Kaum jemand nutzt es für den eigentlichen Zweck

Pärchen und Übernachtungen: Dieses Klo ist das teuerste in ganz Hamm

Nur sechs bis sieben Personen nutzen das WC an der Kreuzung von Martin-Luther- und Sternstraße - täglich! Und nicht alle suchen es für den angedachten Zweck auf. Die Stadt Hamm hält an dem Service fest, greift dafür aber tief in die Tasche.

Hamm – 2004 wurde das Häuschen aufgestellt, es sollte zum umgestalteten Santa-Monica-Platz passen und eine ältere, arg verkommene Anlage ersetzen. 160.000 Euro hat der Neubau damals gekostet. Für den Unterhalt – Wartung, Reparaturen und tägliche Reinigung – falle jährlich ein mittlerer bis hoher vierstelliger Euro-Betrag an, sagte Stadtsprecher Tobias Köbberling.

Die Einnahmen sind dagegen übersichtlich: 50 Cent kostet der Zugang, etwa 100 Euro kommen so pro Monat zusammen, was auf etwa 200 Besucher schließen lässt und der Stadt gut 1200 Euro im Jahr beschert – deutlich weniger als die Ausgaben.

Service-Angebot oder Verlustbringer? Die 2004 eröffnete öffentliche Bedürfnisanstalt auf dem Santa-Monica-Platz hat nur wenige Besucher, dafür aber hohe Unterhaltskosten.

Wer das stille Örtchen besucht, hat dort 15 Minuten für sich. Sind die Türen erst mal zu, bleiben sie für eine Viertelstunde verriegelt, bevor sie nach einem Signalton wieder automatisch öffnen. So soll vermieden werden, dass die Kabinen dauerhaft blockiert sind. Schwerbehinderte mit einem Zugangsschlüssel haben eine halbe Stunde Zeit, um ihre Geschäfte zu erledigen. Durch die festen Zeiten soll auch verhindert werden, dass sich Obdachlose nachts in den Toiletten einquartieren.

Teuerstes Klo der Stadt Hamm: oft Missbrauch beobachtet

Relativ regelmäßig komme es zu missbräuchlicher Nutzung, sagte Köbberling. Denn nicht alle wollen allein ins Häuschen: Es seien dort schon Pärchen gesichtet worden, und natürlich auch Übernachtungsgäste. Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) schaue dort öfter nach dem Rechten.

Es sind dort schon Pärchen gesichtet worden, und natürlich auch Übernachtungsgäste.

Tobias Köbberling, Stadtsprecher

Geht man davon aus, dass die Situation sich seit 2004 nicht verändert hat, kostete der Unterhalt die Kommune schon weit über 100.000 Euro. Den fortlaufenden Verlust habe man einkalkuliert, hatte die Stadt bereits vor zwei Jahren in dieser Angelegenheit mitgeteilt. Daran hat sich aus ihrer Sicht wohl auch nichts geändert.

Rubriklistenbild: © Reiner Mroß

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