„Rock your Brain“

Rockmusik ist oft auch Philosophie! Buch eines Bockum-Hövelers

Dominik Feldmann will in seinem neuen Buch „Rock your Brain“ zeigen, wie Philosophie im Alltag weiterbringen kann.
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Philosophie im Alltag: Dominik Feldmann will zeigen, wie Philosophie im Alltag weiterbringen kann.

Was hat die Philosophie mit Rockmusik zu tun? Auf den ersten Blick wahrscheinlich nicht viel. Und doch lassen sich mit den Parallelen zwischen beiden Disziplinen Hunderte Seiten füllen, weiß der gebürtige Bockum-Höveler Dominik Feldmann. Denn in seinem Buch „Rock your Brain“, das im Phantom Verlag erschienen ist, geht es genau darum: Es verbindet grundlegende philosophische Theorien mit (Songtexten aus) Classic Rock, Heavy Metal und Co.

Bockum-Hövel – „Philosophie ist mehr als eine Spielwiese für verkopfte Wissenschaftler – und Rockmusik mehr als Lärm“, sagt Feldmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Idee, beides miteinander zu verbinden, ist dem 35-Jährigen schon im Studium gekommen. „Ich wollte mit diesen 13 Essays aber keine wissenschaftliche Diskussion eröffnen, sondern zeigen, wie uns die Philosophie im Alltag weiterbringen kann, wie lebensnah sie eigentlich ist – und zwar anhand von Songs, die jeder kennt.“ Dass er lieber Texte von Machine Head analysieren möchte als von Helene Fischer, war für Feldmann gleich klar: „Ich bin mit acht Jahren durch meinen Bruder auf die Ärzte gestoßen und anschließend mit dieser Musik aufgewachsen. Ihre Energie hat mich schon immer fasziniert. Außerdem sind die Texte wesentlich tiefgründiger und abwechslungsreicher als zum Beispiel im Schlager.“

Viel Zuspruch in Rezensionen

Dennoch war Feldmann sehr überrascht, wie viel Zuspruch er für jedes einzelne Kapitel von „Rock your Brain“ bekommen hat. „In Rezensionen taucht beispielsweise häufig der Essay zum dionysischen Rausch bei Live-Darbietungen auf. Das ist ein Bezug zu Nietzsche, der sagt, durch diesen Rausch machen wir eine Art transzendentale Erfahrung. Wir lösen uns von uns selbst und kommen während des Konzertes in einen anderen Bewusstseinszustand.“ Wer Theorien wie diese im Hinterkopf habe, könne sich die eigene Gefühlswelt in bestimmten Situationen vielleicht etwas besser erklären.

„Ein weiteres Beispiel: Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann empfinde ich negative Erlebnisse häufig als gar nicht mehr so schlimm. Im Gegenteil: Ich kann häufig sogar etwas Positives daraus ziehen. Einfach gesagt ist das eine philosophische Theorie von Paul Ricoeur“, erläutert Feldmann. Er sagt, Menschen wandeln diese Ereignisse in sogenannte Vorkommnisse um, damit ihr Leben rückschauend eine stringente Geschichte erzählt, mit der sie in ihrem jetzigen Zustand klarkommen. „Dabei denke ich sofort an Papa Roach mit ,Last Resort’: In dem Song geht es um jemanden, der seine Mutter verloren und Probleme hat, dieses Ereignis in ein Vorkommnis umzuwandeln – also positiv weiterzuleben.“

Zweite Auflage gerade herausgekommen

In dieser Art widmet sich Feldmann in seinem Buch rund 300 Künstlern und Bands sowie zahlreichen Philosophen verschiedener Epochen. Sogar die Hammer Gruppe Kapelle Petra zitiert er im Kapitel „Who sold out now“ über den Einfluss von Streaming-Diensten auf Musik mit ihrem bekannten Appell: „Geht mehr auf Konzerte“. Eine Aufforderung, der viele Musikfans in Hamm sicherlich so bald nachkommen werden wie möglich.

So leicht ihm „Rock your Brain“ aber auch von der Hand gegangen ist – von der Idee bis zum fertigen Manuskript brauchte Feldmann trotz Vollzeitjob nur ein knappes Dreivierteljahr: Eine Fortsetzung sei noch nicht in Planung. „Ich habe einen einjährigen Sohn zu Hause, auf den ich mich gerade konzentrieren möchte.“ Zudem sei die zweite Auflage seines aktuellen Buches gerade erst aus der Druckerei gekommen. „Darüber freue ich mich sehr. Scheinbar harmonieren Philosophie und Rockmusik am Ende doch ganz gut.“

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