdenklich.

Die radikale Lebensveränderung verhindert nicht, dass ihm das Laufen immer schwerer fällt. Ab 2019 kann sich „Betty“ nur noch mühsam an Krücken fortbewegen. Eine Hüft-OP ist unumgänglich. Es ist ein langer Leidensweg bis ihn die Ärzte im Sommer 2020 endlich von den Gehhilfen befreien, indem sie ihm eine neue Hüfte einbauen.

Markus „Betty“ Bednarek im Herbst 2020 - er wiegt inzwischen rund 100 Kilogramm weniger. (Ein Klick rechts oben ins Bild zeigt das komplette Motiv.)

In Hamm 100 Kilo abgespeckt: Couchfluchten mit Mountainbike

Seither steigert der Patient täglich sein Sportprogramm: „Betty“ hat umgesattelt auf Mountainbike. Und mit dem fährt er nicht nur täglich die 15 Kilometer zur WDI, wo er in der Qualitätskontrolle arbeitet, sondern unternimmt auch ausgedehnte Touren durch die Region. 50, 60 oder 80 Kilometer kommen da schnell zusammen. Ob Münsterland, Ruhrgebiet, Kanal oder Lippepark – die „Couchfluchten“ dokumentiert er unter anderem auf Facebook.

Ein neues Etappenziel könnte für ihn Downhill Biking sein – in der Disziplin geht es darum, schnellstmöglich ans Ziel einer Strecke zu kommen, die ausschließlich bergab führt, und das reizt ihn sehr. Zudem würde er sehr gerne zusammen mit seinem 13-jährigen Sohn Tennisspielen lernen – vorausgesetzt die neue Hüfte macht mit. „Fußballspielen wird wohl nicht mehr klappen, aber damit kann ich leben.“

In Hamm 100 Kilo abgespeckt: Sport hilft die Situation zu ertragen

Der Sport hilft Bednarek, die Corona-Situation besser zu ertragen, zumal sich die Pandemie auch drastisch auf sein kleines Unternehmen Greenstar-Print auswirkt, das Bednarek 2008 gegründet hat. Sei es die beliebten Kumpel-Shirts, die bei Veranstaltungen auf Zechengeländen gefragt sind, Abi- oder Bandshirts – vieles wird aktuell nicht geordert. Immerhin – Sportklamotten und Tassen-Motive, Corona-Warnschilder und Werbemittel laufen aktuell noch und da steckt Bednarek viel Herzblut rein: „Wenn mir jemand ein Foto von seinem Hund oder seiner Katze für eine Tasse bringt, dann investiere ich gerne mal eine Stunde, damit es hinterher auch wirklich schön aussieht und der Tassenbesitzer glücklich ist.“

Konzerte, Proben, Treffen mit Freunden – all das fehlt „Betty“ sehr. Eigentlich hätten Delirious 2020 ihr 30-Jähriges groß feiern wollen. „Das haben wir natürlich verschoben“, sagt der Frontmann. Dafür bastele die Band nun an einem Best-of-Album der vergangenen 30 Jahre.

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