Bezirke-Serie „Was braucht Rhynern?“

Ein kleiner Verein kämpft gegen Insektensterben - wie viel bringt das?

Winfried Lülf von den Landliäben auf einer Wildblumenwiese
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Winfried Lülf ist froh über die Wildblumen, die er gesät hat.

Die gezähmte Natur bereitet Franz Frölich und Winfried Lülf vom Verein Landliäben Sorgen: Wo der Rasen akkurat gekürzt und alles tote Holz weggeräumt ist, fehlt Raum für Insekten und Wildpflanzen. Was die Landliäben gegen das Insektensterben tun, erzählen sie im neuen Teil unserer Serie „Was braucht Rhynern?“. Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel.)

Hamm – Lebensräume zu schaffen für bedrohte Insekten- und Pflanzenarten – das hat sich der Verein „Landliäben“ in Hamm-Rhynern zu einer seiner Aufgaben gemacht. Im Arbeitskreis „Naturnah“ engagieren sich unter anderem Franz Frölich und der Vorsitzende Winfried Lülf. Vor rund 15 Jahren haben sie begonnen, ökologisch minderwertige Bereiche zu Blühflächen umzufunktionieren. Das kommt nicht nur den Insekten zugute, sondern letztlich dem Menschen, wie die Fläche an der evangelischen Kirche Berge beweist: Dort wurden Obstbäume gepflanzt, deren Blüten von Insekten bestäubt werden und für schöne Apfelernten sorgen.

StadtbezirkRhynern
Fläche59 Quadratkilometer
Davon landwirtschaftlich genutztAcker (55 Prozent), Grünland (12 Prozent)
Einwohnerdichte307 Einwohner pro Quadratkilometer (Hamm: 799)

Insektensterben verhindern in Rhynern: Blühflächen zu schaffen, braucht Zeit

„Wir lernen immer mehr, dass wir die Natur so respektieren müssen, wie sie ist und nicht so, wie wir sie uns vorstellen“, sagt Frölich. Darum habe Landliäben 2006 begonnen, typischen Pflanzenbewuchs zu etablieren: „Das braucht Geduld, aber jetzt brummt da das Leben.“ Man könne nicht erwarten, dass eine Fläche, die „umfunktioniert“ wird, nach einem Jahr wie eine Blühwiese sei. Das brauche je nach Boden auch mal drei Jahre. Inzwischen wird bundesweit etwas gegen das Insektensterben getan.

Es steckt Arbeit darin, Blühflächen zu schaffen: Erst muss die Bodenkrume einer neuen Fläche umgepflügt oder umgegraben werden, um unerwünschte Pflanzen zu minimieren, vor allem die Konkurrenzpflanze Gras. Nach Ende der Frostperiode, wird ausgesät – danach bleibt die Fläche sich selbst überlassen. In Sommern wie diesem, der eigentlich typisch ist für unser Klima, wachsen die Wildpflanzen prächtig. Nur einmal im Jahr, meist im August, wird gemäht. Danach bleibt das Schnittgut einige Tage auf der Fläche liegen, damit die Pflanzen zu trocknen beginnen und Samen für die nächste Blühphase hinterlassen. Die Maht erhält der Tierpark, mit dem Landliäben kooperiert.

Naturschutz: Verein sät vor allem heimische Wildpflanzen

Der Verein setzt ausschließlich Samen von heimischen Wildpflanzen ein, etwa Margerite, Wiesenflockenblume, Weizenbocksbart, Wilde Möhre, Wiesenlabkraut, Wegwarte, Kamille, Natterkopf. Einiges kann mittlerweile selbst „geerntet“ werden, spezielle Samenmischungen werden über den Fachhandel bestellt. Laut Frölich und Lülf gibt es einen grundlegenden Unterschied zu Blühstreifen, die immer häufiger an Feldrändern zu finden sind: Während da meist Kulturpflanzen ausgesät würden, wolle „Landliäben“ nachhaltiger agieren und vom Aussterben bedrohten, heimischen Wildpflanzen neue Lebensräume erschließen.

Die Wildpflanzen bieten Insekten Nahrung.

Es reiche, Oasen zu schaffen auf ansonsten monotonen Rasenflächen. Wenn die einige hundert Meter auseinander liegen, gelinge eine Vernetzung. Populationen können sich austauschen.

Zusammenarbeit mit Schulen - Kinder erlernen Umgang mit Natur

Darum arbeitet „Landliäben“ mit Vereinen und Institutionen zusammen, der evangelischen Kirche, der Hellwegschule und der Konrad-Adenauer-Realschule, dem Kindergarten Schellingstraße. Dort erlernen die Kinder den sorgsamen Umgang mit der Natur. Zum Mitmachen eingeladen sind zudem Besitzer von Privatgärten: „Wenn jeder nur fünf oder zehn Quadratmeter umfunktioniert, bewirkt das etwas“, sagt Lülf. Insgesamt rund 4000 Quadratmeter Blühflächen an einem Dutzend Standorte hat „Landliäben“ mittlerweile geschaffen.

Frölich und Lülf erinnern sich an alte Zeiten, in denen es auf Bauernhöfen, an Feldrändern sowie in größeren Privatgärten Bereiche gab, die sich überlassen blieben: Totholz blieb liegen, Steinhaufen wucherten zu. „Das waren Lebensräume, die verloren gegangen sind, weil die Natur heute viel zu aufgeräumt ist“, sagt Frölich, Lebensräume für Wildpflanzen und allerlei Getier. Darum baut Landliäben auf ein ganzheitliches Prinzip: Teilweise gibt es an Blühflächen wieder Totholz- und Steinhaufen, Ansitzstangen für Greifvögel. Für Höhlenbrüter, die einst in Astlöchern ihre Nester bauten, werden Nistkästen aufgehängt. Und Wildbienen und Co. sind eingeladen, in „Insektenhotels“, wie sie im Volksmund heißen, einzuziehen.

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Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 1. Juli. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Rhynern?“ erscheint in zwei Wochen. Der Themenschwerpunkt dann: Umwelt.

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