Am Beispiel SVE Heessen

Neuer Datenschutz: Hammer Vereine beklagen Riesenaufwand

+
Symbolbild

Hamm - Eigentlich sind Bodo Brinkötter, Geschäftsführer des SVE Heessen, und Vorstand Ingo Müller ganz entspannt, was die neue europäische Datenschutzgrundverordnung angeht, die ab dem heutigen Freitag verbindlich gilt. Wie gesagt: eigentlich.

„Datenschutz ist doch nichts Neues“, sagt Brinkötter. Trotzdem haben beide die Sorge, irgendein Fehler auf der Homepage könnte einen Abmahnverein auf den Plan rufen, der dem SVE eine Zahlung abnötigt. Und bei einer Frage schauen sich die beiden fragend an.

Die gute Nachricht: Angesichts der neuen Regelungen der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat der Verein seine Hausaufgaben gemacht. Die Mitglieder sind über den Umgang mit ihren Daten sowie ihrem Widerspruchsrecht informiert, neue Mitglieder erhalten diese Informationen auf zwei Din-A4-Seiten zusammen mit dem Mitgliedsantrag.

"Neue Ära des Datenschutzes": Ab sofort gelten die EU-Regeln

Hilfe der Hammer Verbraucherzentrale für Betroffene

Und darum geht’s:

Auch ein ehrenamtlich geführter Verein muss seinen Mitgliedern mitteilen, welche Daten wo gespeichert werden, wer auf welche Weise Zugang zu ihnen hat, und welche Rechte die Mitglieder bezüglich ihrer Daten haben.

Bodo Brinkötter

„Wir speichern Namen und Vornamen, Geburtsdatum, Adresse und Kononummer“, sagt Brinkötter, „und wir müssen sagen, warum wir diese Daten speichern – wir brauchen sie, um die Mitglieder für den Verein zu verwalten.“ Und es sei genau geregelt, wer Zugang zu den Daten habe – alles ist passwortgeschützt. Das Ganze wird zudem für alle abrufbar dokumentiert.

Alles ganz einfach? Nicht ganz. „Es ist ein riesiger Aufwand für einen ehrenamtlich geführten Verein, das auf die Beine zu stellen“, sagt Brinkötter – und zwar zusätzlich zu anderen ehrenamtlichen Arbeiten. Ingo Müller bringt es auf den Punkt: „Wir wollen uns doch eigentlich mit Fußball beschäftigen und nicht Verwaltungsaufgaben übernehmen.“ Und: Es könnte angesichts der steigenden Belastung schwieriger werden, Menschen zu finden, die in den Gremien mitarbeiten wollen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum DSGVO

Ingo Müller

Auch die Homepage des Vereins ist verändert worden – denn sie speichert Daten der Nutzer, die sie aufrufen. Für alle Daten, die gespeichert werden, muss der Nutzer sein Einverständnis geben. Und welche Daten werden gespeichert? Bei Nutzung des Kontaktformulars die IP-Adresse des Rechners und die E-Mail-Adresse. Und ist die Nutzung von Google Analytics weiterhin erlaubt? Da schauen sich Ingo Müller und Bodo Brinkötter ratlos an: „Das klären wir noch.“ Notfalls müsse das Programm abgeschaltet werden.

Google Analytics untersucht laut Wikipedia die Herkunft der Besucher, ihre Verweildauer auf einzelnen Seiten sowie die Nutzung von Suchmaschinen – und erlaubt damit Erkenntnisse, wie die eigenen Seiten genutzt werden. Das Programm wird von geschätzt 50 bis 80 Prozent aller Websites verwendet und „ist aus datenschutzrechtlicher Sicht wie andere Webanalyse Programme problematisch und umstritten“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare