Unsere Serie: Was braucht Heessen?

Einkaufen in Heessen: Immer mehr Waren gibt es nur noch im Internet

Der Markt ist Treffpunkt und Einkaufsort zugleich: Familie Behrens (von links: Johannes, Elsa, Silke und Marcel) am Stand von Kraienhemke.
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Der Markt ist Treffpunkt und Einkaufsort zugleich: Familie Behrens (von links: Johannes, Elsa, Silke und Marcel) am Stand von Kraienhemke.

An sich lässt sich in Heessen gut einkaufen, wie das Beispiel einer vierköpfigen Familie zeigt. Doch auch sie stellen fest: Immer mehr Waren gibt es nur noch im Internet. Wie finden Sie den Einzelhandel in Heessen? Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel)

Heessen – Wenn man Silke Behrens ein paar Wochen begleiten würde bei den Einkäufen, ergäbe sich eine klare Routine. Freitags stehen „Aldi, Rewe, Rossmann“ auf dem Programm, die Fleischerei Jörrißen auch an anderen Tagen wegen des frischen Fleisches, und dann ist da noch der Computer für u Besorgungen im Netz. Ihr Mann Marcel ergänzt das mit dem Gang zum Bäcker Brockmann. Beide sind grundsätzlich zufrieden mit den Einkaufsmöglichkeiten im Bezirk – denn das ist die Frage, die die Behrens‘ beantwortet haben: Wie beurteilt eine ganz normale Familie mit Mutter, Vater und zwei Kindern den Einzelhandel in Heessen?

StadtbezirkHeessen
Einwohner23.944 (Stand: 31.12.2020)
Fläche für Einzelhandeletwa 13.000 Quadratmeter (Stand: 2019)
Davon Fläche für Nahrungs- und Genussmittel42 Prozent

Einzelhandel in Heessen: Nahversorgung im Bezirk funktioniert

Silke Behrens, 43 Jahre alt, lebt mit ihrem Mann und den beiden neun und zwölf Jahre alten Kindern im Heessener Dorf. Praktisch alle Dinge des täglichen Bedarfs besorgt sie im Bezirk. Dabei geht die Mediengestalterin, die den Familienmanager gibt, ziemlich geordnet vor. Donnerstags macht sie einen Wochenplan, was es wann zu Futtern gibt, was sonst noch fehlt, und welche Produkte sie frisch unter der Woche einkaufen will.

Freitags geht sie zunächst in den Aldi für die Waren, überquert dann die Straße und holt bei Rewe, was sie auf dem Markt und bei Aldi nicht kaufen kann oder will. Dabei spielt Bio eine Rolle – und Bio-Produkte, denen sie vertraut, findet sie auch bei Rossmann. Auch ein Kriterium: die Verpackung, Glas zum Beispiel statt Dose, Apfelsaft in Glas- statt in Plastikflaschen oder Tetrapak.

Einige besondere Produkte gibt es in Heessen nicht

Damit sind Kühlschrank und Vorrat aber nicht gefüllt. Wenn sie Gerichte mit Fleisch kocht, geht sie gezielt zur Fleischerei Jörrißen – oder zum türkischen Markt Erdemli an der Ahlener Straße. Den Bezirk verlässt sie in der Regel, wenn es um besondere Bioprodukte geht – dann fährt sie den Biohof Damberg an – oder bei Fisch: „Bei Rulko in Rhynern habe ich die besten Erfahrungen mit Fisch gemacht“, sagt Behrens. Lieblingsessen von Tochter Elsa: „Besonders gern mag ich, wenn Mama Kräuterlachs macht“, sagt die Zwölfjährige.

Samstags geht sie auf den Wochenmarkt, kauft dort Geflügelwurst und -fleisch bei Korte, Obst und Gemüse bei Kraienhemke und Frerich. „Auf dem Markt ist es immer frisch und immer gut“, sagt sie, fast Bio-Qualität. Und: Man trifft Freunde und Bekannte.

Einzelhandel: Manche Waren sind nur im Internet zu bekommen

Manche Dinge des täglichen Bedarfs aber sind nur schwer zu bekommen im Bezirk, ja in der ganzen Stadt Hamm. Dinkelnudeln in verschiedenen Varianten zum Beispiel. Das bestellt sie im Netz. Je länger sie nachdenkt, desto mehr Waren fallen ihr ein. die sie online bezieht, Ketchup ohne Zucker für die Kinder zum Beispiel.

Überhaupt: das Netz. Klamotten für die Kinder lässt sie sich in der Regel schicken. „Mein Sohn hat nicht immer Lust, neue Sachsen anzuprobieren, dann bestelle ich sie, und er probiert sie an, wenn er Lust hat“, sagt Silke Behrens. Sohn Johannes ist neun Jahre alt. Für Tochter Elsa bestellt sie hingegen immer weniger – sie entwickelt ihren eigenen Geschmack. Aber Modeläden für ihren Bedarf?

Kinderschuhe in Heessen? Das gibt es nicht

In den Billigläden im Bezirk mag sie nicht kaufen, sie schaut bei den üblichen verdächtigen Läden in der Hammer City, Ausflüge nach Dortmund oder Münster sind eher selten. „Ich gehe zwar gerne bummeln“, sagt sie „aber das ist auch ein Zeitfaktor im Moment.“ Und für Kinderschuhe hat sie einen Laden in Drensteinfurt entdeckt – die gebe es in Heessen gar nicht.

Auch ihr Mann Marcel kauft viele Kleidungsstücke im Netz. Die Läden in Heessen oder Hamm nutzt er selten. Sein Aufgabenbereich liegt im Garten – er geht zu Bintig – und in der schrittweisen Erneuerung des alten Hauses, das sie gekauft haben – häufigster Laden: Obi. Der Heessener Baumarkt zieht Kunden aus der ganzen Stadt an. Auch Tiernahrung bekommt er dort – und das besondere Futter für seine Fische im Aquarium holt er im Netz. Sein Hobby ist Wassersport. Auch hier wird er fast nur noch im Netz fündig.

Problem in ganz Hamm: Spielwaren gibt es kaum noch

Bei sich in Heessen sehen die Behrens‘ keine negative Entwicklung. Sie bekommen, was sie brauchen, und meist auch das, was sie wollen. Sorge bereitet ihnen die Entwicklung in der Hammer City. „Kaufhof und Ter Veen sind weg, viele Sachen kann man in Hamm kaum noch kaufen – Pfannen etwa oder Töpfe“, sagt Marcel Behrens. Besonders vermisst Silke Behrens Spielwaren in Hamm. Seit Kremers weg ist, gibt es kaum etwas, denn auch die Spielzeugabteilungen von Ter Veen und Kaufhof sind ja weggefallen. Einen Ausweg für die Familie bietet das Internet – wo sie immer mehr von dem bestellen, das es in Hamm nicht zu kaufen gibt.

Kommentar: Einkaufen geht, Treffpunkte fehlen

Kommentar von unserem Redakteur Michael Girkens:

Es ist nicht das Problem, dass man sich in Heessen nicht mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgen kann. Das Problem ist: Wo kommen wir zusammen?

Discounter gibt es überall, Aldi, Lidl, Netto und Penny, im eigentlichen Heessen wie im Hammer Norden. Als Vollsortimenter ist Rewe gut erreichbar und bietet auch die Parkplätze. Auch Mode ist bei ter Horst und Lyko verfügbar – allerdings nicht für jede Bevölkerungsgruppe. BuK am Markt sorgt für die geistige Nahrung. Und für den Rest gibt’s Google, Amazon & Co.

Treffpunkte aber gibt es wenig. Essen gehen wir am Sachsenweg oder am Dasbecker Weg, an der Ahlener Straße oder im Dorf, aber alle Gaststätten sind keine Treffpunkte. Und Ziki’s Kneipe konnte sich angesichts der Pandemie noch nicht entwickeln. Es muss eine Gaststätte auf den Markt, zum Anstoßen und für kleine Gerichte. Da träfe sich Heessen ganz zentral.

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Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 15. April. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Heessen?“ erscheint am 29. Mai im Print und Online. Dann geht es um das Thema Wohnen.

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