Die Diskussion um St. Josef geht weiter

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Der Abriss der Kirche St. Josef war auch in der Bezirksvertretung ein heißes Thema. ▪

HEESSEN ▪ Eine heftige Diskussion entbrannte in der Sitzung der Bezirksvertretung Heessen am Dienstag um den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan eines neuen Seniorenzentrum am Standort St. Josef.

Während SPD und Grüne erheblichen Beratungsbedarf anmeldeten und diesen Tagesordnungspunkt gerne auf die nächste Sitzung verschoben hätten, lehnten CDU und FDP das ab. Sie empfahlen dem Rat, die Aufstellung des Bebauungsplans zu beschließen.

Zunächst erläuterte Pfarrer Wilhelm Lohle die Situation der Gemeinde Papst Johannes. Vor acht Jahren habe der Bischof die Fusion der vier eigenständigen Gemeinden angeordnet. Damit sei auch deutlich gewesen, dass nicht alle Kirchen weiter finanziert würden. Im Jahr 2006 habe er alle eingeladen, Initiativen zum Erhalt der Kirche St. Josef zu ergreifen. Eine damals gegründete Runde habe keine Lösung gefunden. In einer Gemeindeversammlung im Jahr 2009 seien die Schließungspläne öffentlich gemacht worden und er habe um neue Ideen zum Erhalt der Kirche gebeten. Am Ende hätten nur drei ernsthafte Vorschläge für eine Nachnutzung vorgelegen: eine Kneipe, ein Discounter und ein Schnell-Restaurant. Alles drei komme jedoch nicht in Frage, so Lohle.

Zudem wies er noch einmal auf die Kosten für den Erhalt der Kirche St. Josef hin. Alleine für Energie seien jährlich 25 000 Euro aufzuwenden, bei weiter steigenden Preisen. Hinzu komme noch eine Dachsanierung, die in nächster Zeit erforderlich sei und einen sechsstelligen Betrag koste.

Mit dem Bau eines Altenzentrums ergebe sich die Möglichkeit, dass Gemeinde an dieser Stelle Präsent bleibe, machte Lohle deutlich. Die rasche Schaffung von Baurecht ist aus seiner Sicht erforderlich, um den Architektenwettbewerb durchführen zu können.

Paul Gosing, Leiter des Seniorenheims St. Stephanus, erläuterte, warum seine Einrichtung dort neu bauen wolle. Die Heimaufsicht dränge, dass bis 2018 nur noch 20 Prozent der Heimplätze Doppelzimmer sein sollen. Daher müssten im Seniorenheim 50 Betten abgebaut werden, die dann an den Standort St. Josef verlagert würden. Damit blieben auch die dazu nötigen Arbeitsplätze in Heessen erhalten.

Einen ganzen Fragenkatalog legte Ludger Moor, Fraktionsvorsitzender der SPD, vor. Unter anderem wollte er wissen, warum ein neues Seniorenheim gerade an dieser Stelle entstehen solle. Bestehe an der Sachsenhalle doch seit vielen Jahren Baurecht dafür. Hans-Jürgen Niemann, Leiter des Wohnungsförderungsamtes, verwies darauf, dass es heute neue Bedarfszahlen gebe. Im Sozialraum nördlich der Brücke bestehe ein solches Angebot noch nicht. Hier bekämen die Menschen die Möglichkeit, auch bei Pflegebedürftigkeit in ihrem engen sozialen Umfeld zu bleiben.

Zudem kritisierte Moor, dass mit dem Abriss der Kirche St. Josef ein wichtiger Teil der Bergarbeitersiedlung zerstört werde, während die Besitzer der Siedlungshäuser strenge Auflagen zu erfüllen hätten. Etliche weitere Fragen Ludger Moors blieben unbeantwortet.

Sein Bruder Friedrich Moor (Grüne) führte zwei gelungene Beispiele an, bei denen historische Gebäude in eine neue Nutzung integriert wurden, darunter das Altenpflegeheim St. Paulus in Hildesheim. Er appellierte, sich auch in Heessen für eine solchen Lösung einzusetzen.

Günter Anhalt verwies darauf, dass man ja nur die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschließe. Was dort errichtet werde, sei ja noch offen. Heinrich Klockenbusch (CDU) mahnte, die Chance doch erst einmal zu nutzen und die Planung zu sichten. Der Architektenwettbewerb könnte doch sehr interessant werden.

Obwohl Lohle bereits Zustimmung signalisiert hatte verhallte ein Vorschlag des CDU-Ratsherrn Uwe Hinkmann unbeachtet. Er regte an, in das Planungsgremium der Gemeinde Papst Johannes einen Bezirksvertreter zu entsenden, der dort die Bedenken, Befürchtungen und Anregungen der Bürger einbringen könne. J jim ▪ jim

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