„So etwas noch nie erlebt“

Dramatischer Unwettereinsatz der Hammer Feuerwehr in Erftstadt

Die volle Tragik der Hochwasser-Folgen kommt erst nach und nach ans Licht. Was viele Hammer „nur“ übers Fernsehen schockt, bekommen Hammer Hilfskräfte vor Ort tatsächlich hautnah zu spüren.

Hamm/Erftstadt - Nach einem nächtlichen Hochwassereinsatz in Bergkamen mit rund 40 Hammer Feuerwehrleuten kamen am Freitagmorgen weitere 20 Kräfte der Hammer Feuerwehr von einem Rettungseinsatz aus Erftstadt zurück. In der 20 Kilometer südwestlich von Köln gelegenen Stadt hatte sich die Lage zuvor dramatisch zugespitzt: Häuser stürzten wegen schneller und massiver Unterspülungen ein, Krankenhausbetriebe waren nicht mehr möglich, Pflegeheime mussten geräumt werden, die Infrastruktur fiel aus, etliche Personen galten als vermisst.

Angefordert als „Patiententransportzug“, eilte die Hammer Rettungskolonne also am Donnerstagmittag mit vier Rettungswagen und vier Krankentransportwagen ins 150 Kilometer entfernte Erftstadt. Angeleitet wurden die Mitglieder des DRK, der Berufs- und der freiwilligen Feuerwehr von Matthias Wiebusch als Einsatzführungsdienst. „Einen Einsatz in dieser Größenordnung habe ich noch nie erlebt“, gab der erfahrene Feuerwehrmann nach der Rückkehr erschöpft zu Protokoll.

Ein Rettungswagen (RTW) der Hammer Feuerwehr kämpft sich in Erftstadt durchs Hochwasser.

Retter aus Hamm in Erftstadt: Evakuierung mit Radlader

Rund 14 Stunden war das Hammer Team in Erftstadt im Einsatz, nur wenige Ruhepausen inklusive. Die Aufgabe: Krankenhaus-Patienten und Heimbewohner aus ihren vom Hochwasser eingeschlossenen Gebäuden an sichere Orte zu bringen. Klingt einfach, war aber oftmals dramatisch. Denn weil die Hammer mit ihren Fahrzeugen nicht an die Gebäude herankamen, mussten viele Betroffene zuvor entweder am Seil eines Hubschraubers oder in der Schaufel eines riesigen Tagebau-Radladers evakuiert werden. An einem behelfsmäßig eingerichteten Betreuungsplatz durften sie verschnaufen, ehe sie in andere und vor allem sichere Krankenhäuser und Heime im Rhein-Erft-Kreis gebracht wurden. „Zwischen 40 und 50“ solche Fahrten gingen allein auf das Konto der Hammer Helfer, so Wiebusch.

Flut-Katastrophe in Erftstadt: Ortsteil Blessem stürzt ein

Flut-Katastrophe in Erftstadt: Rettungsschwimmer und Polizeitaucher begeben sich mit einem Schlauchboot in einen überfluteten Innenhof.
Nach dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Nach dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen - Erftstadt-Blessem
Trümmer eingestürzter Häuser liegen im Ortsteil Blessem.
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Nach der Ablösung durch andere Einheiten durften die erschöpften Hammer gegen 6.30 Uhr am Morgen die Heimfahrt antreten. Gut zwei Stunden später trafen sie an der Hafenstraße ein - schnell noch ein Gruppenfoto, schnell noch die Nachbesprechung, dann durfte die ausgelaugte Truppe endlich nach Hause und ins Bett. Ob die Situation in Erftstadt denn ebenso schlimm war wie zu Beispiel in Hagen und dem Märkischen Kreis? „Das weiß ich nicht“, sagt Wiebusch dazu: „Ich habe in den vergangenen 24 Stunden keine Nachrichten geguckt.“

Gruppenfoto nach anstrengender Einsatznacht: das Team des Patiententransportzuges (PTZ 10).

Retter aus Hamm in Erftstadt: Eine Frage der Verfügbarkeit

Warum wurden eigentlich Helfer aus dem 150 Kilometer entfernten Hamm angefordert? Ganz einfach: weil alle anderen Optionen ausgeschöpft waren. Alle möglichen Einheiten zwischen Hamm und Erftstadt waren entweder selbst von der Katastrophe betroffen oder bereits andernorts im Einsatz. Dass es eine solche überörtliche Hilfe überhaupt gibt, ist NRW-weit klar geregelt - Stichwort „Hilfe von Nachbarkommunen“. Wiebusch: „Es war also schlicht eine Frage der Verfügbarkeit.“ Übrigens: Sogar aus Hamburg kamen Retter mit einer Bootsstaffel nach Erftstadt.

Für die Hammer Feuerwehr war der Unwettereinsatz am Freitagmorgen vorerst beendet: Weitere Anforderungen waren bis dahin nicht eingegangen. Sollte sich das ändern (was am Wochenende tatsächlich sehr wahrscheinlich wird), stehen die Retter aus Hamm allerdings allzeit bereit.

Rubriklistenbild: © Feuerwehr Hamm

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