Neue Erkenntnisse zur tödlichen Schlägerei in der Innenstadt

Bluttat in Hamm: Beweisen Videos Notwehr? LKA wertet Aufnahmen aus

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Das blutige Geschehen mit etlichen Beteiligten spielte sich in direkter Nachbarschaft zum Marienhospital ab.

Eine Woche nach dem blutigen Streit in der Hammer Innenstadt lüftet sich der Schleier der Erkenntnis nur sachte. Der potenziell tödliche Stich passierte offenbar in einer Notwehr-Situation. Doch was war der Auslöser? Und wer provozierte vorher wen? Wir haben bei der Staatsanwaltschaft nach Neuigkeiten gefragt.

Hamm - Von der Auseinandersetzung, die am 31. Juli im Bereich des Lutherviertels für Aufsehen und Entsetzen sorgte, liegt den Ermittlern einiges an Videometarial vor. Die gute Nachricht: Die von Zeugen mit Handys und von einer Überwachungskamera gemachten Aufnahmen zeigen verschiedene Situationen, also auch Vorgänge im Vorfeld der todbringenden mutmaßlichen Notwehr-Reaktion. Man habe die "Vermutung, dass man den Stich in einer Situation sieht", erklärt der zuständige Staatsanwalt Felix Giesenregen auf Nachfrage. Die schlechte Nachricht: Die Auswertung ist komplizierter als es klingt, denn die Qualität der Aufnahmen sei "nicht die beste". Sie werden daher nun ans Landeskriminalamt weitergegeben. Die LKA-Experten hätten technische Möglichkeiten, um sie weiter zu verbessern; dabei gehe es zum Beispiel um Aspekte wie Schärfe und Helligkeit.

Bestätigt ist inzwischen, dass die drei nach der Tat vorläufig festgenommenen Männer allesamt Afghanen mit Wohnsitz in Hamm sind. Die miteinander bekannten 26, 21 und 20 Jahre alten Männer seien mit verschiedenen Autos in die Innenstadt genommen, so Giesenregen. Das spätere Tatwerkzeug - ein "handelsüblicher Schraubendreher" - hätten sie mit aus dem Auto genommen, vorgeblich aus Selbstschutzgründen. Unbekannt ist noch, ob sie von weiteren Personen begleitet wurden. Gerüchte, das Trio sei im Verbund mit weiteren Landsleuten in Hamm schon zuvor strafauffällig geworden, kann der Staatsanwalt nicht bestätigen. Man sehe derzeit "keinen Vernehmungsgrund".

Verteidiger schließt Notwehrsituation nicht aus

Der Sohn des getöteten Mannes hat sich inzwischen juristischen Beistand von Dennis Kocker (*) geholt. Der beschuldigte Afghane soll dem 51-Jährigen - Stand jetzt - den Schraubendreher in einer Notwehrhandlung in den Oberkörper gerammt haben. Auch Kocker schließt diese These aus rechtlicher Sicht nicht aus; der 26-Jährige könnte in diesem Fall nicht belangt werden. Die Opferfamilie hat syrische Wurzeln, lebt aber ebenfalls in Hamm.

Die Ermittlungen in diesem Fall wurden an eine Mordkommission der Polizei Dortmund ausgelagert. Diese war anfangs wegen der komplizierten Spurensicherung mit acht Personen besetzt, wurde zwischenzeitlich aber verkleinert.

Verteidiger der Familie kein Unbekannter

(*) Der in Hamm ansässige Strafverteidiger Dennis Kocker ist vielen Hammern noch bekannt als früherer SPD-Vorsitzender und im Mai 2014 gegen Thomas Hunsteger-Petermann gescheiterter Spitzenkandidat. Im Herbst 2017 gab der bis dahin nach wie vor als Hoffnungsträger gehandelte SPD-Mann die Spitzenämter in Hamm auf. Anfang 2019 hat er das hiesige politische Parkett komplett verlassen. Aktuell kandidiert Kocker für den Landratsposten im Kreis Warendorf.

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