Begründung des Bundes

Effizient aber schmutzig: Darum muss das Kraftwerk Westfalen vom Netz

Landmarke: Das Kraftwerk Westfalen ist von weither zu sehen.
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Landmarke: Das Kraftwerk Westfalen ist von weither zu sehen – spätestens im Sommer soll dort nicht mehr gearbeitet werden.

Das moderne Kraftwerk Westfalen in Hamm-Uentrop geht schon zum Jahresende vom Netz und damit viel früher als gedacht. Das sorgt für Applaus und Kritik. Der Bund begründet diese Entscheidung.

Hamm – Die Stromkonzerne wollen offensichtlich den schnellen Ausstieg aus der Steinkohle, egal wie sauber und effizient ihre Kraftwerke noch arbeiten. Das hat eindrucksvoll die erste Versteigerung für die Stilllegung von Kohlekraftwerken gezeigt. Die Betreiber haben sich bei den Geldforderungen unterboten und mehr Megawatt zum Abschalten angeboten als zur Disposition standen. Den Zuschlag haben auch moderne und effiziente Kraftwerke erhalten, neben dem Hammer Kraftwerk Westfalen werden auch die beiden Blöcke des Hamburger Kraftwerks Moorburg, den Vattenfall unterhält, vom Netz genommen. Sie wurden erst 2015 in Betrieb genommen.

Für viele ist der Schlussstrich in dieser Form nicht zu verstehen, da andere Kraftwerke, die jetzt noch am Netz sind, deutlich dreckiger sind und mehr CO2 pro erzeugtem Megawatt Strom ausstoßen. So hatte das auch Bundeswirtschaftsministeriums gesehen. Minister Peter Altmaier (CDU) hatte immer wieder deutlich gemacht, dass es bei dem Verfahren das Ziel sei, mit den Steinkohleausschreibungen zuerst ältere, weniger effiziente Kraftwerke vom Netz zu nehmen. Dieser Plan ist durch die jetzt erfolgte erste Ausschreibungsrunde allerdings nicht aufgegangen.

Kraftwerk Westfalen muss vom Netz: Betreiber müssen pokern

Bis zum Jahr 2038 wird es noch einige Bieterverfahren geben. Von Termin zu Termin wird die in Aussicht gestellte Summe für eine Stilllegung jedoch geringer. Das hatte die Bundesregierung so angekündigt. Bei diesem Verfahren müssen die Betreiber der Steinkohlekraftwerke also pokern. Wer also ein dickes Stück vom Kuchen haben wollte, musste frühzeitig ein entsprechendes Angebot abgeben.

Dabei sollten die Konzerne aber nicht nur ihre Wunsch-Summe nennen, sondern auch die zu erwartende CO2 -Ausstoßmenge angeben. Die Bundesnetzagentur hat bei dem Verfahren nämlich nicht nur auf das niedrigste Angebot geschaut, sondern es auch in Relation zu der Menge CO2 gesetzt, die durch die Stilllegung eingespart wird. Wie ein Sprecher der Agentur berichtete, habe sich dadurch eine Kennziffer ergeben, mit der schlussendlich der Zuschlag erteilt wurde.

Kraftwerk Westfalen muss vom Netz: Kein Geschäft mehr mit Kohle

Insgesamt hat die Bundesnetzagentur elf Betreibern Zuschläge erteilt mit einem Gesamtvolumen von rund 317 Millionen Euro – alleine 217 Millionen entfallen auf den RWE-Konzern mit seinen beiden Kraftwerken in Hamm und Ibbenbühren, schätzungsweise 120 Millionen Euro auf das Kraftwerk Westfalen.

Die Energiebetreiber haben nach Branchenkreisen erkannt, dass mit der Kohle kein Geschäft mehr gemacht werden kann – auch weil für die klimaschädlichen Emissionen Berechtigungen im europäischen Emissionshandel gekauft werden müssen. Die Summen dafür steigen von Jahr zu Jahr. Die Rentabilität der Kraftwerke sinkt – ein Ausweg ist der schnelle Ausstieg und damit die Aussicht auf eine erkleckliche Entschädigung.

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