Kriminelle Völkerwanderung: Professionelle Bienendiebe in Hamm

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Schwarze Schafe unter den Imkern, so wird vermutet, schnappen sich Bienenvölker ihrer Kollegen.

Hamm – Flott, fleißig, nützlich: Bienen gelten als eine der tugendhaftesten Spezies auf unserem Erdenball. Weniger wohlgesittet sind allerdings die, die sie besitzen. Wenigstens zum Teil. Kaum ein Tag vergeht derzeit, an dem nicht zu lesen wäre, dass irgendwo in Deutschland Bienenstöcke gestohlen werden.

In Hamm, Neuruppin, Ulm und Neuss geschah dies zuletzt. In keinem Fall wurden die Täter bislang erwischt, aber die Imker-Szene ist sich sicher, dass hinter dem Freibeutertum am Waldesrand schwarze Schafe aus ihren eigenen Reihen stecken müssen. „Wer kein Imker ist, der traut sich doch nicht an die Kästen heran“, lautet die Theorie zum Täterprofil.

Michael Zwilling ist einer der vom Bienenklau betroffenen Zeidelmeister. Im vorigen Jahr haben die Diebe bei ihm zugeschlagen. Neun Völker wurden ihm gestohlen. In Osttünnen hatte er seine Kästen aufgestellt, der Schaden ging in die Tausende. „Und sie haben nur die besten Völker mitgenommen“, ärgert sich der 62-Jährige auch heute noch.

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Wie viele seiner Kollegen hatte er den Standort mit Wildkameras überwacht. Aber wie das manchmal so ist im Leben: Ein paar Wochen vor dem Diebeszug hatte es einen Sturm gegeben und der Baum, an dem die Kamera hing, wurde abgeknickt. Dann wurde der Bienenvater auch noch krank und kam nicht dazu, die Kamera wieder neu aufzustellen. „Und das haben die Diebe sofort ausgenutzt“, erklärt der Hammer, der auch über einige Jahre Vorsitzender des Imkervereins gewesen ist.

Mögliches Motiv der Täter

Gerade nach dem letzten Winter seien die Verluste der Imker hoch gewesen. Viele Völker seien gestorben. „Und es gibt halt Imkerkollegen, die stocken dann auf illegale Weise auf und bedienen sich an den Beständen der anderen. Das wird immer schlimmer“, sagt der Bienenzüchter, der ausschließlich Hammer Honig produziert und auch verkauft.

Michael Zwilling wurden fünf Bienenvölker gestohlen.

25 Völker hat er üblicherweise, die Kästen stehen an mehreren Stellen im Stadtgebiet verteilt. Zwischen dem 25. Mai und dem 2. Juni, wurden einem von Zwillings Mitstreitern in Bockum-Hövel fünf Bienenvölker gestohlen. Wegen des hohen Gewichts der Kästen geht die Polizei davon aus, dass die Täter mindestens zu zweit gewesen sein müssen und auch ein größeres Fahrzeug für den Abtransport zur Verfügung hatten. Zeugen der Tat haben sich bislang nicht gemeldet.

Dass der Bienenklau grassiert, ist allerdings nur eine gefühlte Wirklichkeit. „Die Zahlen sind nicht explodiert, und wir haben es hier auch nicht mit einem generellen Problem zu tun“, teilt der Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker mit. 9000 Bienenzüchter hat der Verein, der seinen Sitz in Hamm hat, in seinen Reihen. 125 Schadensfälle wurden ihm 2018 gemeldet – Sturmschäden waren mit 78 Ereignissen mit Abstand am häufigsten vertreten. Lediglich 23-mal wurden einem Imker die Bienen gestohlen. Die übrigen 19 Fälle gingen auf Vandalismus zurück.

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Auch wenn’s am Ende keine Bienen-Mafia gibt, die übers Land fährt und reihenweise Bienenstöcke einsackt: Die Imker, die übrigens ihre Tätigkeit beim Kreisveterinär anmelden müssen und für Stellungswechsel in Nachbarkreise Gesundheitszeugnisse für ihre Bienen vorlegen müssen, wünschen sich behördenseitig mehr Entgegenkommen: Trafo- oder Pumpstationen sind in der Regel umzäunt und ein idealer Standort für die Bienenkästen. „Wenn wir zu solchen Grundstücken einen Zugang hätten, wäre das Problem gelöst. Kommunen und Verbände sollten uns einfach einen Schlüssel überlassen“, meint Bienenvater Zwilling.

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