Klare Absage an „Alibi-Frau“

Düsseldorfs schwuler Schützenkönig hat Wurzeln in Hamm

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Der aus Hamm stammende Udo Figge (rechts) ist König der Bilker Schützen und regiert mit seinem Ehemann Dirk Jehle.

Düsseldorf/Hamm - Die Inthronisierung zweier Männer als Königspaar in einem Düsseldorfer Schützenverein hat deutschlandweit ein großes Medieninteresse hervorgerufen. Der schwule Schützenkönig ist gebürtiger Hammer und hat der „Alibi-Königin“ eine klare Absage erteilt.

Wie schon bei der Debatte um den muslimischen König in Werl-Sönnern vor gut einem Jahr, hatte der Dachverband der Schützen auf die Einhaltung von Traditionen gepocht und dem König eine „Alibi-Königin“ empfohlen. Das lehnte dieser aber ab.

Seine Wurzeln hat der schwule König in Hamm. Hier wuchs Udo Figge auf, und hier wurde er auch mit dem Schützenvirus infiziert. „Ohne die Erlebnisse in Hamm, im Schützenverein Westenfeldmark, wäre ich sicherlich nicht jetzt König geworden“, hat er weiterhin eine enge Bindung zu seiner einstigen Heimat, wo die Familie noch heute lebt.

Als sich am Sonntag der Westfälische Anzeiger auf Figges Handy meldete, lachte der 51-Jährige spontan los. „Jetzt ist die Nachricht auch in meiner Heimatstadt angekommen.“ Den unerwarteten Medienrummel nimmt er mit Humor. „Vielleicht kann durch die Berichterstattung ja ein Zeichen gesetzt werden, so dass im eher konservativen Schützenwesen ein Umdenken angeregt wird“, hofft Figge, der als SPD-Lokalpolitiker ohnehin seinen Platz im öffentlichen Leben hat. „Mein Mann und ich sind hier sehr bekannt. Wir treten immer gemeinsam auf, es gibt nirgendwo Probleme“, so Figge.

Daher stand es für ihn auch nie zur Diskussion, die Königswürde ohne seinen Partner anzutreten. „Ich habe meinen Mann geheiratet, um solche schönen Momente mit ihm teilen zu können“, sagte er. „Es war mein fester Wunsch, König zu werden, nachdem ich in beiden Vorjahren knapp gescheitert war. Und es macht so viel Spaß, dass ich mir vorstellen kann, in ein paar Jahren noch einmal König zu werden.“

Bis dahin, so hofft er, sollte die Diskussion um ein gleichgeschlechtliches Königspaar keine mehr sein. „Eigentlich war es auch diesmal zunächst keine“, erzählt Figge. Denn den Königsschuss hatte er bereits am 1. August abgegeben. Es folgte eine kleine Meldung in der Rheinischen Post. „Das war es. Erst als ein Reporter der Bild-Zeitung kürzlich beim Dachverband um eine Stellungnahme bat, wurde es eine Geschichte“, so Figge. Denn Verbandssprecher Rolf Nieborg hatte auf die alten Traditionen in den Bruderschaften hingewiesen. „Damit hat sich der Sprecher keinen Gefallen getan. Es wäre besser gewesen, keine Stellung zu beziehen, da sich der Verband derzeit ohnehin in einer Satzungsdiskussion befindet“, meint Figge.

Volle Rückendeckung

In seiner Kompanie und im Verein haben Udo Figge und Dirk Jehle volle Rückendeckung, ein schwules Paar sei heutzutage „das normalste der Welt“, zitiert Figge Aussagen seiner Schützenbrüder. „Der Verein geht da ganz offensiv mit um und würde sogar seine Mitgliedschaft im Dachverband kündigen, wenn es keine Akzeptanz gibt.“

Udo Figge ist übrigens nicht zum ersten Mal König. Als Bierkönig hat er sich in den 1980er Jahren in die Geschichte der Avantgarde des Schützenvereins Westenfeldmark eingetragen. Dort fungierte er auch seiner Zeit als 1. Kommandeur. „Seit meiner Kindheit bin ich mit dem Schützenwesen vertraut, mein Vater hat mich immer mitgenommen“, berichtet Figge. Auch im Fanfarenzug habe er mitgespielt. Nach seinem Umzug nach Düsseldorf Anfang der 1990er Jahre ruhte das aktive Schützendasein, denn Partnerschaft, Beruf und politische Karriere standen zunächst im Vordergrund. War er zu Hammer Zeiten noch Mitglied der CDU, wechselte er später in die SPD. Positionen als Fraktionsvorsitzender, Bezirksbürgermeister und jetzt als Mitglied im Stadtrat hat er vorzuweisen. Mit Dirk Jehle lebt er seit 1992 in einer Partnerschaft, seit 2002 sind sie verheiratet.

Den Schützenvirus lässt er seit 2010 als Mitglied im Bilker Verein wieder aufleben. Vom Schützenverein Westenfeldmark erhielt er zuletzt „ein freundliches Schreiben“, dass der Jahresbeitrag nicht abbuchbar sei. „Das liegt an einer Änderung der Kontonummer, ich werde natürlich nachzahlen und möchte dort Mitglied bleiben“, fügt er schmunzelnd an

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