Teilnehmer halten sich an Regeln

Eine Wand für alle: Graffiti-Kunst-Projekt bei WDI hat sich gelohnt

Ein Projekt für Profis und Anfänger – und Künstler jeden Alters. Anton Amann ist zufrieden mit der Entwicklung an der WDI-Wand.
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Ein Projekt für Profis und Anfänger – und Künstler jeden Alters. Anton Amann ist zufrieden mit der Entwicklung an der WDI-Wand.

Es ist mittlerweile ein halbes Jahr her, dass 40 Künstler die bis dahin kahle Ziegelsteinwand der Westfälischen Drahtindustrie (WDI) an der Otto-Brenner-Straße bei einer großen Aktion auf rund 250 Metern Länge mit Graffitikunst in einen farbenfrohen Hingucker verwandelt haben. Getan hat sich dort seither einiges.

Hamm-Mitte – Das Sichtbarste aber ist, dass kaum noch eines der Kunstwerke vom Sommer des vergangenen Jahres zu sehen ist und fast alle der über 40 Doppelflächen bereits mehrfach übersprüht wurden. Und das ist gewollt, denn einerseits versteht sich die Graffitikunst als temporäre Kunst, und andererseits soll die Wand allen Sprayern zur Verfügung stehen, um ihrem Hobby an legalen Flächen nachgehen zu können. „Es hat sich gelohnt“, zieht Initiator und Künstler Anton Amann nach mehr als sechs Monaten eine rundum positive Bilanz. Schön sei, dass sich vom zwölfjährigen Anfänger bis hin zu bekannten Sprayern aus ganz Deutschland schon viele unterschiedliche Künstler an der „Hall of Fame“ ausgetobt hätten, sagt Amann.

Ein Blick auf die Wand lässt dabei ein deutliches Muster erkennen. Denn die meisten Motive sind von Schrift gekennzeichnet, wobei es sich meist um den Künstlernamen des Graffitisprayers handelt. Einer, der dies besonders kreativ umgesetzt hat, ist „Sbecki“, der das „i“ durch einen comicartigen Frauenkörper ersetzt hat. Und weil dieses Werk sowie wenige andere schon als legendär gelten oder von einer Szenegröße gesprayt wurden, sind diese auf längere Zeit quasi unantastbar.

Kunst in Wort und Bild: Die Wand an der Otto-Brenner-Straße entwickelt sich fort.

„Hall of Fame“ trotz Corona weiterhin beliebt

Ansonsten können sich aber alle Sprayer an der Wand ausprobieren und austoben – soweit Corona und die Bestimmungen das zulassen. „Ohne Corona wären wahrscheinlich noch mehr Sprayer hier“, glaubt Amann, der mit der Resonanz aber völlig zufrieden ist. Denn immer wieder sieht er Sprayer jeden Alters, die die Wand in eine Freilichtgalerie verwandeln, in der es ständig neue Kunstwerke zu entdecken gibt. Warum die Wand auch bei Sprayern von weiter weg so beliebt ist? „Meines Wissens nach ist es die längste Graffitiwand weit und breit“, sagt Amann mit einem Lächeln. Angetan ist er aber auch davon, dass sich die Künstler viel einfallen lassen.

So hätten sich gleich mehrere Sprayer farblich auf die Graffiti links und rechts neben ihren Werken abgestimmt und damit einen besonderen Akzent gesetzt.

Was den Künstler und Tätowierer ebenfalls freut: Auch der Zuspruch von Fußgängern und Autofahrern sei positiv. „Seither sehe ich auch mehr Spaziergänger hier entlang gehen“, hat Amann eine positive Wirkung der Wand festgestellt. Auch für Fotos würden Leute gerne vor der „Hall of Fame“ – also Ruhmeshalle – posieren. Gut für die Wand und ihr Image: Die Sprayer würden sich an die ungeschriebenen Gesetze der Szene halten.

Plätze werden sauber gehalten

Die sehen nicht nur vor, dass Werke von Legenden nicht übersprüht werden, sondern auch, dass der Gehweg an der Wand sauber gehalten wird. „Auch die Plätze werden respektiert“, sagt Anton Amann im Hinblick darauf, dass die Künstler sich auch wirklich auf die legalen Flächen beschränken und nicht irgendwelche Wände und Mauern in der Umgebung beschmieren.

Amann, der sich durch die Lockdown-bedingte Schließung seines Tattooladens an der Wilhelmstraße derzeit vielfach künstlerisch ausprobiert, ist selbst auch immer mal wieder an der Wand aktiv. Zuletzt brachte er ein etwas düsteres, aber tiefsinniges Kunstwerk mit Skelett und Sanduhr an die Wand. Weniger düster blickt er hingegen Richtung Sommer. Denn wenn es die Corona-Situation dann zulässt, möchte er die Graffitiaktion aus dem vergangenen Sommer wiederholen und zu einem richtigen Jam erweitern – möglichst mit Merchandise-Ständen von Künstlern sowie Live-Musik.

„Es soll ein lokales Ding werden, um sich gegenseitig zu supporten“, sagt Amann, der selbst um die schwierige Situation für Künstler weiß und ihnen damit eine Möglichkeit zum Präsentieren bieten möchte. Ob Corona den Jam im Juni, Juli oder August aber tatsächlich zulässt, wird sich erst noch zeigen.

Graffiti-Wand an der WDI im Hammer Westen im Winter 2021

Graffiti-Wand entlang der WDI (Otto-Brenner-Straße) in Hamm Westen im Winter 2021.
Graffiti-Wand entlang der WDI (Otto-Brenner-Straße) in Hamm Westen im Winter 2021.
Graffiti-Wand entlang der WDI (Otto-Brenner-Straße) in Hamm Westen im Winter 2021.
Graffiti-Wand entlang der WDI (Otto-Brenner-Straße) in Hamm Westen im Winter 2021.
Graffiti-Wand an der WDI im Hammer Westen im Winter 2021

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