Bei "Deutschlandtakt"-Planungen im Mittelpunkt

Direkt nach Paris: Berlin hat große Pläne für Bahn-Standort Hamm

Zugreisende sollen künftig mehrmals täglich von Hamm aus ohne Umstieg nach Paris fahren.
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Zugreisende sollen künftig mehrmals täglich von Hamm aus ohne Umstieg nach Paris fahren können.

Der Hammer Bahnhof steht im Mittelpunkt der Planungen für den Deutschlandtakt, mit dem der Bahnverkehr im gesamten Bundesgebiet bis 2030 gesteigert und verbessert werden soll.

Hamm –  Die Kernpunkte des Deutschlandtrakte aus Hammer Sicht: Von hier aus sollen Fernzüge künftig häufiger nach Berlin und Süddeutschland fahren, außerdem soll es Direktverbindungen nach Paris und Hamburg geben. Die Umsetzung der Pläne dürfte Jahre dauern. (Im Gegensatz zur ersten ICE-Direktverbindung von Hamm zur Nordsee, die frisch gestartet ist.)

Pünktliche Züge, schnellere Verbindungen und mehr Güter auf der Schiene sind die Ziele des „Schienenpaktes“, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Kern des Vorhabens ist der sogenannte Deutschlandtakt, bei dem alle öffentlichen Verkehrsmittel vom Hochgeschwindigkeitszug bis zum Stadtbus aufeinander abgestimmt fahren sollen. Busse und Bahnen treffen dabei gleichzeitig an Knotenpunkten ein, um lange Umsteigezeiten zu vermeiden. In der Schweiz funktioniert das seit 1982, in Deutschland soll es 2030 so weit sein.

In Hamm deutlich mehr Bahn-Verbindungen als bisher

Der Hammer Bahnhof nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Im „Zielfahrplan“, den drei Ingenieurbüros für das Bundesverkehrsministerium entwickelt haben, sind in Hamm deutlich mehr Verbindungen als bisher vorgesehen. Dreimal pro Stunde soll es beispielsweise nach Berlin gehen, alle zwei Stunden ohne Zwischenhalt nach Hamburg, außerdem mehrmals täglich ohne Umstieg nach Paris. Heute fahren in Hamm stündlich etwa 20 Personenzüge ab, in zehn Jahren sollen es fast 30 sein.

Möglich machen soll das ein Ausbau der Bahnstrecken nach Dortmund und Bielefeld sowie des Hammer Bahnhofs selbst. Als notwendig bezeichnen die Gutachter dabei ein drittes Gleis zwischen Dortmund und Hamm. Zwischen Hamm und Bielefeld sollen Regionalzüge künftig mit Tempo 160 über die bisherigen Güterzuggleise fahren, auf den Personenzuggleisen sollen Hochgeschwindigkeitszüge mit Tempo 300 fahren. Hinter Bielefeld schlösse sich dann eine Neubaustrecke bis kurz vor Hannover an.

Halbstundentakt zwischen Hamm und Berlin als Kern

Für die Gutachter gehören der Halbstundentakt zwischen Hamm und Berlin sowie der damit verbundene Streckenausbau zu den fünf Kernelementen des Deutschlandtaktes. Der Ausbau der Strecke Dortmund – Münster, dem in Nordrhein-Westfalen bisher Priorität eingeräumt wurde, kommt in dieser Liste dagegen nicht vor. Kosten für Aus- und Neubauten nennen die Gutachter nicht, sie dürften jedoch in den Milliardenbereich gehen.

Bei den üblichen Planungszeiten und den zu erwartenden Widerständen ist zudem zweifelhaft, ob die entsprechenden Baumaßnahmen bis 2030 abgeschlossen sein könnten. Städte und Kreise im Weserbergland lehnen eine Neubaustrecke beispielsweise ab. Das Berliner Verkehrsministerium will Mitte Juli über die mit dem Takt verbundenen Infrastrukturprojekte informieren.

So könnte der Fahrplan in Hamm in einigen Jahren aussehen:

Fernverkehr:

  • in Richtung Berlin zweimal pro Stunde per ICE, alle zwei Stunden per IC und mehrmals täglich mit dem französischen Thalys
  • in Richtung Hamburg alle zwei Stunden mit einem ICE-Sprinter, der von Hamm aus an Bielefeld und Hannover vorbei ohne Halt in die Hansestadt fährt
  • in Richtung Düsseldorf und Köln stündlich drei ICE- und eine IC-Verbindung, die Züge führen weiter nach Stuttgart (ICE, zweistündlich), nach Basel (ICE, stündlich) und nach Paris (Thalys, mehrmals täglich)
  • in Richtung Kassel und Münster ist kein Fernverkehr vorgesehen

Regionalverkehr:

  • in Richtung Bielefeld und Minden dreimal stündlich per Rhein-Ruhr-Express (RRX)
  • in Richtung Paderborn einmal pro Stunde per RRX, der bis Eisenach weiterfahren soll, und zweimal per Regionalbahn
  • in Richtung Hagen wie bisher zweimal stündlich mit dem Regionalexpress (RE7 nach Krefeld und RE13 nach Venlo)
  • in Richtung Dortmund stündlich drei Verbindungen per RRX und eine per Regionalexpress (Verlängerung des RE4 Aachen – Dortmund bis Hamm)
  • in Richtung Münster zweimal pro Stunde per Regionalbahn (neue Endstation Münster Zentrum Nord) und zweimal per Regionalexpress (wie bisher RE7 nach Rheine, zusätzlich soll die bisher in Hamm endende RE13 über Münster und Gronau nach Zwolle verlängert werden)

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