Kreative Lösung

Corona-Dinner im Wohnmobil: Restaurant-Betreiber nutzen clever Schlupfloch - Nachfrage explodiert

Essen wie im Restaurant: Nora und Michael Wittler haben sich auf dem Parkplatz vom Haus Nattkemper in Hamm bedienen lassen.
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Essen wie im Restaurant: Nora und Michael Wittler haben sich auf dem Parkplatz vom Haus Nattkemper bedienen lassen.

Im Restaurant darf durch die Corona-Beschränkungen nicht mehr gegessen werden. Es gibt aber eine Alternative. Das Prinzip ist ebenso einfach wie genial. Weil es sich bei einem Wohnmobil um die „eigenen vier Wände“ der Besitzer handelt, können sie darin tun und lassen, was sie wollen – also auch festlich speisen.

Hamm – Seit dem 2. November ist die Gastronomie in NRW Corona-bedingt wieder geschlossen. Viele Gastronomen kämpfen damit weiter ums Überleben. Erste Abschlagszahlungen der angekündigten Hilfen sind für sie ein Tropfen auf den heißen Stein. Mancher macht jetzt aus der Not eine Tugend und sichert sich neben dem Außer-Haus-Verkauf zumindest minimale Einnahmen: Wohnmobil-Dinner lautet ein Angebot, das aktuell regelrecht zu explodieren scheint. (News zum Coronavirus in Hamm.)

Auch in Hamm gibt es Anbieter. Restaurants, die sich für einen Liefer- oder Abholservice entschieden haben, ihre Küche also weiterhin betreiben und zudem über Parkplätze vor der Tür verfügen, entdecken darin mehr und mehr eine innovative Art von „Überbrückungshilfe“.

So auch das Haus Nattkemper im Hammer Süden, das in der Region vor allem für seine Steaks bekannt ist. Inhaber Amin Bilkic hat sich auf der Facebook-Seite „WohnmobilDinner – das Original“ registrieren lassen und ist mit seinem Restaurant jetzt einer der vielen Punkte auf der Deutschlandkarte, die so dicht an dicht liegen, dass die Karte selbst kaum noch zu sehen ist. Knapp 24.000 Mitglieder verzeichnete die Seite am Freitag, die Anmeldungen von Nutzern und Gastronomen überschlagen sich.

Auf der Seite lassen sich per Mausklick einzelne Betriebe aufrufen. Es gibt einen Link zur Homepage und damit zu den Kontaktadressen und Speisekarten der Häuser.

Wohnmobil-Dinner gegen Verluste

Bilkic, der das Restaurant gemeinsam mit seiner Frau betreibt, will die Chance nutzen. Einerseits, um gegen die massiven Einnahmeverluste anzuarbeiten, andererseits, um seiner Kundschaft in diesen Zeiten ein schönes Menü-Ereignis zu ermöglichen. Inzwischen habe er fast jeden Tag Anfragen nach einem Wohnmobil-Dinner, sagt er. Essen können seine Kunden nach telefonischer Anmeldung und nach der normalen Karte. Die Speisen, die sie auf Tellern ins Wohnmobil gereicht bekommen, sind genauso frisch und heiß, als kämen sie an den Tisch im Restaurant. „Die Wege zum Parkplatz sind kurz, da gibt es keinen Qualitätsverlust“, sagt Bilkic.

Zu seinen Stammgästen – nicht nur als Wohnmobilbesucher – gehören Nora und Michael Wittler. Sie waren auf die Facebook-Seite aufmerksam geworden und hatten Bilkic den Tipp gegeben. Erneut sind sie an der Werler Straße vorgefahren, haben es sich gemütlich gemacht in ihrem Wohnzimmer auf Rädern und ihre Wunschgerichte bestellt. Die Getränke aus Flaschen kommen vorab und kurz darauf das Essen – alles genauso wie im Restaurant, dampfend, auf den Punkt gebraten und frisch auf den Tisch.

Zum Hauptgang: Amin Bilkic bringt die Speisen nicht an den Tisch, sondern ins Wohnmobil.

Delikatessen auf Rädern

„Für uns ist das eine Möglichkeit, uns ein schönes Abendessen zu gönnen und so etwas wie Normalität zu spüren“, sagt Michael Wittler. „Und umgekehrt können wir so die Gastronomie unterstützen.“ Wittler und seine Frau hatten sich ihr Wohnmobil angeschafft, um durch Deutschland zu reisen, doch dann kam Corona mit all seinen Einschränkungen und Reisebeschränkungen. Nun wollen die beiden das „erfahren“, was möglich ist – inklusive Wohnmobil-Dinner. Das liegt anscheinend in der Familie, denn Nora Wittlers Vater ist ebenfalls Wohnmobilist und hat schon einige Dinner auf Rädern getestet.

Amin Bilkic ist zuversichtlich, dass das Wohnmobil-Dinner einschlägt und auch Gäste von außerhalb bei ihm Station machen. Vorbestellungen hat er schon, auch für die Feiertage. „Das sind Menschen, die gerne auf Achse sind“, sagt er. „Und ich weiß von Stammkunden, wie sehr sie ein Essen vermissen, das ihnen serviert wird.“

Gastronomie und Corona

Amin Bilkic ist seit 1999 Inhaber von Haus Nattkemper. Aktuell beziffert er seinen Umsatz im Vergleich zu normalen Zeiten auf 20 bis 25 Prozent. In seinem Restaurant fänden rund 250 Gäste Platz. November und Dezember sind nach seinen Angaben die stärksten Monate. Die Einschränkungen vor dem November-Lockdown hätten gut funktioniert, sagt er.

"Leere Stühle": Restaurants in Hamm machen auf Not aufmerksam

Aktion "Leere Stühle" in Hamm am Maifeiertag.
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"Leere Stühle": Restaurants in Hamm machen auf Not aufmerksam

Ein Großes Dankeschön richtet er an seine Stammkunden, die ihm auch in Zeiten von Abhol- und Lieferservice die Treue hielten. Bilkic schimpft nicht auf den Staat: „Es gibt Unterstützung. Das sollte man auch einmal sehen.“ Dennoch sei die Situation sehr ernst. Der Januar stehe mit seinen Zahlungen an. Man müsse vorsichtig haushalten und einkaufen. Kontakt Haus Nattkemper: Telefon 59054, info@hausnattkemper.de

Weitere Anbieter

Auch das Blueliner an der Eissportarena bietet ab diesem Wochenende immer freitags bis sonntags (ab 18 Uhr) ein Wohnmobil-Dinner an. Reservierungen sind täglich ab 15 Uhr möglich unter Telefon 950591 oder per E-Mail an info@blueliner.bar. Die Plätze sind begrenzt und werden nach Eingang der Reservierungen vergeben.

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