Mehr Zeit für die Familie

Die „Löwin“ geht nach 45 Jahren: Doris Kuss hat die Löwen-Apotheke über Jahrzehnte geprägt

Blumen zum Abschied: Die Wege von Brigitte Wigand-Heppelmann (rechts), Chefin der Löwen-Apotheke, und ihrer langjährigen Mitarbeiterin Doris Kuss trennen sich.
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Blumen zum Abschied: Die Wege von Brigitte Wigand-Heppelmann (rechts), Chefin der Löwen-Apotheke, und ihrer langjährigen Mitarbeiterin Doris Kuss trennen sich.

„Es ist schon ein komisches Gefühl, nicht mehr hier zu arbeiten“, sagt Doris Kuss, die ihren letzten Arbeitstag am Dienstag in der Löwen-Apotheke am Theodor-Heuss-Platz absolvierte. 45 Jahre hatte sie hier gearbeitet und hielt als „Löwin“ stets die Stellung.

Hamm-Mitte – Begonnen hatte alles mit der Arbeit beim damaligen pharmazeutischen Großhandel an der Dahlienstraße. „Dort habe ich für einige Monate gearbeitet, um zu schauen, ob das was für mich ist“, sagt Kuss. Die Arbeit gefiel ihr und sie schloss eine zweijährige schulische Ausbildung als Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) in Hamm ab.

Anschließend, ab dem 1. Oktober 1975, absolvierte Kuss ein sechsmonatiges Praktikum in der Löwen-Apotheke. Und blieb dort. Kuss: „Ich habe schon immer die Arbeit mit Menschen geliebt, zudem ist dieser Beruf sehr abwechslungsreich.“ Botanik, Chemie, Warenkunde und Marketing, all das muss eine PTA beherrschen.

Ein Blick zurück auf 45 Jahre: Das hat sich verändert

Doch in den 45 Jahren veränderte sich einiges: Als Kuss in der Löwen-Apotheke anfing, gab es kaum technische Unterstützung. „Wir mussten noch alles im Kopf ausrechnen. Prozentrechnung mussten wir beispielsweise beherrschen und jeden Preis auswendig wissen.“ Denn vor über 40 Jahren wurden viele Medikamente und Teesorten noch direkt in der Apotheke gemischt, ganz ohne Taschenrechner – und eine Kasse, wie wir sie heute kennen, gab es auch nicht.

Brigitte Wigand-Heppelmann, Inhaberin der Löwen-Apotheke, erinnert sich zurück: „Hier gab es früher eine Laborversorgung für uns und andere Apotheken und für Arztpraxen.“ Da musste im Labor deutlich mehr selbst hergestellt werden. Eine technische Erleichterung ist auch das zehn Meter lange Laufband, das Medikamente aus dem Lager in den Verkaufsraum befördert. „Diesen Weg mussten wir früher jedes Mal laufen“, sagt Kuss. Das sei oft mühsam gewesen. Und „die Löwin“, wie Wigand-Heppelmann ihre langjährige Mitarbeiterin gerne nennt, habe stets jede Veränderung mitgemacht.

Abwechslung trotz technischer Neuerungen

Die Neuerungen im Laufe der Jahre findet Kuss nicht schlimm. Schließlich bleibe so mehr Zeit für die Kunden. Ihr Job hielt sie trotz technischer Ausrüstung bis zuletzt fit, denn hierbei steht und läuft die Apothekerin weiterhin viel. „Das hält nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit.“ Den Blick auf das Rathaus werde die PTA in Zukunft vermissen.

„Ich weiß noch nicht genau, was ich machen werde. Viele Möglichkeiten gibt es in diesen Zeiten nicht. Aber ich lese gerne, gehe gerne spazieren und hoffe darauf, bald wieder verreisen zu können“, sagt die 63-Jährige, die in Norddinker wohnt. Sie habe dann auch mehr Zeit für ihren Mann Lothar und ihre mittlerweile 36-jährige Tochter Carina. Komplett verlassen will Kuss die Apotheke aber nicht. Die langjährige Angestellte werde auch in Zukunft gerne vorbeischauen und als Kundin weiter den Kontakt zu den Kollegen halten.

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