Schule am Adelwald sehnt sich nach Präsenzunterricht

Eine Schule und ihre Probleme mit der Internetleitung auf dem Lande

Unterricht aus der Ferne: Sarai Villbusch und Birger Koch beschulen ihre Schüler aus dem Klassenraum in die Kinderzimmer.
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Unterricht aus der Ferne: Sarai Villbusch und Birger Koch, Lehrer der Schule am Adelwald, beschulen ihre Schüler aus dem Klassenraum in die Kinderzimmer.

Allen – Individuelle Förderung und Begleitung auf dem Weg von der Schule in den Beruf. Das hat sich das Kollegium der Schule am Adelwald in Allen als Förderschule mit dem Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung auf die Fahnen geschrieben. Das beste Werkzeug der Lehrer und pädagogischen Mitarbeiter ist dabei der persönliche Kontakt zu den Schülern. Den gibt es nun nicht mehr. Die Schulleitern Claudia Hofmann-Reichenberger gibt einen Einblick, wie die folgenden Tage gemeistert werden sollen. Ein großes Problem: Die Internetverbindung auf dem Lande.

Die Schule arbeitet nach einem besonders kreativen Konzept. Zum Unterrichtsalltag gehören unter anderem bewegungsfreudiger Unterricht, Rollenspiele, Einzelförderung, Berufsvorbereitung durch Praktika sowie die Teilnahme am öffentlichen Leben. Nichts davon kann derzeit in dieser Form stattfinden. Die Pädagogen müssen improvisieren, arbeiten im Distanzunterricht und ahnen, dass hierbei einiges auf der Strecke bleiben wird. „Wir befürchten, dass wir in dieser Zeit sogar den einen oder anderen nicht erreichen“, so die Schulleiterin. Der Präsenzunterricht sei das das A und O. Dass der im Moment so nicht stattfinden kann, sei aber nachvollziehbar. „Wir nehmen die Pandemie hier sehr ernst und tragen die Entscheidungen selbstverständlich mit. Wir hoffen einfach, dass wir gut aus der Krise kommen. Wir geben unser Bestes.“

Aufbau des Fernunterrichts

Jeder Schüler bekommt ein individuelles Anschreiben vom Klassenlehrer. Es werden unter anderem darin von den Lehrern feste Zeiten vorgegeben, wann die Schüler kontaktiert werden, um sie zu beschulen. Zuvor verschicken die Lehrer Unterrichtsmaterial an ihre Schüler. Das kann per E-Mail sein, oder auch per Post. Das richtet sich nach den Gegebenheiten in den jeweiligen Familien. Die Distanzbeschulung erfolgt nach Stundenplan der jeweiligen Lerngruppe. Denn eins ist Hofmann-Reichenberger sehr wichtig: „Die Schüler benötigen eine Tagesstruktur, ihnen muss klar sein, welche Materialien sie wann bearbeiten sollen“, weiß sie.

Ziele der kommenden Wochen

Die Lehrpläne sollen so eingehalten werden, dass bei einer Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts eine Leistungsüberprüfung (zum Beispiel in Form einer Klassenarbeit) möglich ist.

Das Problem mit der Technik

Hier liegt das größte Problem für die Förderschule. Denn die Schüler verfügen längst nicht alle über PC, Laptop oder Tablet. Daher wird es auch telefonische Lerneinheiten geben müssen. „Wir warten sehnsüchtig auf die Endgeräte für die Schüler“, sagt Hofmann-Reichenberger. Wie störungsfrei gearbeitet werden kann, ist auch ungewiss. Denn die Lehrer im Schulgebäude müssen damit leben, dass Glasfaser noch nicht bis nach Unterallen gekommen ist. „Sobald fünf Kollegen sich ins W-Lan einwählen, geht nichts mehr“, so Hofmann-Reichenberger. Aber auch das nimmt sie als Kompromiss hin. Denn die Lage der Schule mit ihren räumlichen Möglichkeiten sei natürlich unschlagbar gut. „Lehrer und Kinder sind wirklich gerne hier“, sagt sie.

Auflockerung des Unterrichts

Der Kreativität der Lehrer für besondere Maßnahmen sind kaum Grenzen gesetzt. Sie wollen auch Portale wie Youtube, „Planet Schule“ oder auch „Chefkoch“ einsetzen, um interessante, motivierende Lernformen anzubieten. Der Sportunterricht könne über Workouts bei Youtube gestaltet werden. Wie auch immer die kommenden Wochen gemeistert werden können – die Schulleiterin bringt die Situation mit einem Satz auf den Punkt: „Wir hätten sehr gerne wieder alle Schüler nach der regulären Stundentafel in der Schule.“

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