Dubai-1000-Hotelfonds: Macher in der Haftung

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Das Millionen-Loch schrumpft: Im Vordergrund befindet sich die Hotelbaustelle, hinten ist das FLy-Emirates-Gebäude zu erkennnen. ▪

HAMM/DUBAI ▪ Ein Freundentag war es nicht für die Anleger in den Dubai-1000-Hotelfonds. Zwar hat das Oberlandesgericht Hamm am Montag entschieden, dass die Gründungsgesellschafter für Schadensersatzansprüche ihrer Investoren haften, fraglich bleibt jedoch, wieviel Geld bei ihnen zu holen sein wird. Der aus Hamm stammende Fondsinitiator Georg Recker hält sich weiterhin in Dubai auf und ist dort nicht greifbar, und die Treuhandgesellschaft des Fonds befindet sich in der Insolvenz und war vom gestrigen Urteil ohnehin ausgeklammert. Für den aus Ense stammenden Gründungskommanditisten dürfte die Luft hingegen dünn werden.

Wie bereits das Dortmunder Landgericht in der ersten Instanz sehen es auch die Richter des 8. Zivilsenats am OLG als erwiesen an, dass die knapp 1 000 Anleger, die ab dem Jahr 2005 rund 25 Millionen Euro in den Hotel-Wolkenkratzer investierten, über einen mit Mängeln behafteten Verkaufsprospekt des Fonds zur Investition verleitet wurden. Zum einen, so das OLG, wurden sie über das Fehlen von Baugenehmigungen nicht informiert, zum anderen war die als Mittelverwendungskontolleurin installierte Rechtsanwältin – Reckers heutige Ehefrau und Mutter ihrer gemeinsamen Kinder – schon damals mit dem Initiator und Geschäftsführer der Fonds-Gesellschaft liiert.

„Von den aufklärungspflichtigen Gründungsgesellschaftern könnten die Anleger, die bei vollständiger und richtiger Aufklärung nicht in die Gesellschaft investiert hätten, Rückzahlung des investierten Betrags nebst Agio sowie den entgangenen Gewinn gegen Rückübertragung der Beteiligung verlangen“, teilt OLG-Sprecherin Ulrike Kaub nach dem Urteil mit. Allerdings – und damit folgt auch das OLG dem erstinstanzlichen Urteil aus Dortmund, seien Ansprüche der Anleger gegen die Gesellschaft nicht begründet. Ausgerechnet auf Konten dieser KG befindet sich jedoch der Löwenanteil der eine Million Euro, die die Staatsanwaltschaft Dortmund bereits vor Jahren arrestiert hat. Auf dieses Geld können die klagenden Anleger nicht zurückgreifen. Eine Revision zum BGH wurde nicht zugelassen. Nur über eine Nichtzulassungsbeschwerde könnten Anleger den Weg in die nächst höhere Instanz noch erreichen.

Das gestrige Urteil befasst sich mit den ersten beiden von rund 50 Schadensersatzklagen. Die Kläger hatten 10 500 und 25 000 Euro in das Hotelprojekt investiert. Ihr Rechtsanwalt Lutz Tiedemann von der Kapitalanlageschutz-Kanzlei KWAG aus Bremen und Hamburg begrüßte das Urteil gleichwohl. „Ich bin sehr zufrieden. Die Anleger haben nun die Möglichkeit, sich ihr Geld zurückzuholen.“

„Wir verlieren nicht

die Geduld“

Der seit Ende 2008 per internationalem Haftbefehl gesuchte Fonds-Initiator Recker entzieht sich weiterhin erfolgreich dem Zugriff der deutschen Strafverfolgung. Das vor Monaten in die Wege geleitete Rechtshilfeersuchen dümpelt vor sich hin, ob Recker nach wie vor in Dubai unter Hausarrest stehe, sei unklar, hieß es gestern von der Dortmunder Staatsanwaltschaft. „Aber wir verlieren nicht die Geduld“, sagte deren Sprecherin Dr. Ina Holznagel. Das Problem ist, dass zwischen dem Emirat und der Bundesrepublik kein Auslieferungsabkommen existiert.

Wie bereits mehrfach berichtet, ist die Hotelbaustelle vor den Stadttoren Dubais seit dem Frühjahr dieses Jahres buchstäblich abgesoffen und verrottet beharrlich. Wenige Tage alte Fotos belegen nun, dass das Millionen-Loch nunmehr zwar nicht austrocknet, dafür jedoch schrumpft. Angeblich wird dort nun Bauschutt von anderen Baustellen abgekippt. Ein Augenzeuge berichtet gegenüber unserer Zeitung von einem Schaufelbagger, der an der Anfang November an der Baustelle zu sehen war und etwa 30 Lastwagenladungen Baumüll, der in der Nähe abgelagert wurde.

Dass sich damit möglicherweise ein Verkauf des Grunstücks abzeichne, wird von Insidern bezweifelt. Kein Mensch kaufe derzeit Grundstücke in Dubailand. Das werde sich erst in fünf bis zehn Jahre wieder ändern. Das Hotelgrundstück scheide zudem aus, weil zunächst die drei Meter dicke Betondecke weggesprengt werden müsste – allerdings sind die in der Nachbarschaft befindlichen Gebäude der „Fly Emirates“ bereits bezogen. Eine Sprengung komme deshalb nicht in Frage; mit Presslufthammern vorzugehen, dauere hingegen Jahre. Damit wäre nur ein Bauvorhaben möglich, das auf dem Fundament aufbaut. Aber auch das sei viel zu kompliziert – und Land gebe es derzeit ohnehin überall zu kaufen... ▪ fl

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