Warum die japanischen Vierbeiner etwas ganz Besonderes sind

Club der tiefenentspannten Hunde: Fachfrau für Akitas kommt aus Hamm

Zuchtrichterin Angelika Kammerscheid-Lammers aus Hamm mit Akita-Hund Kimiko.
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Ein Herz und eine Seele: Zuchtrichterin Angelika Kammerscheid-Lammers aus Ostwennemar und ihre Akita-Hündin Kimiko.

Angelika Kammerscheid-Lammers ist Trägerin der Baron-von-Gingins-Medaille, einer der höchsten Auszeichnungen des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH). Das kommt nicht von ungefähr: Sie ist anerkannte Fachfrau für japanische Hunderassen – und engagiert sich seit Jahrzehnten in bundes- und weltweiten Verbänden.

Hamm – Vor elf Jahren kam mit „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ ein Film über eine ganz besondere Beziehung in die Kinos. Richard Gere spielt darin einen College-Professor, dessen Hund Hachiko, ein Vertreter der Hunderasse Akita, seinem Herrchen treu ergeben ist. Selbst nach dessen Tod wartet Hachiko zehn Jahre lang jeden Tag pünktlich am Bahnhof auf seine Wiederkehr. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte, die sich Anfang des letzten Jahrhunderts an der Shibuya Station in Tokio abgespielt hat. Dass ein Akita nicht nur treu und folgsam ist, sondern auch einen besonderen, oft eigenwilligen Charakter hat, davon kann Angelika Kammerscheid-Lammers aus Ostwennemar ein Lied singen. „Man wirft einen Stock, und der Akita bringt ihn brav zurück. Man wirft den Stock ein weiteres Mal, aber der Hund rührt sich womöglich nicht. Er scheint zu denken ‚Pass besser drauf auf, oder hole ihn selber‘.“

Mit einem Blick auf Kimiko, ihre eigene Akita-Hündin, erläutert Kammerscheid-Lammers: „Akitas sind sehr selbstbewusst und dominant, haben ihren eigenen Kopf und mögen auch nicht unbedingt fremde Hunde.“ Sie lacht: „Andererseits hatte ich aber auch noch nie einen dermaßen tiefenentspannten Hund.“ Und tatsächlich: Nachdem die Hündin den Besuch freundlich begrüßt hat, liegt sie – nicht nur optisch einem Plüschtier gleich – beinahe unbemerkt unter dem Tisch und lässt sich im Grunde durch nichts aus der Ruhe bringen.

Ehrenpräsidentin im Akita-Club

Kein Vergleich zu Kammerscheid-Lammers Pudel Andy, dem „verrücktesten Hund der Welt“. Warum? „Andy hat nur im Handstand gepinkelt“, berichtet Kammerscheid-Lammers. Das dürfte 1979, als sie ihren späteren Mann Lutz Lammers kennenlernte, für einige Erheiterung gesorgt haben. Durch ihren verstorbenen Mann hat sie die Rasse Akita erst kennengelernt. Und seither hat sich Angelika Kammerscheid-Lammers den japanischen Hunderassen, insbesondere den Akitas, verschrieben. Von 1984 bis 1992 züchtete das Ehepaar selbst unter dem Zwingernamen „von Hammona-Ken“.

Seit über 40 Jahren ist Kammerscheid-Lammers schon Mitglied im Akita Club und war bis 2018, davon die letzten zwölf Jahre als Vorsitzende, im Vorstand tätig. „Ich habe im Vorstand irgendwann mal alle Posten bekleidet. Nur Kassiererin war ich nie.“ Seit März dieses Jahres ist sie Ehrenpräsidentin.

Selbstbewusst, aber tiefenentspannt: Angelika Kammerscheid-Lammers’ Hündin Kimiko.

Vorstandsmitglied im VDH

Ganz „nebenbei“ ist sie Zuchtrichterin, Zuchtrichter-Obfrau und Zuchtwart, seit 2018 auch Vorstandsmitglied im VDH, dem mit rund 650.000 Mitgliedern größten Hundeverband in Deutschland. Zudem ist sie Vize-Präsidentin der internationalen „World Union of the Akita Clubs“ mit Sitz in Tokio. Darauf bestand der damalige Präsident des Japan Kennel Club, Toyosaku Kariyabu, den die Lammers bereits in den 90ern kennengelernt hatten. Schon einige Male war Kammerscheid-Lammers seither in Japan.

Unverzichtbar war für sie dabei Izumi Awashima, der ihr nicht nur die japanischen Traditionen und Umgangsformen zur Umschiffung der größten Fettnäpfchen näherbrachte, sondern auch die Sprache übersetzte. Wie wichtig das ist, merkte Kammerscheid-Lammers, als sie sich ganz allein zum Hard-Rock-Café Tokio durchkämpfte, weil ein Kollege sie gebeten hatte, ihr von dort einen Pin mitzubringen. Immerhin hatte sie es per U-Bahn und Bus in den richtigen Stadtteil geschafft, allerdings waren dort alle Hinweisschilder nur noch mit japanischen Schriftzeichen versehen, somit keine Hilfe. Es folgte eine Odyssee, ehe sie letztlich mithilfe einer Japanerin das Hard Rock Café finden und die begehrten Metallstecker kaufen konnte.

35 Jahre bei der Stadt Hamm

Natürlich war Kammerscheid-Lammers auch hauptberuflich tätig, davon 35 Jahre bei der Stadt Hamm. In ihrem letzten Arbeitsbereich, dem Umweltamt der Stadt Hamm, war sie unter anderem für die Reptilien- und Amphibien-Artenschutzkontrollen zuständig. Was sich nicht besonders spannend anhört, entpuppt sich auf Nachfrage als ein interessantes Arbeitsgebiet. Dass man für manch harmloses und weit verbreitetes Tier zahlreiche Befähigungs-Nachweise erbringen muss, aber bis vor kurzem eine Schwarze Mamba beispielsweise ohne jedwede Vorgaben halten durfte, findet sie noch immer ziemlich befremdlich.

„Viele Tierarten gehören einfach nicht in private Hände. Einen Waran von zwei Meter Länge oder ein Krokodil kann man wohl kaum artgerecht in einer Privatwohnung halten.“ Und doch hat sie in ihrer beruflichen Laufbahn einiges in dieser Art erlebt.

Über Langeweile kann Kammerscheid-Lammers aber auch bei ihrem Hobby als Zuchtrichterin nicht klagen. Zu ihren persönlichen Highlights gehören – natürlich – Japan, aber auch die Einsätze in den USA oder in 18 europäischen Ländern bleiben ihr in besonderer Erinnerung, nicht zuletzt, weil sie darüber viele Bekanntschaften und auch Freundschaften geknüpft hat, die sie bis heute begleiten. In Ländern, in denen schwierige politische Verhältnisse herrschen, ist der Aufenthalt auch schon mal „etwas aufregender“. So hatte es in einem Hotel in der Ukraine um Mitternacht eine Bombenwarnung gegeben. Glücklicherweise entpuppte die sich nach zwei Stunden als Fehlalarm. Im nächsten Jahr geht es erstmals nach Moskau. Kammerscheid-Lammers ist schon etwas aufgeregt und freut sich sehr.

Der Akita

Der Akita gehört zu den offiziellen National- und Naturdenkmälern Japans und ist eine der ältesten Hunderassen der Welt. Zuchtnachweise können bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Skelettfunde lassen die Vermutung zu, dass es ähnlich aussehende Hunde in Japan bereits vor circa 5000 Jahren gegeben haben muss. Der Akita hatte sich Anfang des letzten Jahrhunderts durch die Kreuzung mit anderen Rassen jedoch stark im Erscheinungsbild verändert.

Viele Amerikaner nahmen nach dem Zweiten Weltkrieg Akitas aus Japan mit nach Hause. Dort wurden sie mit anderen Rassen gekreuzt, was zu einem ziemlichen Durcheinander führte. American Akitas sind größer und schwerer. Während ein adulter Akita-Rüde 35 bis 40 Kilogramm wiegt, bringt ein American Akita 55 bis 60 Kilogramm auf die Waage. Mittlerweile werden Akitas und American Akitas als unterschiedliche Rassen behandelt, deren Zuchtlinien wegen des im Jahre 2000 in Kraft getretenen Zuchtverbots sorgsam getrennt gehalten werden.

Quelle und weitere Infos: www.akita.de.

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