Mit Termin

Die Hoffnung ruht auf Tornister: Schreibwarenläden setzen nach der Öffnung auf die Schulranzenberatung

Knallige Farben und Motive für Mädchen und Jungen: Martin Menzel vor seiner Schulranzengalerie.
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Knallige Farben und Motive für Mädchen und Jungen: Martin Menzel vor seiner Schulranzengalerie.

Schreibwarenläden und Bürobedarfshändler freuen sich inständig, am Montag wieder öffnen zu dürfen.

Hamm – Bis zur Einschulung dauert es zwar noch fünfeinhalb Monate, doch die Frage, welchen Tornister die i-Männchen am ersten Schultag tragen sollen, wird in vielen Familien schon heiß diskutiert. Die ersten Monate des Jahres sind die Hochphase des Schulranzenverkaufs.

Tat es früher noch ein einfacher Ledertornister, tragen die Kinder inzwischen ergonomisch geformte Ranzen mit erstaunlichem Stauraum auf dem Rücken. Die Preise gehen oft über 200 Euro. Doch nicht jedem Kind passe jeder Ranzen, meint Martin Menzel, der in Hamm-Süden seit 2004 das Bürocenter Menzel & Woelke betreibt. Eine Beratung sei unerlässlich. An diesem Montag will er damit beginnen; es gebe hunderte Anmeldungen.

Schulranzen-Verkauf mit Termin

Das Geschäft mit den Schulranzen habe besondere Bedeutung für die Branche, sagt Christian Podszuk, der „Schreiben und Schenken“ an der Weststraße betreibt. Auch er berichtet von zahlreichen Anfragen in den vergangenen Wochen, die ersten Beratungstermine sollen Corona-bedingt ebenfalls am 8. März stattfinden.

Etwa 1600 Kinder werden in Hamm jährlich eingeschult, um sie bemüht sich ein übersichtlicher Kreis örtlicher Händler. Und mit dem Kaufhof ist ein Anbieter, der Ranzen im großen Stil verkaufte, in Hamm verschwunden. Das eröffnet Chancen für Askania. Anfang Februar hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet, die vorläufige Insolvenzverwalterin Dorothee Madsen zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Sanierung gelingt. Die Filiale an der Weststraße soll an diesem Montag ebenfalls wieder öffnen. Auch hier heißt es, für die Schulranzenberatung gebe es Termine und hunderte Anfragen.

Unverständnis bei Händlern wegen Corona-Maßnahmen

Doch abseits des Ranzen-Hypes sieht es für die Branche schwierig aus. Der Büro- und Schreibwarenhandel verdiene sein Geld in der Vorweihnachtszeit und mit den Einschulungen, sagt Podszuk. Durch den Lockdown im Dezember fehle da bereits einiges in der Kasse. Umso wichtiger sei nun die Ausstattung der künftigen i-Männchen. Martin Menzel sieht in Drogerien und Supermärkten eine unfaire Konkurrenz.

Während sein Ladenlokal zuletzt zugeschlossen bleiben musste, verkauften Selbstbedienungsläden und Verbrauchermärkte munter weiter Stifte, Schreibhefte, Malblöcke und Schnellhefter – der Bedarf dürfte durch den Distanzunterricht noch gestiegen sein. Auch Christian Podszuk zeigt sich da verärgert: Es gehe um das gleiche Sortiment, und dabei sei sein Laden genauso sicher wie jeder Supermarkt. Inzwischen, so sagt Menzel, gebe es bereits viele Städte ohne stationären Schreibwarenhandel.

Bedarf an Schulranzen weiterhin hoch

Dass Menzel & Woelke das vergangene Jahr dennoch „ganz gut“ überstanden habe, liege an den Büromöbeln, sagt Menzel. Ergonomische Stühle und höhenverstellbare Schreibtische seien seit dem Aufkommen des Homeoffice gefragt.

Mit ganz anderen Fragen beschäftigt sich Brigitte Färber. Die Vorsitzende des Vereins „Sonnenkinder“ organisiert jedes Jahr Schulranzen für benachteiligte Familien. 150 werden es dieses Mal sein, sagt sie. Mehr als zuvor, der Bedarf sei groß.

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