DRK erklärt: Geld für die Prämien fehlt

„Ungewöhnliche Bitte“ des DRK: Mitarbeiter sollen Corona-Prämie ihrem Arbeitgeber spenden

Rettungswagen des DRK Hamm
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Das DRK in Hamm ist finanziell angeschlagen.

Mitarbeiter im Sozial- und Erziehungsbereich sollen eigentlich eine Einkommenserhöhung und eine Corona-Prämie bekommen - doch nun bittet das DRK in Hamm seine Mitarbeiter darum, die Prämie zurückzuspenden. Die Belastung für den Kreisverband sei zu hoch.

Hamm – Der Tarifabschluss im vergangenen Oktober hat den Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsbereich eine Einkommenserhöhung in zwei Stufen sowie eine „Corona-Prämie“ beschert – und den Arbeitgebern eine höhere Belastung. Beim finanziell angeschlagenen Kreisverband Hamm im Deutschen Roten Kreuz (DRK) soll sich diese auf „deutlich mehr als 80.000 Euro“ belaufen, wie die 185 Mitarbeiter jetzt in einer E-Mail erfahren haben. (News zum Coronavirus in Hamm.)

Die Vorstandsvorsitzende des Kreisverbandes, Stefanie Göckler, äußert aus diesem Grund eine ungewöhnliche Bitte. „Falls es dem einen oder anderen irgendwie möglich ist, spendet dem Kreisverband bitte (einen Teil) dieser Prämie zurück“, heißt es im Wortlaut. „Macht Euch in Ruhe Gedanken, sprecht mit Euren Lieben. Um es ganz deutlich zu machen: Niemand soll sich unter Druck gesetzt fühlen, etwas zu tun oder nicht zu tun“, schreibt Göckler. Es sei lediglich eine Bitte, doch einmal zu prüfen, ob man sich in der Lage sehe, einen Teil der Prämie an den DRK-Kreisverband zu spenden.

DRK-Kreisverband Hamm: Wird Druck auf die Mitarbeiter aufgebaut?

Bei allen Beteuerungen: Es gibt offenbar leise Zweifel daran und Befürchtungen, dass über diese Bitte eben gerade Druck auf die Mitarbeiter aufgebaut wird und diese sich genötigt sehen, zu spenden und – sofern sie dem nicht nachkommen – berufliche Nachteile in Kauf nehmen müssen. „Das ist Quatsch“, sagt Göckler. Das Problem liege einfach darin, dass das DRK als Wohlfahrtsverband die Prämienzahlungen von den Tarifparteien nicht refinanziert bekommt und den gesamten Mehrbetrag aus eigenen Mitteln zahlen muss. „Dabei sind wir ein gemeinnütziger Verein und dürfen keine Rücklagen in astronomischer Höhe haben und können auch nicht einfach mal sagen, jede Windel kostet jetzt einen Euro mehr und die Preise erhöhen“, sagt Göckler. Zudem sei der Wirtschaftsplan für 2020 erstellt worden, „als noch niemand auch nur im Entferntesten ahnte, dass wir in diesem Jahr in eine weltweite Pandemie schlittern würden“.

„Grundsätzlich finden wir die Intention der Tarifparteien richtig, den Mitarbeitenden im sozialen Sektor und deren Leistungen nicht nur durch abendliches Klatschen auf dem Balkon zu würdigen, sondern auch, indem zusätzliche Prämienzahlungen ausgeschüttet werden“, heißt es in der E-Mail. Dies gestalte sich allerdings problematisch, denn der DRK-Kreisverband Hamm stecke bereits seit geraumer Zeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im Zuge der wegen der Corona-Beschränkungen ausgefallenen Betriebsversammlungen hatte der DRK-Vorstand die Mitarbeiter über den Betriebsrat Unterlagen zukommen lassen, in denen die finanziellen Probleme des Kreisverbandes erklärt worden sind. „Nach Durchsicht (…) werdet Ihr hoffentlich ein bisschen besser verstehen, warum wir uns heute mit einer ungewöhnlichen Bitte an Euch wenden“, heißt es in der E-Mail.

DRK-Kreisverband Hamm will andere Möglichkeit finden, die Prämie zurückzubekommen

Die Aktion sei mit dem Betriebsrat abgestimmt, sagt Göckler, und: „Wir werden natürlich prüfen, bei entsprechender wirtschaftlicher Lage eine Form der Refinanzierung zu finden, dann fließt das gespendete Geld zurück. Das ist keine Frage und das ist auch so kommuniziert worden.“

Zwei Bitten hat die Vorsitzende. An die DRK-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Sorgen und Ängste intern zu äußern: „Es herrscht eigentlich ein Klima bei uns, da lege ich meine rechte Hand für ins Feuer, dass jeder zu mir oder meinen Kollegen kommen kann.“ Und an die Politik gerichtet: „Der Sozialbereich muss anders finanziert werden.“

Auch für die Einzelhändler in Hamm ist die Corona-Situation - mit Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft - nicht einfach. Sie hoffen nun auf den Januar.

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