Schwertfisch, Sputnik und metergroßes Wappen

Wie eine Schatzkammer: Stadtarchiv bewahrt  imposante Sammlung von Stadtgeschenken 

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Eine Menge Geschenke an die Stadt lagern im Stadtarchiv.

Hamm - Guten Freunden bringt man gerne ein Geschenk mit. Das gilt auch für Städte: Kommt ein auswärtiger Bürgermeister im Rathaus vorbei, hat er meist eine freundliche Gabe dabei. Im Laufe der Jahre ist so eine imposante Sammlung von Stadtgeschenken zusammengekommen. Wir haben einen Blick in die Schatzkammer geworfen.

Manches ist Kunst, anderes Kitsch. Und einiges kam unverhofft in städtische Hände und nun eben ins Stadtarchiv. 1979 reiste eine Hammer Delegation in die mexikanische Partnerstadt Mazatlan, um dort an der Benennung einer „Hammer Straße“ teilzunehmen. Zum Dank bekamen die Abgesandten aus Westfalen einen aus Metall gelöteten Schwertfisch überreicht. Um das gut 1,50 Meter große Tier überhaupt ins Flugzeug zu bekommen, musste eigens eine Transportkiste gezimmert werden.

489 Objekte hat Stadtarchivarin Ute Knopp auf ihrer Liste stehen; sie füllen reihenweise Schubladen und Regale im Depot. Seit Anfang der 1960er-Jahre hat die Stadt die ihr gemachten Geschenke aufgehoben, sagt sie. Zur Sammlung gehören noch ein paar ältere Stücke, die aus später eingemeindeten Vororten stammen, aber nichts aus der Vorkriegszeit.

Marmor-Oberbürgermeister aus der Türkei

Aus der Mode gekommen ist das Schenken nicht, wie jüngere Gaben in der Sammlung zeigen. Eine Marmorplatte mit dem eingravierten Konterfei des Oberbürgermeisters beispielsweise, 2009 von Hamms türkischer Partnerstadt Afyonkarahisar überreicht. Er habe sich damals lächelnd bedankt, sagt Thomas Hunsteger-Petermann heute zu dem eher ungewöhnlichen Geschenk. Es sei nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern auch ein Zeichen der Wertschätzung. Verzichten könne man als Stadt auf solche Gesten deshalb nicht. 

Schatzkammer: die Sammlung von Stadtgeschenken 

Ute Knopp sieht im Hunsteger-Porträt eine bestimmte Kultur des Schenkens. Während westliche Geber eher etwas einkaufen und dann gravieren lassen, sagt sie, gebe es aus dem Osten häufiger eigens angefertigte Präsente. In den Geschenken spiegelt sich Zeitgeschichte. Die Archivarin zeigt eine kleine Pappschachtel mit kyrillischen Buchstaben und zieht eine golden eingefärbte Erdkugel hervor, die von einem Sputnik umrundet wird. Die Jahreszahl 1961 auf der Verpackung ist der einzige Hinweis; wer den kleinen Erdtrabanten aus Sowjet-Kunststoff verschenkte, wer ihn entgegennahm, ist unbekannt.

Jeckengruß nach Mauerbau

Festgehalten wurde so etwas gerade in den frühen Jahren nicht. Das Gegenstück zum sowjetischen Propaganda-Plastik ist edle Keramik aus West-Berlin. Ein weiße Porzellanfigur in Form eines spielenden Berliner Bären übergab die Große Berliner Karnevalsgesellschaft im Januar 1962. „Die Karnevalistische Brücke“ steht auf dem Sockel. Der Mauerbau lag nur Monate zurück, der Jeckengruß war nicht nur Zeichen der sich anbahnenden Partnerschaft Hamms zum Stadtbezirk Wedding, sondern auch politisches Bekenntnis zur Westbindung Berlins.

Geschenke zu Jubiläen

Höhepunkt des Geschenkereigens war die 750-Jahr-Feier Hamms 1976. Die kalifornische Partnerstadt Santa Monica gratulierte mit einer Schale, auf der gute Wünsche eingraviert waren: „Friede und Freundschaft verbinden uns in den nächsten 750 Jahren“. Zum eigenen 100-Jährigen hatten die Amerikaner zuvor zwei tellergroße Plaketten gesandt, die in einer mit rotem Samt ausgeschlagenen Schatulle ruhen. Bereits 1974 hatte die britische Rheinarmee der Stadt den Ehrentitel „Freedom of the City“ verliehen und dazu ein in blaues Samt gefasstes Gedenkbuch mit Siegel und Fahnenband fertigen lassen. Einen Pokal gab es auch noch dazu.

Oberbürgermeister Günter Rinsche (Zweiter von links) begrüßt den Schwertfisch aus Mazatlan.

Von den Briten habe man überhaupt recht viel, sagt Knopp. Sie zeigt ein metergroßes königliches Wappen, von dem niemand mehr weiß, wie es in städtischen Besitz kam. Wappen, meist auf Holztafeln montiert, sind in der Geschenkesammlung gut vertreten, ebenso Pokale, Wimpel, Urkunden und gerahmte Stadtansichten.

Ausgestopfte Tiere oder Prunkwaffen sucht man dagegen vergeblich. Und Mode gibt es nur in Einzelfällen: einen bunten Gürtel als Kalisz beispielsweise und eine Uhr der Landsmannschaft der Oberschlesier. Ob man erwartet hat, das die auch getragen wird? 

Zeitlose aztekische Sonnenscheiben

Ute Knopp packt im Stadtarchiv noch eine Kiste aus. Eine Emaillearbeit aus Mazatlan kommt zum Vorschein, ebenfalls 1976 zum Stadtjubiläum verschenkt. Die Archivarin erkennt Anklänge an aztekische Sonnenscheiben und ist erstaunt. So ein Werk, sagt sie, sei doch auch heute noch ganz ansprechend.

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