Lange Schlangen: Deutschkurse werden zum Problemfall

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Bei Beginn der Anmeldung zu den Sprachkursen Deutsch als Fremdsprache standen die Flüchtlinge gestern Schlange.

Hamm - Im Amt für soziale Integration hängt der Haussegen offenbar schief. Das umfangreiche, eine Woche dauernde Anmeldeverfahren für die etwa 35 Deutschkurse für Flüchtlinge und zugewanderte EU-Ausländer (660 Plätze), das jetzt begonnen hat, wird von einem Ersatzteam durchgeführt. Um 8 Uhr standen die Flüchtlinge am Pädagogischen Zentrum Schlange bis auf die Straße.

Die Dozenten, die zum Teil seit vielen Jahren freiberuflich im Auftrag der Stadt Deutsch unterrichten, haben in den Weihnachtsferien schriftlich einen neuen Ansprechpartner genannt bekommen. Sie sollen sich nicht mehr an die langjährige Programmbereichsleiterin Georgia Panagiotidou wenden, sondern an Ludger Bietmann, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums (KI).

„Herrn Bietmann fehlt völlig die erforderliche germanistische Kompetenz“, sagte einer der betroffenen Dozenten (Name der Redaktion bekannt). „Wie will Herr Bietmann die Sprachkompetenz der Teilnehmer feststellen und die richtige Einstufung vornehmen, auf welchem Lernstandsniveau der Teilnehmer beginnen soll?“ Er könne gar nicht verstehen, warum ein seit Jahren bewährtes und belastbares Team „jetzt mit einem Federstrich zerschlagen wird.“ Die fachliche Kompetenz von Georgia Panagiotidou sei unbestreitbar und das Team mit etwa 17 Dozenten habe unter ihrer Führung jahrelang gute Erfolge erzielt.

"Teilnehmer für den Arbeitsmarkt fit machen"

Die Amtsleitung bewertet das offenbar anders. „Wir wollen die Sprachkurse besser machen“, sagte Wolfgang Müller, Leiter des Amtes für soziale Integration auf WA-Anfrage. „Unser Ziel ist es, bedarfsgerechte Inhalte zu vermitteln. Wir wollen die Teilnehmer für den Arbeitsmarkt fit machen und nicht nur Deutschkenntnisse vermitteln.“ Deshalb würden die Unterrichtsinhalte überprüft, die teilweise veraltet seien. Auch das Anmeldeverfahren solle verbessert werden. „Wir machen eine Organisationsprüfung und haben dazu einen Laufzettel entwickelt“, sagte Müller.

Die Sprachkurse müsste „passgenau“ sein. Gegenüber 2015, als eine große Welle von Flüchtlingen neu nach Hamm gekommen sei, habe sich die Situation 2016 schon wieder deutlich geändert. „Wir haben nicht mehr so viele Flüchtlinge, aber viele Rumänen und Bulgaren, die auch die deutsche Sprache lernen wollen“, so Müller. Außerdem habe des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die bisherige Praxis in Hamm kritisiert und mehr Flexibilität gefordert.

Verwaltungskräfte seien krank gewesen

Das Ersatzteam habe er aber aus einem anderen Grund zusammengestellt, so Müller weiter. Alle drei Verwaltungskräfte, die den Bereich Deutsch als Fremdsprache bearbeiten, seien krank gewesen. Um den Anmeldetermin in dieser Woche halten zu können, habe er dann andere Mitarbeiter aus der Stabsstelle Soziale Planung und aus seinem Amt beauftragt, diese Aufgabe zu übernehmen. Die aktuell laufende Anmeldung werde von 17 Personen begleitet. Darunter seien auch Deutschlehrer, die über die sprachliche Fachkompetenz für die Einstufung in die richtigen Kurse verfügen.

„Wir werden alle Deutschlehrer für die nächste Woche zu einem gemeinsamen Termin einladen und über die Veränderungen unterrichten“, sagte Müller. „Wer mit uns zusammenarbeiten möchte, mit dem werden wir auch weiterhin zusammenarbeiten.“

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