Giftraupe

Eichenprozessionsspinner in Hamm: Beseitigungsarbeiten laufen noch immer

Hermon Jemane von er Firma Stamm und Ast in Hamm entfernt ein Nest aus einer Eiche am Tom-Mutters-Weg.
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Hermon Jemane von er Firma Stamm und Ast in Hamm entfernt ein Nest aus einer Eiche am Tom-Mutters-Weg.

An vielen Stellen im Stadtgebiet sieht man immer noch mit Flatterband abgesperrte Bäume. Der Grund: Eichenprozessionsspinner. Verschiedene Firmen kämpfen seit Wochen gegen die Giftraupe an, unter anderem auch das Team von der Baumpflege „Stamm und Ast“ aus Hamm.

Hamm – Am Montag waren die Baumpfleger am Tom-Mutters-Weg im Einsatz. Hier waren gleich mehrere Eichen betroffen, allerdings mit nur wenigen Nestern. „Wir haben das Gefühl, dass es in diesem Jahr allgemein weniger ist. Trotzdem haben wir noch gut zu tun“, sagt Chef Stefan Krellmann-Beer. Sein Team ist seit gut zehn Wochen im Einsatz und entfernt Nester an Eichen auf Privatgrundstücken in ganz Hamm. „Normalerweise finden wir an einem Baum 15 bis 30 Nester. Es können aber auch bis zu 100 Nester an einer Eiche sein“, erklärt der Experte.

Eichenprozessionsspinner in Hamm: Beseitigung ist sehr anstrengend

Eine schweißtreibende Arbeit besonders bei sommerlichen Temperaturen. „Wir arbeiten immer im Zweierteam und wechseln uns auf dem Hubwagen ab, denn der Schutzanzug ist nicht atmungsaktiv, da ist man schnell nass geschwitzt und braucht ne Pause“, sagt Mitarbeiter Michael Sommer.

Er steht mit einem Fernglas am Fuß der Eiche und sucht die Krone nach Nestern ab, während Kollege Hermon Jemane mit Staubsauger und Klebespray loslegt. „Durch das Spray werden die Härchen fixiert und fliegen dann beim Entfernen nicht durch die Gegend“, erklärt Krellmann-Beer.

Statistik:

Stand Montag wurden der Stadt Hamm 536 Nester des Eichenprozessionsspinners (EPS) gemeldet. „Gerade merkt man, dass es weniger werden. Wir rechnen damit, dass es im Laufe des Augusts auslaufen wird“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg. Im vergangenen Jahr wurden in Hamm rund 650 Nester entfernt. Auf privatem Grund sind die Eigentümer verpflichtet, die Eichen von den Raupen befreien zu lassen, wenn diese in unmittelbarer Nähe von Spiel- und Bolzplätzen, Schulen, Kitas oder ungeschützten Bushaltestellen stehen. Die EPS-Hotline der Stadt Hamm ist unter Telefon 17-72 72 zu erreichen.

Trotz der Vorsichtsmaßnahmen bleiben die Mitarbeiter nicht immer von den Folgen der Gifthaare verschont. „Ein Kollege hat abends plötzlich Ausschlag auf den gesamten Beinen und hat sich gewundert, wie das passieren konnte. Ausgerechnet dort. Dann hat seine Frau in seinem Hosenbein eine Raupe gefunden“, erzählt der Baumpfleger. Andere Kollegen reagierten gar nicht auf die Gifthaare. „Trotzdem wechseln wir uns natürlich alle ab, das wäre sonst ja wirklich unfair.“

Eichenprozessionsspinner: Gifthaare halten bis zu 10 Jahre

Der Eichenprozessionsspinner verpuppt sich bis zu sechs Mal, ab dem dritten Mal wird die Raupe giftig. „Die Gifthaare können bis zu 10 Jahre überleben“, sagt der Baumpfleger. Er und sein Team haben vor drei Jahren die Zusatzausbildung zur Entfernung des Eichenprozessionsspinners gemacht. Auch wenn es eine lukrative Einnahmequelle ist (ein Einsatz kostet zwischen 150 und 200 Euro pro Stunde), sind die Baumpfleger froh, wenn sie ihre normale Arbeit wieder aufnehmen können, sagt der Firmenchef.

Doppelt in Plastik verpackt kommen die abgesaugten Giftraupen dann zur Verbrennungsanlage.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Raupen zu entfernen. Wenn sie nicht mit dem Industriestaubsauger abgesaugt werden, werden sie aufgesammelt. „Es gibt auch einen Bazillus, den man aufsprühen kann, und der nur die Spinner angreift. Der stirbt allerdings unter UV-Licht selbst schon nach 24 Stunden. Der Vorteil ist, dass die Raupen dann schon sterben, bevor sie giftig werden“, erklärt Krellmann-Beer. Aktuell nutze sein Team diese Methode aber noch nicht.

Die abgesaugten Raupen landen anschließend doppelt in Plastiktüten verpackt in einem Container, und werden als Sondermüll verbrannt.

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