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Dirk "Merlin" Piper sieht sich als "Sarazzin" der Piraten

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Von: Alexander Schäfer

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Im Piratenwiki stellt sich „Pirat Merlin“ als „Prof. Dr. hc. Dirk Piper of altern. therapie, Harvard CDR, Cambridge/USA“ vor. © Wiemer

HAMM - An diesem Wochenende findet in Meinerzhagen die Aufstellungsversammlung der Piratenpartei für die Landesliste für den Bundestagswahlkampf statt. Besonders interessant aus lokaler Sicht ist die Diskussion um das Parteimitglied mit der Nummer 41630.

In den vergangenen Tagen hat die Begutachtung der insgesamt mehr als 80 Bewerber nämlich zu dem ein oder anderen "Shit-storm", also zu kritischen Kommentaren im Internet, geführt. Hinter „Pirat Merlin“ verbirgt sich Dirk Piper aus Hamm.

„Skurriler Bewerber zur Bundestagswahl schließt sein Profil wegen Shitstorm und droht Klagen an“ meldete am 8. Januar die Internetseite PopcornPiraten

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Dirk Piper posiert im Oktober 2009 in seiner Ausstellung "Art of Bodies" in Düsseldorf-Reisholz mit einer plastinierten Katze.

nach eigener Darstellung eine News-Sammlung zur Piratenpartei. Auf der Internetseite ist folgendes zu lesen: „Zu Piper, der bereits durch seine Tätigkeit als Plastinator in der Presse war, wurde förmlich ein Katalog an Vorwürfen zusammengetragen, der vom Tragen und Verkaufen von Doktortiteln bis zum Betreiben einer Webseite zur Entsorgung von Atommüll reicht.“

In der Tat ist Piper in Hamm wegen dubioser Aktionen in der Vergangenheit kein Unbekannter. Unter dem Namen Merlin betrieb der 49-Jährige bereits umstrittene „Hilfsprojekte“, aber auch Gastankstellen. Im Piratenwiki gibt „Prof. Dr. hc. Dirk Piper of altern. therapie, Harvard CDR, Cambridge/USA“ selbst tiefe Einblicke in seine Vita. Zitat: „Von 1992 bis 2003 Betrieb von sieben Swinger Treffs“; „2003 bis 2004 einfach geil gelebt“; „2012: Gründung der

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International Nuclear Recycling und Energie Corp. / Florida USA (Inreen Corp./Eintragung in Bearbeitung) mit Freunden und privaten Investoren. Übernahme der Präsidentschaft der Inreen Corp. auf der Generalversammlung im Dezember 2012, Planung eines PRISM Reaktorwerks / Investitionsvolumen 3 Milliarden Euro (Verfügbares Gesamtkapital: bis zu 28 Milliarden Euro)“. Das „Highlight 2009“ war die „Teilnahme an der Obduktion von Michael Jackson“.

Piper ist nach eigenen Angaben seit September 2012 Mitglied der Piraten. Er droht als Reaktion auf den Shitstorm rechtliche Konsequenzen wegen Beleidigung und Rufschädigung an und sagt der Partei ein Scheitern bei der Bundestagswahl voraus. „Durch die bevorstehende Ablehnung der Landesliste NRW und die beabsichtigte Schadenersatzklage dürfte sich die Bundestagswahl 2013 für die Piraten erledigt haben“, heißt es auf der Internetseite des Benutzers Merlin. Und weiter: „Ich werde wohl der ,Sarazzin’ der Piratenpartei. Ich bin ordentliches Mitglied der Piratenpartei, habe Rechte und wenn manche Piraten glauben, dass sie meine Rechte mit Füßen treten können, dann haben sie sich getäuscht.“ Gegenüber dem WA bestätigte Piper, das alles so geschrieben zu haben.

Gelassen im Fall Piper zeigte sich im Gespräch mit dem WA Achim Müller, Pressesprecher des NRW-Landesverbandes der Piratenpartei. Man habe seine Ausführungen zur Kenntnis genommen, aktuell gebe es aber keine juristische Auseinandersetzung. Gründe für ein Parteiauschlussverfahren liefere Piper nicht. „Grundsätzlich heißen wir jeden willkommen“, so Müller.

Beim Stammtisch der Piraten in Hamm hatte Piper nach eigener Aussage Hausverbot. Dies gelte jetzt aber nicht mehr. Hamms Piraten-Pressesprecherin Doris Prost zeigte sich zum Thema Piper auf Anfrage wenig auskunftsfreudig. Sie wisse nicht, ob er Mitglied ist. Auch die Frage nach dem Hausverbot konnte sie nicht beantworten. Beim Stammtisch sei Piper jedenfalls nicht mehr an Bord.

Auf seiner Wikiseite zeigt sich Piper enttäuscht über seine ausgebremsten Politik-Ambitionen. „Ich war mal davon überzeugt, dass Deutschland eine Partei wie die Piraten braucht. Jetzt wurde ich eines besseren belehrt. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Piraten ein Haufen von Chaoten, die nichts besseres mit ihrem Leben anzufangen haben, als andere zu provozieren und denunzieren.“

Wer nun den Schluss zieht, dass Piper der Partei den Rücken kehren wird, kennt den Hammer nicht. „Selbstverständlich“ werde er nach Meinerzhagen fahren (das Hotel sei gebucht) und kandidieren – aber nur für die ersten fünf Plätze der Liste. Piper sagte wörtlich gegenüber unserer Zeitung: „Ich ziehe das durch. Die kriegen mich nicht raus. Ich bin wie die Zecke am Arsch dieser Partei." - asc

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