Krematorien im Dauerbetrieb

Deutlich mehr Sterbefälle in Hamm - aber (noch) kein "Totenstau"

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Sarg im Herringer Krematorium.

Hamm - Die Zahl der Sterbefälle ist im ersten Quartal 2018 drastisch angewachsen. Auch in Hamm. Ursache, so wird bundesweit vermutet, könnte die Grippewelle sein, doch Belege dafür gibt es nicht. Das hat spürbare Auswirkungen auf die Arbeit in den Krematorien.

164 Sterbefälle wurden vom 1. bis 22. März 2017 in Hamm registriert. In diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum 211 – was also einer Steigerung um rund 30 Prozent gleichkommt. Die Zahlen nannte ein Sprecher der Stadtverwaltung auf WA-Anfrage.

In den Krematorien in Hamm und Werl wird deshalb seit einigen Wochen im Drei-Schicht-System gearbeitet. Rund um die Uhr laufen dort die Öfen. Vier stehen in Hamm, zwei in Werl; eine Feuerbestattung werde mittlerweile von 75 bis 78 Prozent der Hammer gewählt, wie Matthias Degener, Hauptgeschäftsführer der Krematorium Hamm beziehungsweise Krematorium Werl GmbH auf WA-Anfrage erklärt.

Von einem „Totenstau“, wie es beispielsweise in Berichten aus dem sächsischen Meißen heißt, sei man aber weit entfernt. Die Kapazitäten seien nicht erschöpft. „Wir schaffen es noch. Aber es ist schon viel zu tun“, sagt Degener.

15.000 Verstorbene werden für gewöhnlich pro Jahr in den beiden Anlagen eingeäschert. Im ersten Quartal 2018 habe man einen Zuwachs um etwa 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, so Degener. Das Einzugsgebiet sei dabei gleich geblieben, allerdings setze sich der Trend zur Feuerbestattung mittlerweile auch im Münsterland mehr und mehr durch – und Tote von dort würden dann auch in Hamm kremiert.

Gefüllte Urnen werden im Herringer Krematorium in Schließfächern untergebracht.

Was ist die Ursache für den Anstieg?

Die Ursachenforschung gestaltet sich schwierig. Keine Erkenntnisse, so heißt es aus dem Hammer Gesundheitsamt, habe man, ob es in diesen Tagen und Wochen einen Zusammenhang zwischen der Influenza und der steigenden Zahl von Todesfällen gebe. Auch der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) kann nicht mit aktuellen Zahlen dienen.

Die amtliche Statistikstelle für Nordrhein-Westfalen erfasst zwar nicht nur die Sterbefälle nach Regionen, sondern auch die Todesursachen. Die aktuellsten Zahlen stammen allerdings aus dem Jahr 2015.

Erfahrungsgemäß, so erklärte ein Sprecher des Landesbetriebs auf WA-Anfrage, sei aber ein Kreislaufversagen die Haupttodesursache in unseren Breiten. Die Influenza spiele in dieser Hinsicht eine nur sehr geringe Rolle.

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