Rückkehr der Internet-Bucher

Corona-Überraschung: Hammer Reisebüros gewinnen verloren geglaubte Kunden zurück

Mehr Abwicklungen als Neubuchungen: Hans Doldi vom Derpart-Reisebüro an der Nordstraße reicht Mitarbeiterin Andrea Westerhoff Reise-Vorgänge weiter.
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Mehr Abwicklungen als Neubuchungen: Hans Doldi vom Derpart-Reisebüro an der Nordstraße reicht Mitarbeiterin Andrea Westerhoff Reise-Vorgänge weiter.

Die Herbstferien sind in diesem Jahr die Zeit der Daheimbleiber. Das merken auch die Hammer Reisebüros. Dort beschäftigte man sich eher mit Stornierungen als mit neuen Reisen. In der Krise gewinnen die Reisevermittler aber auch längst verloren geglaubte Kunden zurück.

Hamm – „Neubuchungen sind die Ausnahme“, sagt Hans Doldi vom Derpart-Reisebüro an der Nordstraße. „Wir sind eher mit der Abwicklung alter Buchungen beschäftigt.“ Es gebe Kunden, die ihre Reisen im Mai nicht antreten konnten und ihr Geld noch nicht zurückerhalten hätten. Viele Veranstalter hätten in der Corona-Krise Kurzarbeit eingeführt oder ganz geschlossen, sagt Doldi. Sie seien für Rückerstattungsfragen einfach nicht erreichbar.

Sein Reisebüro dagegen sei die gesamte Krise hindurch geöffnet gewesen, habe auch Kunden beraten, die in anderen Büro gebucht hatten und dort vor verschlossenen Türen standen. Die Ausfälle lägen bei mehr als 80 Prozent sagt er, das gelte auch bundesweit. Und zuletzt kam dann auch noch das, was Doldi als das „Hamm-spezifische Problem“ bezeichnet: Die Einstufung der Stadt als Risikogebiet, was zur Ablehnung von Hammer Kunden durch Hoteliers und Reiseveranstalter führt. Doldi ärgert „das Negativ-Image unserer Stadt“ und kämpft mit den praktischen Problemen.

Reisebüros gewinnen längst verloren geglaubte Kunden zurück

Die hat auch Daniela Friedrich vom First-Reisebüro am Marktplatz zu bewältigen. „Ich telefoniere mit Hotels, lasse mir bestätigen, dass die Gäste nicht anreisen dürfen und sende den RKI-Wert an den Reiseveranstalter“, beschreibt sie ihre neue tägliche Routine. Immerhin: Die Kunden könnten dann in der Regel kostenlos umbuchen oder stornieren.

Die Buchung im Reisebüro erhöhe die Chancen, bei Ausfällen nicht auf den Reisekosten sitzen zu bleiben, sagt Friedrich. Und sie stellt fest, dass in der Krise verloren geglaubte Kunden zurückkehren. Während die klassischen Reisebürokunden in den vergangenen Monaten wohl oft zu Hause geblieben sind, sagt sie, seien jene, die früher auf eigene Faust gebucht hätten, jetzt zu den Büros zurückgekehrt. Die Beobachtung hat auch Hans Doldi gemacht: „Wir bieten ja einen gewissen Schutz, der ist gefragt.“ Nach dem Tsunami im Indischen Ozean 2004 sei es ähnlich gewesen.

Harte Zeiten für Reisebüros

Friedrich sieht weitere Vorteile der Büros: Reisen könne man ja noch, nach Griechenland, Italien oder Portugal beispielsweise. Die Einreisebestimmungen der einzelnen Länder seien aber unterschiedlich und kompliziert, eine Fachberatung im Reisebüro helfe da. Wer wolle schließlich am Flughafen stehen und wegen einer vergessenen Formalie nicht losfliegen können?

Es gebe in der Branche leichte Zeichen der Besserung, sagt Doldi. Bei Kreuzfahrten seien Non-Stop-Touren im Gespräch – ohne die reizvollen Zwischenstopps mit Landgang. Doldi geht davon aus, dass die Flaute im Reisebereich noch einige Zeit anhält. Vor dem kommenden Frühjahr rechne er nicht mit einer Besserung. Er könne auf Rücklagen zurückgreifen. Aber alle Reisebüros würden die Krise wohl nicht überstehen.

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