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Streit um Jalapeños: Pizzeria-Mitarbeiter wegen versuchten Totschlags angeklagt

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Von: Frank Lahme

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Tatort in der Ritterstraße: die Pizzeria „Big Daddy“.
Am Tag nach der Bluttat: Der Koch „Big Daddy“ stach einen Kunden nieder, die Pizzeria blieb zunächst gesperrt.  © Andreas Rother

Nachdem ein Kunde im Streit um fehlende Jalapeños die Chefin der Pizzeria „Big Daddy“ angegriffen hat, stach der Koch ihn nieder. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft handelte er nicht in Nothilfe.

Hamm – Kleiner Anlass, große Wirkung: Weil die Jalapeños auf einem Baguette fehlten, hat ein Kunde der Innenstadt-Pizzeria „Big Daddy“ im September 2022 offenbar feuerrot gesehen und dafür am Ende fast mit seinem Leben bezahlt. Der damals 26-jährige Mann soll in dem an der Martin-Luther-Straße gelegenen Lokal einen Streit mit der Inhaberin angezettelt und der Frau das Baguette mit großer Wucht ins Gesicht geschlagen haben. Der Koch soll daraufhin aus seiner Küche geilt sein und den Kunden niedergestochen haben.

Der doppelte Kurzschluss könnte nun insbesondere für den heute 44-jährigen und bislang unbescholtenen Pizzeria-Mitarbeiter weitreichende Konsequenzen haben und eine mehrjährige Haftstrafe nach sich ziehen. Wie eine Sprecherin des Dortmunder Landgerichts am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion erklärte, ist der Pizza-Bäckerwegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Anklage wurde bereits im November erhoben. Über eine Zulassung zur Hauptverhandlung habe das Dortmunder Schwurgericht bislang noch nicht entschieden. Prozesstermine stünden demzufolge ebenfalls noch nicht fest.

Koch soll viermal zugestochen haben: Kunde in Lebensgefahr

Viermal soll der Koch am Abend des 18. Septembers mit einem Küchenmesser zugestochen haben. Der 26-jährige Kunde schwebte danach in Lebensgefahr. Gäste übernahmen im Lokal die Erstversorgung; der Mann wurde noch in der Nacht notoperiert. Er verlor eine Niere und einen Teil des Dickdarms.

Die von Beginn an im Raum stehende Frage, ob der Koch nicht seiner Chefin zu Hilfe kommen wollte und aus einer Nothilfelage heraus gehandelt hatte, wurde von der Staatsanwaltschaft stets negativ beantwortet. Der Angriff des späteren Opfers auf die Inhaberin sei abgeschlossen gewesen, hatte es aus Dortmund geheißen. „Nach unseren Erkenntnissen waren die Voraussetzungen für eine Nothilfehandlung nicht mehr gegeben“, hatte Staatsanwältin Maribel Andersson bereits im September erklärt, Und selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre – der Angriff also noch angedauert hätte –, so seien die Messerstiche aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein viel zu hartes und damit ungerechtfertigtes Mittel gewesen, um die Inhaberin der Pizzeria zu schützen. Demzufolge kam der 44-jährige Mitarbeiter am nächsten Tag in Untersuchungshaft; dort befindet er sich bis heute.

Mehrere Videokameras installiert: Übergriffe gut erkennbar

Das spätere Opfer hatte am Tatabend mit mehreren Bekannten eine größere Bestellung im „Big Daddy“ aufgegeben und sich das Essen nach Hause liefern lassen. Wie die Staatsanwaltschaft schon im September erklärt hatte, soll der sich der 26-Jährige zunächst telefonisch über die fehlenden Jalapeños beschwert haben. Weil das nicht fruchtete, soll er dann selbst in die Pizzeria gefahren sein und den Streit vom Zaun gebrochen haben.

In der Pizzeria befinden sich mehrere Videokameras. Diese waren am Tatabend auch in Betrieb. Die Übergriffe sollen auf den Aufnahmen gut erkennbar sein.

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