Einbrecher-Trio mit Stützpunkt in Hamm packt aus

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Das Einbrecher-Trio muss ins Gefängnis - für wie lange maximal, wurde mit dem Richter im Vorfeld ausgehandelt. Der Deal kommt aber nur bei lückenlosen Geständnissen zustande. 

Hamm/Münster - Der Deal mit dem Richter ist gemacht, jetzt ist die „Geschäftsgrundlage“ geklärt im Prozess gegen die drei Hammer im Alter von 24, 42 und 48 Jahren, die sich vor der 9. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster wegen schweren Bandendiebstahls verantworten müssen. Die Angeklagten legten umfassende Geständnisse ab.

Nach einer von den Verteidigern angeregten Verständigung über das Strafmaß stellte die Strafkammer bei einem lückenlosen Geständnis in Aussicht, dass viereinhalb bis fünfeinhalb Jahre für den 48 Jährigen, fünf bis sechs Jahre für den 24-jährigen Albaner und bis zu sechseinhalb Jahren für dessen 42 Jahre alten Landsmann nicht überschritten werden.

Keine Arbeitserlaubnis, daher mit Diebstählen begonnen 

Die Einbruchstouren führten die Täter von Dezember 2016 bis März 2017 durch ganz Deutschland. Der Stützpunkt der Bande war in Hamm. Den Auftakt der Geständnisse machte der mehrfach vorbestrafte 42 Jahre alte Albaner. Ihn sieht die Staatsanwältin als „ Kopf“ der Bande. Nach Problemen in Italien war der Angeklagte 2016 nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu finden. Als die Suche an der fehlenden Arbeitserlaubnis scheiterte und sein Geld zu Ende ging, habe er viele Diebstähle und Diebstahlsversuche begangen, berichtete der Angeklagte.

„Sie reden um den heißen Brei herum"

An Beckum und Orte in Bayern konnte er sich erinnern. An andere nicht. Bei einem Tatort in Hamm-Pelkum will er nie gewesen sein. Das nahm ihm das Gericht nicht ab. „Sie reden um den heißen Brei herum und sollen hier kein dummes Zeug erzählen“, stellte der Vorsitzende klar. Von einem Mitangeklagten, so der Angeklagte weiter, habe er sich ein Auto geliehen und sei rumgefahren. Wenn in den Häusern kein Licht war, dann seien er und sein Landsmann eingebrochen. Der erbeutete Schmuck wurde an einen Türken verkauft.

Gemeinsam ein Auto gekauft

Deutlicher wurde der 24-jährige Mitangeklagte, der noch nicht vorbestraft ist. Um auf Arbeitssuche zu fahren, hatten er und der 42-Jährige gemeinsam ein Auto gekauft. Weil sie aber keine Jobs fanden, fiel die Entscheidung, ab Dezember 2016 einzubrechen.

Orte nahe von Autobahnen als Ziele 

Sie fuhren Ortschaften nahe der Autobahn an. Er habe an die Fenster geklopft, um zu sehen, ob jemand im Haus war. „Ich bin dann rein und habe alles genommen, was für mich interessant war.“ Der andere sei jeweils hinzugekommen. Das ging so im Wechsel, sagte der 24-Jährige. An bis zu 15 Taten kann sich der Angeklagte erinnern.

Einschlägig vorbestraft

Der Dritte im Bunde ist ein seit vielen Jahren in Hamm lebender 48-jähriger Italiener. Für ihn verlas sein Verteidiger eine schriftliche Erklärung. Er bereute seine Taten und räumte ein, die Angeklagten zu einigen Tatorten gefahren und wieder abgeholt zu haben. Bei den Einbrüchen sei er aber nie dabei gewesen. Auch er ist einschlägig vorbestraft. Am 17. Oktober wird der Prozess fortgesetzt. Dann kommen vielleicht schon die ersten Opfer der Bande zu Wort.

Von Matthias Münch

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