Vor neuem Corona-Fahrplan aus Berlin

Handel in Hamm: Harte Kritik und schwindende Hoffnung

Protestaktion: Der Handel leuchtet rot, auch das Allee-Center in Hamm.
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Protest auch am Allee-Center: Der Hammer Handel leuchtet rot.

So langsam ist die „Alarmstufe Rot“ für den Einzelhandel erreicht. Viele Händler in Hamm hatten in Anbetracht des immer dünner werdenden oder schon aufgebrauchten finanziellen Polsters auf eine baldige Wiederöffnung gehofft.

Hamm – Seit Anfang November nun sind die Geschäfte geschlossen. Mitarbeiter sind in Kurzarbeit oder entlassen, die Kosten für Miete, Pacht und Waren laufen dagegen in den allermeisten Fällen weiter. Dass die bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch beschlossen wird, glaubt allerdings kaum ein Kaufmann in Hamm. (News zum Coronavirus in Hamm)

„Ich wünsche mir eine klare Perspektive. Und die sieht so aus, dass wir mit Auflagen am 7. März öffnen können“, sagt Matthias Grabitz als Sprecher der Hammer Kaufmannschaft. Sollte am Mittwoch keine erhoffte Lockerung für den Einzelhandel beschlossen werden, sähe es düster aus. „Jetzt haben wir schon vier Monate hinter uns, die Frühjahrsware ist bestellt und muss bezahlt werden. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es anderen Kollegen geht. Und ich weiß nicht, ob die Politik das in dieser Tragweite auf dem Schirm hat.“

Viel Zeit werde verschenkt, wenn es nicht bald eine verlässliche Perspektive gäbe. „Danach treffen sich Merkel und die Ministerpräsidenten ja erst wieder am 24. März und wir haben wieder einen ganzen Monat verloren“, so Grabitz. „Das ist unerträglich.“ Schon 2020 war dem Handel ein großer Teil des Frühjahrsgeschäfts durch den damals ersten Lockdown zunichte gemacht worden.

Einzelhandel in Hamm hofft und bangt: Sorgen im Allee-Center

Drastische Worte findet auch Cornelia Ludlei, Center-Managerin des Allee-Centers. „Der Handel blutet aus und die Lebendigkeit der Innenstadt ist in Gefahr. Viele Händler stehen mit dem Rücken zur Wand, der anhaltende Lockdown gefährdet zahlreiche Geschäfte in ihrer Existenz und Arbeitsplätze im Handel“, sagt sie. „Daher ist eine schnelle Öffnung der Geschäfte dringend erforderlich. Das geht nachweislich mit Sicherheit und Verantwortung: Zahlreiche Studien belegen, dass der Einzelhandel kein Infektionstreiber ist.“

Den Gedanken, möglichst viele Kontakte durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens – und damit auch des Einkaufens in der Innenstadt – zu verhindern, kann Grabitz zwar grundsätzlich nachvollziehen. Dieses Ziel sieht er durch den aktuellen Lockdown aber nicht als erreicht an. „Wenn man auf die großen Parkplätze in der Innenstadt schaut, erkenne ich nicht, dass da weniger Menschen unterwegs sind“, sagt der Textilunternehmer.

Einzelhandel in Hamm hofft und bangt: Kritik an „Click & Meet“

Grabitz kann zudem nicht nachvollziehen, mit welchen Maßstäben Öffnungen für Friseure, Buchläden und Baumärkte möglich seien, für andere Geschäfte aber nicht. „Ob ich ein grünes Buch kaufe oder ein rotes T-Shirt ist da doch komplett dasselbe.“

Von eng beschränkten Öffnungskonzepten halten Ludlei und Grabitz nichts. „Die aktuell diskutierten ,Click & Meet‘-Angebote oder vergleichbare Ideen sind keine Alternative – im Gegenteil. Die Kosten für Personal und Ladenbetrieb sind zumeist höher als die Umsätze, so dass derartige Angebote die aktuellen Verluste nur weiter erhöhen würden“, erklärt die Center-Managerin.

Grabitz hält den ausschließlichen Zugang mit negativem Schnelltest für nicht praktikabel: „Was das für den Handel bringen soll? Und wer sagt mir, dass der vorgelegte Test auch tatsächlich aktuell ist? Keiner meiner Kunden hat Lust, eine Viertelstunde zu warten, bevor er shoppen kann. Und wer das eine Tür weiter beim nächsten Laden wieder tun muss, kommt erst gar nicht.“

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